ADAC-Skandal Das Problem sitzt an der Spitze

Manipulierte Stimmen, ein Urlaubstrip im Krankenflieger, Rettungshubschrauber für Dienstreisen: Der ADAC hat eine lückenlose Aufklärung der jüngsten Skandale angekündigt. Doch der Verein hält nicht, was er verspricht.
Zerstörtes ADAC-Logo: Salamitaktik bei der Aufklärung

Zerstörtes ADAC-Logo: Salamitaktik bei der Aufklärung

Foto: Arno Burgi/ dpa

Wenn es doch alles so einfach wäre wie bei der Pannenhilfe. Auto defekt, Notrufnummer gewählt, die Gelben Engel kommen geschwind und leisten Hilfe. Aber ausgerechnet der ADAC, Retter in der Not, braucht in diesen Tagen selber Unterstützung - am besten von außen. Schuld an der Misere ist allein die Führungsriege des ADAC.

Seit der oberste Kommunikationschef eingestanden hatte, dass er über Jahre eine Abstimmung zum "Lieblingsauto" der Deutschen bei der Autotrophäe "Gelber Engel" manipuliert hat, jagt ein Skandal den nächsten. Der ADAC versprach reflexhaft lückenlose Aufklärung. Doch weder scheint der Autoclub an der Wahrheit wirklich interessiert, noch kann oder will er die lückenlose Aufklärung tatsächlich leisten. Denn die fast täglich neuen Ungereimtheiten werden leider nicht von den selbsterklärten Aufklärern offenbart.

Das bisherige Sündenregister reicht von einem Präsidium, das sich in Rettungshubschraubern chauffieren lässt, bis zu Regionalfürsten, die sich vom Verein eine Villa bauen lassen. Auch auf Kosten der Mitglieder.

Lückenlose Aufklärung heißt doch aber, kommunikativ in die Offensive zu gehen, selber Missstände aufzudecken. Stattdessen setzen die Verantwortlichen die Salamitaktik ein, Geständnisse gibt es lediglich scheibchenweise und nur dann, wenn Journalisten etwas aufdecken.

Spitzfindige Antworten

Mit Spitzfindigkeiten versuchen die Verantwortlichen, sich aus unbequemen Situationen zu lavieren. Auf die Frage von SPIEGEL ONLINE, ob das Präsidium auch Rettungsflieger für private oder dienstliche Reisen nutzte, antwortete die Pressestelle am 24. Januar klar mit Nein. Und verschwieg damit galant, dass ein Angehöriger einer Führungskraft diesen Service für seinen Urlaubsflug nutzte - was zwei Tage später dann in der "Bild am Sonntag" stand. Zwar hat die Pressestelle nicht gelogen - aber lückenlose Aufklärung sieht anders aus.

Dass ein derartiges Rumlavieren toleriert wird, liegt maßgeblich an den Aufklärern selber. Der Präsident des Clubs, Peter Meyer, und sein Geschäftsführer Karl Obermair geben zwar öffentlich bekannt, das verlorene Vertrauen der Mitglieder zurückgewinnen zu wollen. Dabei waren sie es, die in der Vergangenheit versagt haben. Die beiden Führungskräfte spielen Problemlöser. Dabei sind sie Teil des Problems.

Meyer fehlt der Anstand

Warum das so ist? Meyer fehlt es an Anstand. Wer wie ein Herrscher mit dem Helikopter zu Terminen fliegt, statt Auto oder Bahn zu nutzen, ist der Realität entrückt. Eines der Kernprobleme des ADAC, die fehlende Kontrolle, wird im Auslöser des ADAC-Skandals offenbar. Sowohl Obermair als auch Meyer wollen nichts von der gefälschten Auszählung von Stimmen bei der Wahl zum "Lieblingsauto" der Deutschen gewusst haben. Schlimm genug, denn im Paragraf 13 der ADAC-Satzung steht, dass der Präsident die Grundsätze der Kommunikation festlegt und als Herausgeber die Mitgliederzeitschrift leitet. Wer satzungsstreu handelt, muss wissen, was sein Kommunikationschef treibt.

Stattdessen haben Obermair und Meyer ihm nach eigenen Aussagen naiv geglaubt. Durch fehlende Kontrolle haben sie einen Großteil der 19 Millionen Mitglieder enttäuscht, die ehrenamtlichen Helfer und die Gelben Engel, die den Verein unterstützen, vor den Kopf gestoßen. Ein Neuanfang beim ADAC setzt deshalb einen Wechsel an der Führungsspitze voraus. Meyer, Obermair - jetzt reicht es.

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