Land Rover Defender Frischzellen für den Dinosaurier

Autos haben eine kurze Halbwertszeit. Nach vier Jahren gibt es meist ein Facelift und nach acht Jahren einen Nachfolger. Der Defender aber sträubt sich standhaft gegen diesen Rhythmus: Er hat 50 Jahre auf dem Buckel. Jetzt bekommt er einige Frischzellen.

Von wegen die Dinosaurier sind ausgestorben. In der Steppe und den Urwäldern wird man sie zwar nicht mehr finden. Doch auf der Straße haben einige von ihnen überlebt. Denn ein paar ganz wenige Autos sträuben sich seit Jahrzehnten gegen jede Mode, scheinen immun gegen Trends und bleiben auch ohne regelmäßigen Modellwechsel wacker in der Spur. Eines dieser Fossile ist der Land Rover Defender, der neben dem im Wrangler verewigten Willys Jeep als Urvater aller Geländewagen gilt und seit mehr als fünf Jahrzehnten auf den ersten Blick fast unverändert über den Globus kraxelt.

Zwar hat Land Rover - Sparsamkeit hin,Traditionsbewusstsein her - immer wieder einmal Hand an die Ikone gelegt und so den Wagen über die jeweiligen Zulassungshürden gehoben. Doch das sieht man ihm kaum an. Sogar das Ende schien endgültig besiegelt. Denn, so der Tenor von der Insel, weder die Crash- noch die Schadstoffnormen der kommenden Jahre könne der Defender erfüllen. Aber jetzt können Fans und Fahrer erst einmal aufatmen: Zum Pariser Autosalon (30. September bis 15. Oktober) bekommt der Dinosaurier ein paar Frischzellen. Auf diese Weise wird er es noch einmal einige Jahre durch die Wüste und den Paragraphen-Dschungel schaffen.

Ein neuer Dieselmotor für ein paar weitere Jahre

Ein baldiges Ende steht also vorerst nicht zu befürchten. "Die Verbesserungen sind ein großer Vertrauensbeweis in ein Produkt, das den Ruf von Land Rover als weltweitem Geländewagenspezialist begründet hat", sagt Managing Director Phil Popham und spielt damit vor allem auf einen neuen Motor an. Denn statt des knurrigen Fünfzylinder-Turbodiesels Marke Eigenbau montieren die Briten künftig einen Selbstzünder mit moderner Common-Rail-Technik, den sie zusammen mit einem ebenfalls neuen Sechsganggetriebe aus dem Regal der Konzernmutter Ford holen.

Zwar kommt der Vierzylinder dem bisherigen Motor auf dem Papier mit 2,4 Litern Hubraum, 122 PS und 360 Nm verdächtig nahe. Doch in der Praxis sollen Welten zwischen dem alten und dem neuen Aggregat liegen, verspricht Land Rover. Der Motor sei deutlich leiser und laufe ruhiger, der Verbrauch sei niedriger und die Drehmomentausbeute über das gesamte Drehzahlband größer, rühmen die Briten, die konkrete Zahlen allerdings noch schuldig bleiben. Außerdem verbrenne der Motor den Kraftstoff nun so sauber, dass er endlich die Euro-4-Abgasnorm erfülle. Zumindest in Europa. Für den Rest der Welt gibt es Defender auch mit einer Abstimmung, die selbst die schlechtesten Kraftstoffe ohne Schluckauf verträgt, dann aber nicht ganz so saubere Abgase produziert.

Mehr Frischluft, mehr Hitze, mehr Kühlung

Zum neuen Motor gibt es ein gründlich weiterentwickeltes Interieur. Auch die jüngste Ausgabe des Allrad-Dinosauriers, der 1948 vorgestellt und seitdem knapp 1,9 Millionen mal verkauft wurde, ist kein modischer Luxus-Geländewagen. Doch zumindest hat der weiterhin in drei Radständen, als Drei- oder Fünftürer mit festem Aufbau oder mit Pritsche lieferbare Geländegänger nun rund um die Anzeigen aus dem Land Rover Discovery ein neues Cockpit erhalten, das nicht mehr aussieht wie aus dem Lego-Baukasten.

Im neuen Querträger ist überdies Platz für ein neues Heizungs- und Lüftungssystem mit deutlich mehr Leistung: So gelangt nun 50 Prozent mehr Luft in die Kabine. Wer im Winter fröstelt, kann sich darauf freuen, dass die Heizung den Innenraum um 40 Prozent schneller als zuvor aufwärmt und in ungastlichen Gegenden eine um 12 Grad höhere Innentemperatur erreicht. Und wem im Sommer gelegentlich der Schweiß auf die Stirn tritt, der sollte die neue Klimaanlage mitbestellen: Sie kühlt den Defender in der Hälfte der Zeit und erreicht eine sieben Grad tiefere Temperatur als bisher.

Im Heck gibt es jetzt erstmals richtige Sitze

Ebenfalls einem besseren Komfort dienen die neuen Sitze, mit der in der ersten Reihe bequemere Sessel Einzug halten. Für die zweite Reihe gibt es nun auf Wunsch statt der breiten Bank ebenfalls zwei Einzelsitze. Und wer ganz nach hinten durchklettert, kauert jetzt nicht mehr parallel zur Fahrtrichtung auf dem Radkasten, sondern nimmt ebenfalls auf ordentlichen Sitzen Platz und blickt endlich nach vorn.

So viel Freiheiten die Entwickler fünf Jahre nach der letzten Modellpflege bei der Renovierung auch hatten, eines blieb unangetastet: "Das zeitlose Exterieur des Defender ist ein Synonym für funktionales Design. Jede Linie, jede Oberfläche ist scheinbar direkt mit den außerordentlichen Fähigkeiten des Modells verknüpft", sagt Designchef Geoff Upex, der deshalb mit der Modellpflege nur wenig Arbeit hatte. Denn auch wenn der Motor neu ist und das Interieur komplett umgestaltet wurde – am Design des Dinosauriers hat sich bis auf ein neues Profil der Motorhaube nichts geändert.

tom

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.