Kit-Cars von Extreme Ferrari für Ärmere

Als das Coupé des Peugeot 406 auf den Markt kam, wurde der Zweitürer mit dem tollen Pininfarina-Design als Ferrari fürs Volk gefeiert. Jetzt macht er diesem Namen noch mehr Ehre - in England wird der Franzose für vergleichsweise kleines Geld als F360 verkleidet.

In Kingston Upon Hall hat man ein Herz für automobile Aufschneider. Denn von dort aus hilft das britische Unternehmen Extreme Cars all jenen geltungssüchtigen Zeitgenossen, die schon immer mal mit einem Ferrari protzen wollten, sich aber allenfalls einen gebrauchten Franzosen oder Japaner leisten konnten. Möglich machen das sogenannte Kits mit zahlreichen Karosserieteilen aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die für einen halbwegs akzeptablen Preis ein Peugeot 406 Coupé in einen Ferrari F360 oder einen Toyota MR-2 in einen F355 verwandeln.

Das seltsame Vergnügen bleibt übrigens nicht nur britischen Kunden vorbehalten: Sowohl fahrfertige Komplettautos als auch die Bausätze werden von Extreme Cars weltweit verschickt. Wer selbst Hand anlegen möchte, ist für weniger als 10.000 Euro dabei. Wer lieber schrauben lässt, kann seinen eigenen Wagen für knapp 30.000 Euro zum Umbau weggeben oder für Preise zwischen 35.000 und 45.000 Euro auch schlüsselfertige Sparsportler bestellen.

Vom Allerwelts-Coupé zum angetäuschten Traumwagen

Alles, was man für die Metamorphose vom Allerwelts-Coupé zum Blender-Boliden braucht, ist nach Angaben der Briten ein funktionierendes Basisfahrzeug, etwas handwerkliches Geschick, eine gut sortierte Hobbywerkstatt, runde 100 Stunden freie Zeit und umgerechnet mindestens 8500 Euro. Dafür gibt es dann - in ein paar Kisten verpackt - die Grundausstattung mit zwei Dutzend Kunststoffteilen von den Türen über die Motorhaube und das Dach bis hin zu den Kotflügeln und den Außenspiegeln, die das Coupé der Löwenmarke zu einem – beinahe – waschechten Ferrari machen.

Angeboten werden die Autos in vier Farben, die dem originalen Lack aus Maranello verdächtig nahe kommen und den größten Teil der Ferrari-Palette abdecken: in Rot, Gelb, Schwarz und Silber. Allerdings lassen es die Briten, die mit solchen Fake-Fahrzeugen immerhin schon 15 Jahre Erfahrung haben, nicht bei der Karosserie bewenden. Sie haben auch an die Details gedacht und führen in ihrer Bestellliste zum Beispiel Extras wie die Spurverbreiterung für die ziemlich gut imitierten Ferrari-Felgen, eine Tieferlegung für die Karosserie sowie neue Scheinwerfer und Rückleuchten. Sogar die Markenlogos können geordert werden, um die Täuschung perfekt zu machen. Wer weitere 250 Euro überweist, der kann statt des Peugeot-Löwens vorne das legendäre Cavallino der Scuderia auf den Kühler seines Autos kleben – und zumindest dabei ein gutes Gewissen haben. Denn das berühmte Markenzeichen ist kein Imitat, sondern das vermutlich einzige Originalteil am Fälscher-Ferrari.

Täuschung bis ins Detail - wenn das Geld reicht

Damit die Verwechslung nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf dem Parkplatz gelingt, wird sogar der Innenraum komplett umgemodelt. Für 700 Euro gibt es einen neuen Bezug für den Dachhimmel, neue Verkleidungen für A-Säulen und italienische Tafeln in den Türen. Und wer noch einmal 850 Euro drauf legt, der bekommt eine Art Faltschachtel für den Fond, die das Coupé in wenigen Minuten in einer Zweisitzer verwandelt. Dann bleibt unter der Heckklappe entweder Platz für reichlich Gepäck. Oder man baut für den passenden Showeffekt gleich auch noch einen Motor ein, den man sich allerdings ebenso wie die Sportsitze anderweitig besorgen muss.

Bei Ferrari in Maranello wird dieses Treiben nicht gerne sehen. Wenn es um Markenrechte geht, sind die Italiener eigen. Deshalb haben sie bereits Gerichtsverfahren gegen Juweliere angestrengt, die beispielsweise Goldkettchen mit springenden Pferden verkaufen wollten. Und auch der ostdeutsche Schumi-Fanclub aus Eisleben hatte nicht lange Freude am mühsam in der heimischen Garage nachgebauten Formel-1-Boliden, als sich die italienischen Avvocatos der nicht lizensierten Kopie annahmen. Wie lange die Briten ihrem Täuschungsgeschäft nachgehen können, ist ungewiss. Noch hat sich offenbar niemand von den "Roten" gemeldet.

tom

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