Klimaschutz VCD fordert drastisch höhere Kfz-Steuer für Spritfresser

Knapp 2700 Euro Kfz-Steuer für einen VW Touareg: Nach dem "Klimasteuer"-Modell des Verkehrsclubs Deutschland sollen Besitzer umweltschädlicher Autos kräftig zur Kasse gebeten werden. Ein Toyota Prius dagegen käme mit 41 Euro im Jahr davon.

Berlin - Schwere Luxuslimousinen und geländegängige Sportwagen müssten stärker belastet und sparsame Pkw stärker belohnt werden, forderte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) heute zusammen mit Umweltverbänden: "Wer sich heute noch für einen Spritfresser entscheidet, soll wissen, dass er künftig nicht nur an der Tankstelle sondern auch bei der jährlichen Steuer kräftig draufzahlen wird."

Einen ernsthaften Beitrag zum Klimaschutz könne eine am Schadstoff-Ausstoß orientierte Kfz-Steuer nur dann liefern, wenn Energieeffizienz belohnt und Pkw mit hohem Verbrauch im Gegenzug mit hohen Kosten belegt würden. Durch die "VCD-Klimasteuer" würden nicht nur Kleinwagen begünstigt. In fast allen Fahrzeugklassen gebe es sparsame Modelle, die von der Steuer profitieren, hieß es.

Starke Spreizung

Das mit mehreren Umweltverbänden vorgestellte Konzept zur CO2- basierten Kfz-Steuer für Neuwagen sieht eine starke Spreizung der Steuerbelastung zwischen Pkw mit hohem und mit niedrigem Spritverbrauch vor. So würde der VW Touareg V 10 TDI mit einem Verbrauch von 12,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern und einem CO2- Ausstoß von 333 Gramm pro Kilometer laut VCD 2698 Euro statt wie bisher nur 772 Euro pro Jahr kosten.

Für den zurzeit sparsamsten Benziner, den Toyota Prius mit Hybridmotor, fielen dagegen nur 41 Euro im Jahr an. Beim Golf 1.9 TDI mit einem CO2-Ausstoß von 135 Gramm pro Kilometer würden gegenüber der heutigen Kfz-Steuer 61 Euro im Jahr eingespart. Für den "Spritschlucker" VW Golf R32 stiege hingegen der jährliche Steuersatz um 668 Euro. Für Alt-Pkw ließe sich das neue Steuer-Modell nur schrittweise und mit angemessenen Höchstgrenzen anwenden, weil die Steuersätze für Autos mit hohem Verbrauch sprunghaft ansteigen würden.

FDP: Kfz-Steuer sollte auf Mineralölsteuer übertragen werden

Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nannte die Beträge angemessen. Er verwies darauf, dass bisher 54 Prozent aller neu angeschafften Autos Firmen- oder Dienstwagen seien. Die Firmen könnten die Kfz-Steuer absetzen, gab Rosenkranz zu bedenken. Daher schlug er ein Dienstwagenprivileg nach britischem Vorbild vor, das eine Subventionierung ebenfalls vom CO2-Ausstoß abhängig mache.

Lottsiepen kritisierte, dass die deutschen Autohersteller gute Entwicklungen wie das Dreiliter-Auto eingestellt und stattdessen "geländegängige Luxusautos" mit hohem Spritverbrauch auf den Markt gebracht hätten. BUND-Verkehrsexperte Werner Reh forderte neben einer CO2-orientierten Kfz-Steuer ein Tempolimit als Signal für die Hersteller.

Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann begrüßte das Konzept. Es belaste einerseits klimaschädliche Autos spürbar und setze andererseits richtige Anreize für den Kauf klimafreundlicher Fahrzeuge. Jetzt sei die Bundesregierung am Zuge. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) habe nun schon mehrere brauchbare Vorschläge erhalten, sagte Hermann mit Blick auf ein vom ADAC-Modell, das vor rund einer Woche vorgestellt worden war.

Die FDP erklärte zu dem Konzept, die Kraftfahrzeugsteuer sei als Instrument der Umweltpolitik ungeeignet. Finanzexperte Volker Wissing forderte die Übertragung der Kfz-Steuer auf die Mineralölsteuer. Nur so könne von dieser Steuer eine ökologische Lenkungsfunktion ausgehen.

abl/dpa/ddp

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