SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

02. Juni 2015, 05:10 Uhr

Auto mit Raketenantrieb

Haste mal Feuer?

Von

Was kommt heraus, wenn man einen von Nazis entwickelten Raketenantrieb mit einem Hot Rod kreuzt? Ein irres Auto, der "Pulsejet Lakester". Er ist der einzige seiner Art - jetzt steht der Wagen zum Verkauf.

Immer wieder werden im Internet verrückte Fahrzeugeinzelstücke zum Verkauf angeboten. Die kuriose Sammlung ist nun um ein besonders irres Exponat reicher: Den "Pulsejet Lakester", der, so sein Erfinder Robert Maddox, "der einzige seiner Art" sei - und der bei Ebay zum Verkauf steht.

Lakester sind Fahrzeuge, mit denen vor allem in Salzwüsten und auf ausgetrockneten Seen Vollgas gefahren wird. Die Hot-Rod-artigen Wagen sind stromlinienförmig, die Räder stehen außen. Lakester werden meist aus einem Außentank ehemaliger Flugzeuge gebaut - so auch der von Maddox. "Aber ein Pulsstrahltriebwerk hat noch niemand zuvor in einen Lakester eingebaut", sagt der Tüftler stolz.

Robert Maddox ist bekannt für seine Fahrzeuge mit Düsenantrieb. Der 54-Jährige aus Oregon in den USA konstruiert seit 1997 Pulstriebwerke. Seine Begeisterung für die Raketentechnik wurde beim Fallschirmspringen geweckt. Weil es ihm nicht schnell genug ging im freien Fall, dachte er: "Ich brauche eine Rakete auf meinem Rücken."

In der Folge konstruierte Maddox einen funktionierenden Prototyp, entschied nach mehreren Tests aber, dass ein Praxiseinsatz wohl zu gefährlich wäre. Die Raketentriebwerke verpflanzt der Tüftler seither lieber in Fahrzeuge. Der "Pulsejet Lakester" ist quasi die Essenz seines Schaffens: total nutzlos, dafür aber außergewöhnlich.

Beim Düsenantrieb handelt sich um die hochsensible Technik eines Verpuffungsstrahl- oder Pulsstrahltriebwerks (englisch: pulsejet). Abgeleitet ist es von der V-1 (auch "Buzz Bomb" genannt), einem unter den Nazis entwickeltem Marschflugkörper. "Unser Fahrzeug hat genau den gleichen Antrieb", sagt Maddox über seinen Lakester. Er schwärmt von rund 900 lbf (umgerechnet rund 4 kN) Schub, die das Triebwerk leiste. So viel wie die Nazi-Bombe von 1944.

Der 54-jährige Triebwerksmeister nennt seinen Lakester eine "automobile Skulptur". Ein "Auto für Sammler, die das Ungewöhnliche wollen." Auf Ebay steht der Wagen derzeit für rund 30.000 US-Dollar zum Verkauf. Es ist bereits der dritte Anlauf, dieses ungewöhnliche Fahrzeug loszuwerden.

Bei den ersten beiden Auktionen hatte keiner mitgeboten. Vermutlich, weil es doch ein außerordentlich spezielles Fahrzeug ist - oder Sammler noch nichts davon mitbekommen haben. "Ich bin nicht so vernetzt in der Auto-Sammler-Szene. Ich baue die Fahrzeuge ja nur", sagt Maddox. "Darum muss ich den Wagen über Ebay verkaufen."

Wer den 4,88 Meter langen, 1,68 Meter breiten und 1,07 Meter flachen Renner kauft, sollte besser zierlich sein: Der künftige Fahrer darf nicht größer als 1,73 Meter sein und maximal 73 Kilogramm wiegen. Sonst wird es eng im kleinen, von einem Überrollkäfig geschütztem Cockpit.

Kein Rennwagen - aber ein Auto mit "Wow-Effekt"

Zum Starten braucht es zudem immer Hilfe von außen - und Druckluft, die in den Antrieb geschossen werden muss. Ist das Pulstriebwerk an, dröhnt es sonor, während aus dem Resonanzrohr Feuer spuckt.

Wer einen Rennwagen sucht, sei beim "Pulsejet Lakester" falsch, sagt Maddox. Schnelligkeit war nie das Ziel: "Dann hätte ich beispielsweise einfach zwei Düsenantriebe eingebaut oder eine offene Nase, damit mehr Luft in den Antrieb kommt", so der Tüftler. Dennoch erreicht der Wagen eine geschätzte Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h. Geschätzt deswegen, weil Maddox ihn nie ausfahren konnte.

"Wir haben zweimal den Versuch unternommen, aber jedes Mal kam was dazwischen", sagt der Jetwagen-Bauer und erklärt, dass die Technik des Düsenantriebs äußerst komplex sei. "Und auch sehr gefährlich." Jede Testfahrt koste deswegen viel Geld, weil Feuerwehr und Krankenwagen bereitstehen müssten. "Geld, das ich nicht habe", so Maddox.

Seit einem Jahr steht der fertige Wagen in Maddox' Laden. Jetzt sei einfach die Zeit gekommen, Platz zu schaffen und einen Käufer zu finden, sagt er. "Außerdem brauche ich das Geld für mein nächstes Projekt." Was genau das ist, bleibt noch geheim - eins ist jedoch klar: Es wird Düsenantrieb haben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, er schwärmt von 900 Schub, die das Triebwerk leiste. Tatsächlich muss es rund 900 lbf (umgerechnet rund 4 kN) Schub heißen. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung