Konzepte gegen Falschfahrer Von der Kralle bis zum Kontrollverlust

Die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Auf der Autobahn taucht plötzlich ein Falschfahrer auf. Mit welcher Methode lässt sich diese Gefahr eindämmen? Fünf Vorschläge, die für sicherere Straßen sorgen sollen.

Tödlicher Unfall durch Geisterfahrer: Mehrere Methoden zur Vorbeugung werden diskutiert
dapd

Tödlicher Unfall durch Geisterfahrer: Mehrere Methoden zur Vorbeugung werden diskutiert


Bei den Konzepten, die vor Falschfahrern schützen sollen, sind sich die Experten nur in einem Punkt einig: dass die Gefahr eines Geisterfahrers nicht restlos verhindert werden kann. Vor allem bei Suizidversuchen auf der Straße bleiben auch die ausgefeiltesten Methoden ohne Wirkung. Eine Welle von tödlichen Falschfahrer-Unfällen hat jedoch die Debatte um die Vorbeugung solcher Unglücke neu entfacht. Fünf Vorschläge - und was für und gegen sie spricht:

  • Asphaltkrallen an Autobahn-Auffahrten
    Fährt man in falscher Richtung über die Krallen, schlitzen diese die Reifen auf und stoppen so das Fahrzeug - eine effektive Methode. Der Haken an den Haken: In Deutschland gibt es etwa 2000 Autobahnauffahrten, eine Umsetzung wäre also sehr teuer.

  • Warntafeln
    Große neonfarbene Schilder sollen bei Autobahnanschlussstellen vor der Einfahrt auf die falsche Spur warnen. Die im Vergleich zu den herkömmlichen Zeichen deutlicheren Tafeln werden vor allem von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer immer wieder ins Spiel gebracht. Bislang wurden sie aber nur im Rahmen eines Pilotprojekts in Bayern aufgestellt.

  • Radarempfänger
    Viele moderne Autos verfügen über Radarsender - diese kommen zum Beispiel bei Assistenzsystemen wie der Abstandskontrolle oder Einparkhilfen zum Einsatz. Das österreichische Kuratorium für Verkehrssicherheit will diese Technik zur schnellen Warnung vor Geisterfahrten nutzen. Dazu sollen an besonders gefährlichen Anschlussstellen Empfänger installiert werden, die Fahrzeuge mit falscher Fahrtrichtung registrieren und diese Information direkt an die Polizei und die Verkehrsredaktionen der Radiosender übermitteln. Die Geisterfahrt würde somit nicht verhindert werden, aber die betroffenen Fahrer auf der Strecke könnten rascher reagieren.

  • Assistenzsysteme
    Mit elektronischen Helfern versuchen die Autohersteller, Geisterfahrten zu verhindern. Die kommende S-Klasse von Mercedes ist beispielsweise mit einem erweiterten System zur Verkehrszeichenerkennung ausgestattet. Es soll nicht mehr nur Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung registrieren, sondern auch das Einfahrt-verboten-Symbol erkennen. Übersieht der Fahrer ein solches Zeichen, wird er akustisch und mit optischen Signalen im Cockpit gewarnt.

  • Alle Macht dem Auto
    Letztlich gibt es nur einen Weg, die Gefahr durch Falschfahrer restlos zu eliminieren: durch autonomes Fahren, bei dem die Autos untereinander kommunizieren, Computer die Entscheidungen treffen und wir Menschen die Kontrolle abgeben. Technisch ist das schon jetzt zumindest teilweise möglich, wie das Projekt Sartre zeigt. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Autos von ganz allein lenken können, was aus Sicherheits-, Verkehrsfluss-, und Umweltaspekten sicherlich sinnvoll wäre. Ob die Kunden das wünschen, bleibt aber abzuwarten.

cst



insgesamt 26 Beiträge
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WolArn 02.01.2013
1. Gibt es Geisterfahrer nur in Deutschland?
Wenn ja, was machen die anderen Länder besser als wir? Wenn nein, warum wird darüber nie berichtet?
zettelmeyer.freelancer 02.01.2013
2. Natürlich das was am teuersten ist ...
denn das wird die Sicherheit ja bestimmt beträchtlich erhöhen. Und als Zeugnisse für diese deutliche Verbesserung werden die Statistiken herangezogen, die von denen erstellt werden, die durch die immensen Investitionen am meisten profitiert haben. Deutschland und seine Bürger werden es nie lernen. Grundsätzlich auf irgendwelche Hilfsmittel zurückgreifen, aber die Dummheit der meisten nicht bestrafen. Gut so. Denn es ist ja schließlich das Gottgewollte Recht eines jeden, dumm und unaufmerksam herumzuwursteln. Und Selbstmörder werden sich von Warntafeln oder Haken im Boden bestimmt abhalten lassen. Auch das in den umliegenden Ländern diese ganzen Dinge OHNE Erfolg bereits getestet haben, braucht in der Berichterstattung nicht weiter behandelt werden. Denn wenn es hier ausgeführt wird, wird es natürlich viel besser funktionieren. Das mit ausreichender Aufmerksamkeit (gezielt anerzogen) und vorausschauendem Fahren solche Dinge gar nicht passieren können wird ausgeblendet. Hauptsache Regeln her und Geld verblasen, nur nicht an die Verantwortung der Autofahrer herangehen. Prost Neujahr.
Flari 02.01.2013
3. Viele komische Vorschläge
Für alle Vorschläge, die mit der Fahrzeugtechnik aktiv oder passiv zu tun haben, gilt: "Schaun wir mal in 10 bis 20 Jahren, was das gebracht hat..." Ganz komisch der (angebliche?) Vorschlag aus AT: Wieso sollte man auf die Radarwellen der doch nicht so vielen damit ausgerüsteten Fahrzeuge setzen, wenn man mit einer ähnlichen Technik, die in jeder Radarpistole etc. vorhanden ist, JEDES Fahrzeug erfassen kann? Ist das zu einfach? Fahrbahnkrallen? Man zeige mir ein System, das auch bei allen typischen Witterungssitationen und Belastungen zuverlässig arbeitet, ohne wöchentlich gewartet zu werden, sicher gegen Missbrauch ist, sich aber gleichzeitig jederzeit für Rettungsfahrzeuge etc. zuverlässig deaktivieren lässt. Überdimensionale Warnschilder, passend plaziert, erscheinen mir noch am sinnvollsten.
jajo76 02.01.2013
4. Abzock-Alarm
In der BILD-Zeitung wird A. Hölzel vom ADAC wie folgt zitiert: ---Zitat von BILD.de--- "Man müsste in Deutschland über 2000 Auffahrten mit diesen Zacken versehen. Das ist nicht realistisch. Der Aufwand bei durchschnittlich 20 Toten im Jahr durch Falschfahrer wäre unverhältnismäßig hoch." Neues Jahr beginnt mit tödlichem LKW-Crash: Stoppt endlich diese Geisterfahrer! - News Inland - Bild.de (http://www.bild.de/news/inland/geisterfahrt/autobahn-1-tote-verletzte-stoppt-endlich-diese-geisterfahrer-27924716.bild.html) ---Zitatende--- Erstens finde ich es bemerkenswert wie die Kosten gegen Menschenleben aufgerechnet werden. Zweitens ist es mal wieder typisch - bei der Diskussion wittern ein paar Absahner Morgenluft: Eine Hightech-Überwachung mit Satelliten, Sensoren, Zusatzausstattung im Fahrzeug usw. bringt der einschlägigen Industrie Entwicklungsaufträge und sichere Einkommensquellen, die Kosten werden dann wieder per Gesetz auf den Verbraucher abgewälzt. Bestes Beispiel für den industriell gesteuerten Hightech-Wahn war die LKW-Maut - Infrastruktur für Millionen statt in Nachbarländern seit Jahrzehnten bewährte Vignetten für ein paar Cent. Metallkrallen, Warnschilder und deutliche Fahrbahnmarkierungen (z.B. reflektierende grüne Dreiecke auf der richtigen Fahrbahn, rote Balken auf der falschen Fahrbahn) würden völlig ausreichen - zu bezahlen aus den Steuereinnahmen, die angeblich sprudeln (Mineralölsteuer? KFZ-Steuer??). Das Gegenargument, dass die Metallkrallen Rettungsfahrzeuge behindern könnten, könnte man damit entkräften, dass man einen Seitenstreifen an den Auffahrten "unbekrallt" lässt - ein unabsichtlicher Geisterfahrer wird die Krallen wohl kaum umfahren. Ein absichtlicher Geisterfahrer lässt sich auch mit Hightech nicht aufhalten...
Flari 02.01.2013
5. Bitte erst nachdenken..
Zitat von jajo76In der BILD-Zeitung wird A. Hölzel vom ADAC wie folgt zitiert: Erstens finde ich es bemerkenswert wie die Kosten gegen Menschenleben aufgerechnet werden. Zweitens ist es mal wieder typisch - bei der Diskussion wittern ein paar Absahner Morgenluft: Eine Hightech-Überwachung mit Satelliten, Sensoren, Zusatzausstattung im Fahrzeug usw. bringt der einschlägigen Industrie Entwicklungsaufträge und sichere Einkommensquellen, die Kosten werden dann wieder per Gesetz auf den Verbraucher abgewälzt. Bestes Beispiel für den industriell gesteuerten Hightech-Wahn war die LKW-Maut - Infrastruktur für Millionen statt in Nachbarländern seit Jahrzehnten bewährte Vignetten für ein paar Cent. Metallkrallen, Warnschilder und deutliche Fahrbahnmarkierungen (z.B. reflektierende grüne Dreiecke auf der richtigen Fahrbahn, rote Balken auf der falschen Fahrbahn) würden völlig ausreichen - zu bezahlen aus den Steuereinnahmen, die angeblich sprudeln (Mineralölsteuer? KFZ-Steuer??). Das Gegenargument, dass die Metallkrallen Rettungsfahrzeuge behindern könnten, könnte man damit entkräften, dass man einen Seitenstreifen an den Auffahrten "unbekrallt" lässt - ein unabsichtlicher Geisterfahrer wird die Krallen wohl kaum umfahren. Ein absichtlicher Geisterfahrer lässt sich auch mit Hightech nicht aufhalten...
Kennen Sie einen einzigen Bereich, wo das nicht der Fall ist? In welchem Land Europas oder auch weltweit gibt es Vignetten für LKW oder sogar ggf. andere Fahrzeuge über 3,5t? Kennen Sie ein einziges? Selbst in Ländern, die auf die PKW-Maut setzen, verschwinden immer mehr Vignetten zugunsten der "OBU" oder anderer Erfassungssysteme. Erhalten wird die PKW-Vignette nur in AT und CH, da sich dort damit verdammt viele Ausländer überproportional "ausnehmen" lassen. Zuverlässig bringt so eine Kralle nur etwas, wenn sie einen 1000kg-PKW ebenso stoppt, wie einen 60-Tonner. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr, dass sich so eine Kralle einmal unbeabsichtigt aufstellt? Sehr unangenehm, wenn dann dort ein Kleinwagen oder Zweiradfahrer aus der richtigen Richtung kommend reinrast. Es gibt gutgemeinte Dinge, die aber ggf. mehr Schaden als Nutzen bringen.
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