Kombi-Modelle 2007 Neuheiten mit großer Klappe

Sportlich wie eine Limousine, flexibel wie ein Van - im Jahr 2007 setzen die großen Autohersteller auf neue Kombi-Modelle. Mit dabei: der längste Golf aller Zeiten, ein Mini-Lademeister und der erste Kombi von Cadillac.


Frankfurt/Main - An der Warenausgabe der einschlägigen Möbelhäuser müssen sie zwar immer häufiger Großraumlimousinen und Geländewagen weichen. Doch dem Siegeszug der alternativen Karosseriekonzepte zum Trotz hält die Automobilindustrie dem Kombi auch weiterhin die Treue. Heimliche Lademeister und Handlungsreisende mit großem Warenbestand können sich deshalb in diesem Sommer auf zahlreiche Neuheiten mit großer Klappe freuen.

Dabei beginnt die Modelloffensive in diesem Jahr bereits in einem Segment, in dem der Kombi zumindest in Deutschland kaum eine Rolle spielt: Bei den Kleinwagen. Hier werden vermutlich nach den Sommerferien gleich drei kleine Lastenträger anrollen, die sich aber vor allem an Lifestyle-Kunden halten: So plant Peugeot nach Angaben aus Paris für den Herbst den Nachfolger des 206 SW, der in Genf als 207 SW seine Weltpremiere gefeiert hat.

Mini als Kombi

Spätestens zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) wird Skoda den neuen Fabia auch als Kombi zeigen, und bis dahin wird nach Informationen aus Unternehmenskreisen auch aus dem gerade in Genf enthüllten Clio Grandtour Concept von Renault ein Serienmodell, das dann allerdings fünf statt bislang drei Türen bekommen soll. Außerdem hat BMW jetzt die Serienfassung eines Mini Kombi angekündigt, der als "Clubman" ebenfalls im Herbst an den Start gehen wird.

In der Klasse darüber dreht sich in diesem Sommer alles um die dritte Auflage des Golf Variant. Der um 36 Zentimeter auf 4,56 Meter gestreckte Kombi ist laut VW der "längste Golf aller Zeiten" und bietet entsprechend viel Platz: Bei voller Bestuhlung schluckt er 690 und bei umgelegter Rückbank bis zu 1550 Liter, teilt VW mit. Die Preise beginnen bei 17.600 Euro. Damit ist der Variant nach Angaben des Herstellers zwar trotz der Steuererhöhung sogar billiger als sein Vorgänger, doch ist er weder der günstigste noch der größte Kombi in dieser Klasse.

Diese Ehre gebührt dem Dacia Logan, der seit dem Jahreswechsel angeboten wird. Er kostet laut Werksangaben als preiswertester Kombi am deutschen Markt in der Basisversion nur 8400 Euro und bietet neben maximal 2350 Litern Stauraum als einziger in dieser Klasse auch die Option auf eine dritte Sitzreihe.

Irgendwo zwischen Preisbrecher und Bestseller wird sich der "Sporty Wagon" des C'eed einpendeln, den Kia jetzt auf dem Genfer Salon enthüllt hat. Als zweite Karosserievariante des in Europa gebauten Hoffnungsträgers startet er nach Angaben des koreanischen Herstellers in diesem Herbst mit einer Länge von 4,50 Metern und einem Stauraum von 534 Liter. Und wer den Blick gerne ein wenig zurück wirft, dem bietet Chevrolet in der zweiten Jahreshälfte nun auch in Europa den Retro-Kombi HHR, der in den USA bereits seit fast zwei Jahren gegen den PT Cruiser von Chrysler antritt.

Vielseitig als Dienstwagen

"Doch die Musik bei den Kombis spielt vor allem in der Mittelklasse", sagt Marktforscher Nick Margetts. Dort sind Caravan, Tournier, Avant, Variant, Touring oder T-Modell vor allem als Firmenwagen sehr beliebt. "Denn in vielen Dienstwagenregelungen werden die Vans und schweren SUV nach wie vor ausgeklammert, so dass der Kombi das einzig denkbare Raumfahrzeug ist", erklärt Margetts den anhaltenden Erfolg dieser Karosserievariante. Und Christoph Stürmer vom Marktbeobachter Global Insight in Frankfurt am Main ergänzt, dass die Kombis gerade in diesem Marktsegment bereits einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent haben - beim Ford Mondeo seien es sogar 70 Prozent.

Entsprechend groß sind die Hoffnungen auf die neuen Modelle, die sich derzeit allerorten warm laufen. So kommt bei Ford nun zu Preisen ab 22.500 Euro die dritte Auflage des Mondeo Turnier in den Handel, die ein Ladevolumen von maximal 1745 Liter haben. Ein paar Wochen später startet bei der Konzernschwester Volvo die nächste Auflage des V70, den es zeitgleich auch im Geländelook und mit Allradantrieb auch als XC70 geben wird. Beide Autos sind um zehn Zentimeter in die Länge gegangen und werden nun auch mit einem V6-Motor ausgeliefert. Das Kofferraumvolumen gibt Volvo für den V70 mit 575 bis 1600 Liter an.

Dazu kommt als neue Alternative für sportliche Lademeister bei BMW der erste Touring des M5, der dessen V10-Motor mit 370 kW/507 PS übernimmt. Damit ist es aber noch nicht genug. Auch auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt werden im September eine Reihe Mittelklasse-Kombis Premiere feiern: Renault hat schon den neuen Laguna Grandtour angekündigt, Mazda enthüllt den Nachfolger des Mazda 6, Mercedes zeigt das T-Modell der neuen C-Klasse, und sogar Cadillac kommt zum ersten Mal in der Firmengeschichte den Lademeistern entgegen und enthüllt in Frankfurt den BLS Wagon.

Dass der Kombi noch immer hoch im Kurs steht, liegt für Analyst Stürmer an der geschickten Kombination vieler positiver Eigenschaften aus anderen Segmenten: Von den Limousinen haben sie die Sportlichkeit und die Sparsamkeit, vom Van die Flexibilität und vom Geländewagen das Platzangebot. Dabei könnte die Absatzkurve künftig sogar noch weiter nach oben zeigen. "Wenn die SUV im Zuge der CO2-Diskussion noch stärker unter Druck geraten, könnten die Kombis einen neuen Aufschwung erfahren", schätzt Stürmer.

Thomas Geiger, gms



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