Konzeptauto Etimos Der Heimwehfaktor

Die Hersteller widmen den Innenräumen ihrer Fahrzeuge immer mehr Aufmerksamkeit. Der Zulieferer Johnson Controls hat sich komplett auf die Pkw-Innenausstattung spezialisiert. Die Studie Etimos zeigt, wie Auto-Einrichtungen künftig aussehen werden.


Etimos: Ganzheitlicher Innenraum

Etimos: Ganzheitlicher Innenraum

Die Kundenliste von Johnson Controls reicht von Audi bis Volvo, und im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit Hauptsitz in Plymouth im US-Staat Michigan einen Gesamtumsatz von 17,2 Milliarden Dollar. Es handelt sich also um einen Big Player der Zulieferer-Branche. Die Firma, deren Europazentrale in Burscheid sitzt, hat sich auf Auto-Innenräume spezialisiert. Sie entwickelt und fertigt komplette Komponenten wie Cockpits, Türverkleidungen oder Sitze.

Im Konzeptauto Etimos nun zeigen die Designer des Hauses, wie sie sich eine künftige, von Johnson Controls eingerichtete Mittelklasse-Limousine vorstellen. Vor allem so: bunt, fröhlich und funktionell. Es gelte, so Vizepräsident Thomas Patzelt, ein Auto so auszustatten, dass Arbeits-, Freizeit- und Transportansprüche erfüllt werden. Denn immer mehr Kunden stellten an ihr Fahrzeug ähnliche Ansprüche wie an ihr Zuhause.

Also wird kräftig renoviert in den bislang meist dunkel gehaltenen Arrangements aus Cockpit, Mittelkonsole und Handschuhfach. Beim Etimos zum Beispiel wurde die Instrumenten-Anzeige zweigeteilt. Im Blickpunkt des Fahrers befinden sich die Anzeige für die Geschwindigkeit und Zusatzinformationen wie Betriebstemperatur des Motors (Öl, Wasser) oder der Reifendruck. Der andere Teil der Informationen und Bedienfunktionen, etwa Musikanlage, Klimasteuerung, Telefon oder E-Mail-Funktion wird auf einem versenkbaren Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel zur Verfügung gestellt. Hier kann übrigens auch die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs abgerufen werden, falls merkwürdige Geräusche ertönen oder rätselhafte Warnlämpchen flackern.

Etimos-Innenraumstudie: Bunt, fröhlich und funktionell

Etimos-Innenraumstudie: Bunt, fröhlich und funktionell

Für die Fondpassagiere gibt es Unterhaltung auf Monitoren hinter den vorderen Kopfstützen. Außerdem ein ausklappbares "Modular Activity Center" in der Mitte der Rücksitzlehne, wo Computerspiele angestöpselt, Spielkarten verstaut oder Trinkbecher untergebracht werden können. Sämtliche Sitze also auch die hinteren Plätze können mehrfach elektrisch verstellt werden. Für die erste Reihe gibt es zudem eine Belüftungsfunktion im Gestühl sowie die Möglichkeit, sich von den luftgefüllten Sitzkissen sanft massieren zu lassen. Zudem lässt sich die Rückenlehne des Beifahrersitzes umklappen, dass eine Ablagefläche entsteht. Durch Aufsätze entsteht hier je nach Bedarf eine Art Büroarbeitsplatz oder ein Wickeltisch.

Johnson Controls sieht den Innenraum, das wird immer wieder betont, "ganzheitlich". Also kommt auch der Dachhimmel dran. Dort sind im Konzeptauto die Fensterairbags untergebracht. Ebenso können hier verschiedene Bedienfunktionen eingebaut werden, etwa die Fernbedienung für das Garagentor oder Kontrollmonitore für weniger wichtige Fahrzeugfunktionen. Außerdem ist der Etimos-Himmel mit dem neuen Material "AcoustiBond" ausgeschlagen, das Schallwellen besser absorbiert und daher die Verständigung zwischen den Passagieren vorne und hinten verbessert. Herausnehmbare Staufächer in den Türen, Klapptische dort selbst und der Einsatz von recyclingfähigen Polypropylen- und Pflanzenfasern machen selbst die Türinnenseiten zu Hightech-Gegenständen.

Für Johnson Controls ist es wichtig, dass die Neuentwicklungen nicht nur mehr Komfort bedeuten, sondern auch weniger Fahrzeuggewicht. Denn das überzeugt die Autohersteller in Zeiten, wo um jedes Gramm gerungen wird, um den Verbrauch zu drücken, viel eher als vermeintliche Vorteile für die Insassen.

Im Grunde könnten einzelne oder mehrere Komponenten für den Innenraum von Pkw schon sehr bald in Serienmodellen auftauchen. Etimos, so belehrt Johnson Controls, ist das griechische Wort für "verfügbar". Der Name der Studie sei also mit Bedacht gewählt, denn die dort vorgestellten Details sind so gut wie serienreif.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.