SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. April 2007, 16:28 Uhr

Klimapass

Umwelthilfe wirft Tiefensee Verbrauchertäuschung vor

Wolfgang Tiefensee erntet Kritik für seine Idee eines Klimapasses Kritik von allen Seiten. Die Umwelthilfe bezeichnet den Vorschlag des Bundesverkehrsministers als "bizarres Förderprogramm für schwere Klimakiller".

Berlin - Den Ausstoß an klimaschädlichem CO2 im Verhältnis zur Nutzlast zu bewerten, begünstige ausgerechnet die schweren Edel-Geländewagen, kritisierte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, in Berlin. In dem von Tiefensee vor zwei Wochen vorgeschlagenen Klimapass für Neuwagen soll neben dem CO2-Ausstoß auch die Nutzlast angegeben werden. Damit hätten Autos wie der VW Touareg, der BMW X5, der Audi Q7 oder Porsche Cayenne laschere Schadstoffgrenzwerte als normale Limousinen, sagte Resch.

Tiefensees Vorschlag sei eine von vielen Maßnahmen, die "zu enormen Zuwachsraten bei den spritdurstigsten Fahrzeugen auf deutschen Straßen beitragen", kritisierte der DUH-Sprecher. "Die von Minister Tiefensee vorangetriebene ökologische Reinwaschung schwerer Geländewagen erfüllt den Tatbestand der Verbrauchertäuschung." Resch sprach von einem "weltweit einzigartigen Förderprogramm für schwere Klimakiller".

Hauptauslöser für den Erfolg der schweren Geländewagen seien die finanziellen Vorteile beim Kauf von Firmenwagen von bis zur Hälfte des Kaufpreises, erklärte die Umwelthilfe. So subventioniere der Finanzminister die Anschaffung eines Audi Q7 mit bis zu 34.500 Euro, eines VW Touareg mit bis zu 37.500 Euro und eines voll ausgestatteten Porsche Cayenne mit 53.200 Euro. Kein Wunder, dass drei von vier Geländewagen als Firmenfahrzeuge zugelassen seien, unabhängig von der Frage, ob das Sinn mache.

Tiefensee: Transparente Darstellung im Klimapass

"Revierförster in den alpinen Randregionen Südbayerns mögen zu den wenigen Nutzern von Geländewagen gehören, die solche Fahrzeuge und ihre zulässigen Nutzlasten tatsächlich zumindest gelegentlich betrieblich einsetzen können", sagte Resch. Die Mehrheit der derzeit 1,2 Millionen sportlichen Geländewagen verursachten jedoch im Stadtverkehr unnötig hohe CO2-Emissionen bei Verbräuchen von um die 20 Liter pro 100 Kilometer. Darüber hinaus profitierten die spritdurstigen Geländewagen von der "großzügigen Abstinenz des Staates bei der Kontrolle und Verfolgung von Verstößen gegen EU-weit geltende Pflichten zur Energieverbrauchskennzeichnung".

Bundesverkehrsminister Tiefensee verteidigte seine Klimapass-Pläne. "Von einer Reinwaschung schwerer Geländewagen oder gar einer Verbrauchertäuschung kann keine Rede sein", sagte Ministeriumssprecher Dirk Inger in Berlin. Der absolute CO2-Ausstoß werde im Pass "klar und transparent für jeden Verbraucher dargestellt" werden. Daneben werde ein CO2-Wert in Relation zur Zuladung gesetzt. Ein zweisitziger Sportwagen schneide dabei meist schlechter ab als bei bloßer Betrachtung des CO2-Ausstoßes, während ein Familienauto besser wegkomme

Die DUH erneuerte dagegen ihren Vorschlag einer an der Grundfläche und ihrem Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer orientierte Kennzeichnung aller Pkw in Form von Effizienzklassen. Optisch solle sie den bei Kühlschränken und Waschmaschinen üblichen Farbstreifen-Etiketten ähneln.

abl/AFP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung