Ken Blocks "Gymkhana 6" Achtung, Schleudergang!

"Gymkhana 6", die Fortsetzung der spektakulären Driftorgien, ist erschienen. Das Filmchen dürfte wie seine Vorgänger millionenfach geklickt werden. In den Hauptrollen: der Fahrer in seinem 600-PS-Wagen, zwei Lamborghinis und eine Abrissbirne mit fiesen Stacheln.

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Seit fast anderthalb Jahren fiebern Millionen Menschen dem neuen Gymkhana-Video entgegen. In den bisherigen fünf Clips zeigte der amerikanische Rallyefahrer Ken Block, was mit einem 600-PS-Auto machbar ist, wenn man Gaspedal und Handbremse richtig zu bedienen weiß. Seine Driftorgien haben so viele Leute begeistert, dass sie jeweils unter den meistgeklickten YouTube-Videos des Jahres landeten. Insgesamt wurden sie mehr als 200 Millionen Mal angeschaut.

Die Reihe folgte strikt den Regeln des Show-Business, wonach alles Neue das Vorhergehende in den Schatten stellen muss. Noch spektakulärer, noch dramatischer geriet bislang jedes neue Gymkhana-Video. Größeres Kino.

Jetzt ist der sechste Teil erschienen.

Ken Block ist darin mal wieder dort, wo er sich am wohlsten fühlt: am Rande des Wahnsinns. Dieses Mal auf dem Flughafen von San Bernardino, einer 200.000-Einwohner-Stadt östlich von Los Angeles. Neben dem Fahrer und seinem modifizierten Ford Fiesta spielen zwei Lamborghinis und eine stachelige Abrissbirne die Hauptrollen. Aber sehen Sie selbst:

Für Mobilnutzer: Hier klicken, um das Video zu sehen.

Wenn sich das Schwindelgefühl gelegt hat und man wieder in der Lage ist, einen klaren Gedanken zu fassen, kommt einem das Höher-Schneller-Breiter-Prinzip in den Sinn. Der Fluch der Fortsetzung: Ist es gelungen, eine Schippe draufzulegen? Ken Block beantwortet die Frage mit einem ehrlichen Nein. "Ich glaube nicht, dass 'Gymkhana 6' besser ist als Teil 5", sagt er SPIEGEL ONLINE.

Populärer, professioneller, profitabler

"Gymkhana 5", das war der Höllenritt mitten durch San Francisco. Die Innenstadt der Metropole wurde dafür von jedem Verkehr befreit, die Behörden sperrten für Ken Block sogar die riesige Bay Bridge. "Das lässt sich nun mal nur schwer toppen", sagt der 45-Jährige.

Auf "Gymkhana 6" ist er nach eigenen Angaben natürlich trotzdem stolz, er verfolgte nun ein anderes Konzept als beim Vorgänger.

"Wir haben auf dem Flughafengelände gedreht, weil die Kulisse dort sehr einfach und übersichtlich ist. Die Kursführung sollte im Vordergrund stehen und nichts davon ablenken", sagt Block. Es ist eine Rückkehr zu den Anfängen, zu "Gymkhana 1", das ebenfalls auf einem Flughafen gedreht wurde. Der Unterschied zu damals: "Der Kurs war dieses Mal wie eine Rennstrecke gestaltet."

Während es im ersten Teil so wirkt, als ob Ken Block das Gelände mit seinem Wagen überfällt und sich in verwaisten Hallen und auf leeren Start- und Landepisten austobt, folgt seine Fahrt in "Gymkhana 6" einem klaren Streckenprofil - so wie es auch bei Großveranstaltungen eingesetzt werden könnte. Die Fokussierung auf das Kurs-Design war ihm wichtig, meint Block, "weil ich damit eine Entwicklung anstoßen will, wie sie in der Formel 1 seit Jahrzehnten stattfindet".

Was Block damit sagen will: Er möchte Gymkhana nicht nur populärer, sondern auch professioneller und schlussendlich kommerzieller machen.

Gymkhana gab es bereits vor Ken Block, aber der Motorsport war nur einigen wenigen Vollgasfreaks bekannt. Deren Treffen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf abgesperrten Parkplätzen statt. Mittlerweile zählt das kunstvolle Umkurven von Hindernissen zu den Disziplinen der X-Games, der weltweit größten Extremsportveranstaltung.

Block ist sich aber sicher, dass noch mehr drin ist. Er ist nicht nur ein schillernder Bleifußheld und Gymkhana-Star, sondern eben auch ein ehrgeiziger Geschäftsmann. Als solcher zeigt er sich allerdings etwas zerknirscht. Denn die präzise Streckenführung ist nicht das einzige, was "Gymkhana 6" von den bisherigen Teilen unterscheidet: Er musste sich für sein jüngstes Werk nämlich einen neuen Hauptsponsor suchen.

"Ein bisschen frustriert"

Blocks alter Geldgeber war eine Bekleidungsfirma, die er einst selbst gegründet und dann für 90 Millionen Euro verkauft hatte. Zu den Hintergründen der abgekühlten Partnerschaft teilt er lediglich mit, dass die Marketing-Abteilung des Unternehmens ihre Mittel in andere Projekte stecken wolle. Es gibt aber dieses frühere Zitat von ihm über die hohen Kosten der Gymkhana-Videos: "Die Investition lohnt sich, sonst hätte man mir längst das Budget gekürzt." Das war ein paar Monate, nachdem man San Francisco für ihn abgeriegelt hatte.

"Ein bisschen frustriert" war er nach eigenen Angaben schon, als die Firma als Hauptsponsor absprang. Aber er fand Ersatz, ein Hersteller von Videospielen begleicht jetzt seine Rechnungen. Dafür umkurvt er nun erstmals andere Autos in einem Gymkhana-Video - just die Modelle, die auch im neusten Spiel seines Sponsors auftauchen.

Der Deal scheint allerdings kleiner ausgefallen zu sein. "Die Produktion war dieses Mal billiger als beim fünften und vierten Teil", sagt Block. Inklusive dem Strecken-Scouting, der Planung und der Durchführung dauerte sie mit insgesamt drei Monaten auch nur halb so lang. Gedreht wurde "Gymkhana 6" innerhalb von zwei Tagen.

In dem Video ist zwar von der "ultimativen Gymkhana-Strecke" die Rede, aber Ken Block betrachtet den Rennkurs von San Bernardino bereits jetzt schon nur als einen "Zwischenschritt". Im Klartext: "Gymkhana 7" ist bereits in der Mache. "Im April oder Mai werden wir filmen", sagt Block.

Er will dann wieder eine Schippe drauflegen.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
spiegelallerlei 11.11.2013
1. Also,
fahren kann er, der Ken. Aber das ist eben klassisches Gymkhana. Die Quote der Teile 1 bis 5 wird dieses Video wohl nicht toppen. Irgendwie fehlt da etwas...
laxness 11.11.2013
2. der Ken....
Zitat von spiegelallerleifahren kann er, der Ken. Aber das ist eben klassisches Gymkhana. Die Quote der Teile 1 bis 5 wird dieses Video wohl nicht toppen. Irgendwie fehlt da etwas...
...kann bestimmt auch gut rückwärts einparken ;-)
Greyjoy 11.11.2013
3.
Zitat von spiegelallerleifahren kann er, der Ken. Aber das ist eben klassisches Gymkhana. Die Quote der Teile 1 bis 5 wird dieses Video wohl nicht toppen. Irgendwie fehlt da etwas...
Naja die Gymkhana Events und seine Videos sind auf jeden Fall immer unterhaltsam. In der WRC siehts für ihn ja nicht so gut aus.
Hr.Altena 11.11.2013
4. Coriolisbeschleunigung
Zitat von laxness...kann bestimmt auch gut rückwärts einparken ;-)
Rückwärts ist was für VollTempomaten, der Wagen hat gar keinen. Wenn du genau hinschaust, steht da nur der Buchstabe "C" drauf, und der steht angeblich für "Coriolisbeschleunigung". Also einparken per Schleudertrauma. "Vorwärts schlimmer, rückwärts nimmer." Lang lebe Ken Block - und der Ghostrider von Stockholm. Ich freue mich schon auf G7 :D
kc85 11.11.2013
5. Der Drops ist abgelutscht ...
... denn leider wirkt das ganze mittlerweile arg abgenudelt und Ken ergeht sich in Wiederholungen. Was soll man mit einem Auto halt noch machen? Da fand ich das Ken Box-Video (Ken Box Crazy Cart Gymkhana - A Tribute to Ken Block! (Epic Gymkhana Parody) - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=sKOaF7esBFY)) 100 mal interessanter und wenigstens witzig. kc85
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