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04. Februar 2014, 11:16 Uhr

Austrittswelle

ADAC rechnet Kündigungen schön

Wegen der Skandale der vergangen Wochen glaubt der ADAC, rund 15.000 Mitglieder verloren zu haben. Tatsächlich dürften es viele Tausende mehr sein, denn bei dem Club stapeln sich derzeit noch 55.000 unbearbeitete Kündigungen - zehnmal mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hamburg - 15.000 Kündigungen: Auf diese Summe bezifferte der ADAC am Montag die enttäuschten Mitglieder, die dem Autoclub nach den aufgedeckten Machenschaften der vergangenen Wochen den Rücken gekehrt haben. Aber so wie die Vereinsführung die Schuld für die Geschehnisse von sich weist, verschließt sie auch die Augen vor dem tatsächlichen Schaden, den die Skandale angerichtet haben. Denn die Kündigungen werden sich offenbar noch um einiges vervielfachen.

Auf den ADAC schwappt eine Austrittswelle zu, doch der Verein spricht nur von einem Sturm im Wasserglas. Das beweist die Rechnung, die er in einer Pressemitteilung aufmacht. Die Zahl der Empörten ergibt sich darin nämlich durch den Vergleich der bearbeiteten Kündigungen der Jahre 2013 und 2014. In diesem Jahr waren es laut ADAC-Statistik 66.233, im Vorjahr lag der Wert bei nur 51.805. Macht unterm Strich rund 15.000 mehr Austritte. "Ein Großteil" davon, heißt es, sei "auf die jüngsten Entwicklungen zurückzuführen".

Aber was ist mit den unbearbeiteten Kündigungen? Im Vorjahr waren es 5000 bis 10.000, heißt es in der Pressemitteilung - und in diesem Jahr seien es 55.000. Wenn der ADAC also so rechnet wie bei den bearbeiteten Kündigungen, dann sind in jüngster Zeit zusätzlich zwischen 45.000 und 50.000 Mitglieder ausgetreten. Macht mit den bestätigten 15.000 also in Wahrheit zwischen 60.000 und 65.000 Kündigungen. Aufgefallen war die Diskrepanz bei den Angaben den Machern des Verbraucher-Blogs "aboalarm.de".

Bei einer Anfrage von SPIEGEL ONLINE sträubte sich der ADAC zunächst, die gigantische Zahl anzuerkennen. Ein Pressesprecher wiegelte ab. Die unbearbeiteten Kündigungen könnten noch nicht dazugezählt werden, weil die Angaben in den Kündigungsschreiben noch nicht ausgewertet worden seien. In den Austrittsformularen können die Mitglieder auf eigenen Wunsch den Grund für ihre Kündigung angeben.

Nach einigem Nachhaken heißt es beim ADAC dann, dass man auch hier davon ausgehe, dass ein Großteil der 55.000 unbearbeiteten Austrittsgesuche auf die aktuelle Entwicklung zurückgeführt werden könne. "Aber wir wollen nicht spekulieren", sagte der Sprecher, man halte sich an "die Fakten". Und die heißen laut ADAC derzeit: 15.000 Kündigungen. Wann feststeht, ob diese Zahl verdoppelt, verdreifacht oder auch vervierfacht werden muss, ist noch unklar. Die Bearbeitung laufe derzeit noch.

cst

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