Klimaschutz EU-Kommissar steigt von Mercedes auf Japaner um

Der Ton in der Klimaschutz-Debatte wird rauer. Nachdem die Bundesregierung die EU-Pläne zur Reduzierung von Autoabgasen zurückgewiesen hat, greift Umweltkommissar Stavros Dimas jetzt zu unkonventionellen Mitteln: Er tauscht seinen deutschen Dienstwagen aus - gegen einen Japaner.

Brüssel – Tag für Tag nimmt die Debatte um den Klimaschutz in der Europäischen Union an Schärfe zu, die Kontrahenten beharken sich immer rücksichtsloser. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel Kohlendioxid ein Auto ausstoßen darf. EU-Umweltkommissar Dimas will für Neuwagen bis zum Jahr 2012 eine durchschnittliche Höchstgrenze von 120 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer durchsetzen. Laut einem Bericht des Kommissars liegt der Durchschnittswert derzeit deutlich darüber: Bei knapp 160 Gramm. Sein Strategiepapier will Dimas am Mittwoch kommender Woche vorlegen.

Deutsche Autobauer, denen immer wieder vorgeworfen wird, die Neuentwicklung umweltverträglicher Technologien verschlafen zu haben, wehren sich gegen eine generelle Verpflichtung - und bekommen dabei Schützenhilfe von der Bundesregierung. Man werde verhindern, dass es eine generelle Reduktion gibt, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern beim Europatag der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verurteilte die geplanten Abgas-Grenzwerte heute scharf. Die Grenzwerte "sind für uns unannehmbar", sagte er in Berlin. Er warf der EU vor, sie wolle "alles über einen Kamm scheren". Es gehe hierbei "nicht um Umweltpolitik", sondern um "knallharte industriepolitische Interessen".

Jetzt legt Dimas nach: Aus Ärger über den hohen Spritverbrauch deutscher Luxuslimousinen will der EU-Kommissar auf einen Dienstwagen japanischer Herstellung umsteigen. Derzeit wird der Grieche in einem Mercedes chauffiert. Bei der anstehenden Erneuerung des Wagenparks werde er jedoch aus Klimaschutzgründen auf "ein kleineres und umweltfreundlicheres Auto" wechseln, meldete die Deutsche Presseagentur (dpa) heute und berief sich auf das Umfeld des Umweltkommissars in Brüssel.

Diesen Angaben zufolge will Dimas künftig im umweltfreundlichsten Auto der entsprechenden Fahrzeugklasse fahren. Zur Auswahl stünden ein Toyota Prius oder ein Lexus mit Hybridantrieb aus demselben japanischen Konzern. Wahrscheinlich fällt die Wahl auf den Lexus: Der Hersteller gibt für den Wagen mit 340 PS einen Kohlendioxidausstoß von 186 Gramm pro Kilometer an. Zum Vergleich: Eine ähnlich stark motorisierte S-Klasse von DaimlerChrysler bläst rund 270 Gramm des Treibhausgases pro Kilometer in die Atmosphäre.

Laut dpa hat Dimas die nötigen administrativen Schritte bereits unternommen. Das neue Auto werde in nächster Zukunft beschafft. Für seine Kollegen könnte Dimas damit zum Vorbild werden – und den deutschen Autobauern einen gehörigen Imageschaden verpassen. Denn bislang fahren die 27 EU-Kommissare fast alle schwere Dienstwagen von Audi, BMW und DaimlerChrysler.

Ungewöhnliche Initiative gegen "Spritfresser" in London

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr schlug die EU-Kommission heute außerdem neue Standards für die Herstellung von Benzin und anderen Kraftstoffen vor: Die Anbieter sollen dazu verpflichtet werden, Brennstoffe mit geringerem Kohlenstoff- und Schwefelgehalt zu entwickeln. Dadurch sollen der Klimawandel gebremst und die Luftverschmutzung generell verringert werden. Die EU-Kommission erhofft sich von den Auflagen einen Rückgang der Treibhausgas-Emissionen um 500 Millionen Tonnen bis 2020.

Nach dem Vorschlag der EU-Kommission müssten die Hersteller die bei der Produktion und beim Transport ihrer Kraftstoffe freigesetzten CO2-Emissionen reduzieren und gleichzeitig den Wirkungsgrad verbessern: Ab 2011 sollen sie die Emissionen pro Energieeinheit um jährlich ein Prozent senken. Bis 2020 soll so ein Rückgang um zehn Prozent oder 500 Millionen Tonnen erzielt werden. Nach Kommissionsangaben entspräche dies den heutigen Treibhausgas-Emissionen von Spanien und Schweden zusammen.

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