Knight XV "Außen Panzer, innen Maybach"

Gepanzerte Luxusfahrzeuge gibt es viele. Doch an luxuriös ausgestattete Panzer hat bislang noch keiner gedacht – außer William Maizlin. Seine Firma Conquest baut in Toronto den Knight XV und hat weltweit die ersten 15 Autos verkauft. Zum Stückpreis von 300.000 Dollar.

Die Welt ist böse, schlecht und gefährlich. So zumindest müssen die Filmstars, Wirtschaftsführer, Adelige und andere Schwerreiche empfinden. Warum sonst sollte weltweit die Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen steigen? Bislang wurden für diese Klientel Luxuslimousinen und große Geländewagen vom Hersteller oder einer Umrüstfirma mit Stahlplatten, Kevlar-Matten und Panzerglas zu Tresoren auf Rädern umgebaut.

Für diesen Ansatz des Autobaus hat William Maizlin nur ein müdes Lächeln übrig. Der Chef des Unternehmens Conquest Vehicles aus Toronto in Kanada hat eine eigene Vorstellung von maximaler mobiler Sicherheit und erklärt sie so: "Wir haben keinen Pkw zum Panzer gemacht, sondern sind exakt umgekehrt vorgegangen." Das Modell Knight XV, das in diesen Tagen zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist deshalb eine Art Panzer, der nachträglich zum Pkw ausgebaut wurde.

Als Basis dient Maizlin und seinen 25 Mitarbeitern das Militärfahrzeug Gurkha aus Florida, das für die US-Army im Einsatz ist und auch von anderen Streitkräften genutzt wird. Mercedes G-Klasse, Porsche Cayenne, BMW X5 und selbst der Hummer wirken gegen den auf Hochglanz polierten, schwarz lackierten und mit riesigen Chromfelgen bestückten Wagen fast wie Spielzeuge.

Ein Trum, das schon optisch Respekt einflößt

Der Koloß aus Kanada ist 6,10 Meter lang, 2,50 Meter breit und 2,54 Meter hoch. Schon die Dimensionen flößten einem möglichen Angreifer Respekt ein, sagt Maizlin, der das Geschäft mit der Sicherheit schon seit Jahrzehnten kennt. Die schiere Größe schafft vor allem Platz im Innenraum. Während das Militär die Soldaten im Armeemodell auf unbequeme Sitze quetscht, stehen im Knight XV sechs feudale Sessel, von denen die hinteren vier in Konferenzstellung montiert sind. "Selbst Basketballspieler sitzen dort noch bequem", behauptet der eher klein gewachsene Firmenchef.

Dass sich die Insassen auch absolut sicher fühlen können, verdanken sie einer Karosserie mit Blechstärken, dicker als die meisten Taschenbücher. Und die Scheiben aus Panzerglas bringen es auf mehr als sechs Zentimeter. Zwar wird so schon das Öffnen der mit massiven Scharnieren angeschlagenen Türen zu einem Kraftakt und das Leergewicht des Wagens liegt bei 4,5 Tonnen. Doch alle Projektile aus handelsüblichen Pistolen und Gewehren prallen an dieser Karosserie ab wie Mücken an der schmalen Frontscheibe. Probleme mit der Tragkraft kennt das Auto glücklicherweise nicht: Die 20-Zoll-Räder stammen ebenfalls von einem Militärausrüster und fahren notfalls auch ohne Luft.

Innen trieft das Auto vor Luxus

Während der Knight von außen den harten Kerl gibt, soll er im Innern mit allem erdenklichen Luxus verwöhnen. "Außen Panzer, innen Maybach", umreißt Maizlin das Konzept und verweist auf feines Leder, dicke Teppiche, große TV-Bildschirme und eine eingebaute Playstation. Ganz so gründlich und liebevoll wie in der Maybach-Manufaktur in Sindelfingen wird in Toronto allerdings nicht gearbeitet. Der Stoff in den Türverkleidungen wirft Falten, und ums Lenkrad weitet sich eine wüste Plastiklandschaft.

"Doch die einzige Grenze bei der Individualisierung setzt die Vorstellungskraft des Kunden", erklärt Maizlin. Will heißen: Wer zahlen kann, darf auch außergewöhnlichen Wünsche äußern. LED-Beleuchtung in der Kabine, Rückfahrkamera, Wechselsprechanlage, Sauerstoffflaschen, Trennwand, selbsttönende Scheiben, Humidor, Nachtsichtgerät, Flachbildfernseher, Laptop-Halterungen – "alles kein Problem."

Kunden aus Moskau, Dubai, London und den USA

Der Knight XV ist schon in der weniger noblen Grundausstattung für 295.000 Dollar kein billiges Vergnügen. Und bei einer Montagezeit von etwa 1500 Stunden braucht man obendrein viel Geduld, ehe man das Auto erhält. Doch die potentielle Kundschaft steht schon Schlange. Obwohl bislang noch kaum jemand das erste der zunächst nur hundert geplanten Fahrzeuge gesehen hat, liegen bei Conquest Vehicles angeblich schon die ersten Bestellungen auf dem Tisch. "15 Autos sind bereits verkauft", sagt Maizlin. Namen nennen will er nicht, woher die Käufer kommen aber schon: Moskau, Dubai, London und ein paar Städte in den USA - welch eine Überraschung.

Neben der maximalen Sicherheit und dem größtmöglichen Luxus gab es für Maizlin noch ein drittes Entwicklungsziel. "Wir wollten auch ein möglichst umweltfreundliches Fahrzeug bauen", sagt der Firmenchef und zeigt auf den kleinen Aufkleber über dem vergitterten Rücklicht. "EcoFlex" ist dort zu lesen, weil der Motor wahlweise Benzin oder Ethanol verbrennt. In beiden Fällen allerdings braucht er davon reichlich. Schließlich hat die Maschine zehn Zylinder und gewaltige 6,8 Liter Hubraum, aus denen sie rund 400 PS und beinahe 700 Nm schöpft. Wie viel genau der Knight XV verbraucht, will Maizlin nicht sagen. Der Tank fasst aber glücklicherweise 150 Liter. Wäre auch zu blöd, wenn mitten in einer Gefahrensituation der Sprit ausginge.

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