Land Rover Discovery Urgestein für Pfadfinder

Geländewagen und kein Ende. Nachdem fast jeder Hersteller ein Modell in "Wir-machen-den-Weg-frei"-Optik am Start hat, kontert das Offroad-Urgestein Land Rover nun mit dem neuen Discovery 3. Das kantige Auto dürfte vorerst jeden Stadt-Land-Fluss-Vergleich seiner Klasse gewinnen.


Der neue Discovery 3: "Land Rover des 21. Jahrhunderts"

Der neue Discovery 3: "Land Rover des 21. Jahrhunderts"

"Dieses Auto repräsentiert den Kern unserer Marke", sagt Land-Rover-Chef Matthew Taylor. "Der neue Discovery ist der Land Rover des 21. Jahrhunderts." Für die britischen Geländewagenbauer bedeutet das Auto tatsächlich eine Zäsur, denn der neue Discovery ist das erste Modell, das komplett unter der Ägide des Ford-Konzerns entstand, der die Marke im Juli 2000 von BMW übernahm. Und es ist das erste Fahrzeug eines Trios auf der selben technischen Plattform, denn auch der kommende Sport Rover sowie ebenso - aller Voraussicht nach - der künftige Defender werden auf der gleichen Basis aufbauen, einer Kombination von Leiterrahmen und selbsttragender Karosserie, "integrated bodyframe" genannt.

Land Rover ist eine Marke im Aufbruch. Von der Firmengründung im Jahr 1948 bis zum Jahr 2002 brachten die Briten insgesamt sieben neue Autos auf den Markt. Zwischen 2002 und 2008 sollen es fünf komplett neue Modelle werden - zwei davon, der Range Rover und eben jetzt der Discovery, sind bereits präsentiert. Am 13. November wird der neue "Disco" bei den deutschen Händlern stehen, ein Solitär in der boomenden SUV-Szene.

Ob Sand, Felsen oder Wasser: Er fährt einfach weiter

Ob Sand, Felsen oder Wasser: Er fährt einfach weiter

Warum das so ist, demonstriert der Wagen derzeit an Schottlands Nordküste, wo die internationale Pressevorstellung stattfindet. Am Strand westlich von Ackergill Tower, der den Windsors gehört, durfte Land Rover einen spektakulären Testparcours abstecken, auf dem wohl zahlreiche andere der neuen SUVs früh aufgeben müssten. Wenn die Räder etwa bis zu den Naben im weichen Dünensand rotieren, wenn das Auto nur noch mit zwei Rädern auf mächtigen Felsblöcken balanciert und dann nach links vorne kippt oder wenn eine etwa 400 Meter lange Wasserpassage ansteht, bei der die Fluten manchmal bis an die Oberkante der Frontscheinwerfer reichen.

Der neue Discovery fährt einfach weiter. Wenn man drinnen sitzt, wirkt es absolut selbstverständlich, wie mühelos man dort herumkurvt, wo sonst nur Outdoor-Freaks herumkraxeln würden. Es ist faszinierend - einerseits, und andererseits auch reichlich absurd, wenn man bedenkt, wie viele Millionen jedes Jahr für den Straßenbau ausgegeben werden. Denn eigentlich ist es wirklich nicht nötig, in den immer enger werdenden Maschen unseres dichten Asphaltband-Netzes mit einem Auto herumzufuhrwerken. Mit diesem Paradox ist jeder Geländewagen konfrontiert, und die scheinbare Lösung lautet stets: Es ist doch toll, wenn man weiß, dass man könnte, wenn man wollte (und dürfte).

Fahrzeugschein
Hersteller: Land Rover
Typ: Discovery 3
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Turbodiesel
Hubraum: 2.720 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 445 Nm
Von 0 auf 100: 12,8 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 9,4 Liter
CO2-Ausstoß: 249 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 280 Liter
umgebaut: 2.558 Liter
Preis: 38.500 EUR
Also bitte: Der Discovery kann. Locker und souverän kann er das. Zumal wenn es sich um ein Auto mit Luftfederung und dem neuen Terrain Response System handelt, bei dem mit einem Drehschalter in der Mittelkonsole Motor-, Getriebe-, Lenkungs- und Fahrwerkseinstellungen für verschiedenste Untergründe gewählt werden können. Je nachdem, ob der Knopf auf Schnee/Gras, Felsen, Sand oder Schlamm eingestellt ist, ändert sich die Gasannahme und die Lenkunterstützung und viele andere kleine Abstimmungsdetails, so dass praktisch jeder Asphaltcowboy für ein paar wilde Manöver den Pfadfinder im Gelände spielen kann. Besondere Offroad-Kenntnisse sind nicht mehr nötig: Die Technik macht das schon.

Die Technik wurde aber auch, und darauf legen die Land Rover Ingenieure besonderen Wert, für den Alltagsbetrieb auf befestigten Straßen optimiert. Hier verhält sich der Discovery ausgesprochen komfortabel, verkneift sich allzu starke Wankbewegungen in flotten Kurven und liegt auch bei straffem Tempo sicher und satt auf der Straße. Das große Auto, das mit insgesamt sieben gut nutzbaren Sitzplätzen ausgestattet werden kann, ist ein richtig feiner Reise- und Repräsentationswagen geworden.

Das Innere des Discovery 3: Klare Gliederung mit Schmuckelementen

Das Innere des Discovery 3: Klare Gliederung mit Schmuckelementen

"Der Wagen wurde von innen designt", sagt Geoff Upex. Man erkennt das daran, dass im Innenraum die Funktionalität der zumeist großen Tasten und die klare Gliederung der Flächen und Anzeigen noch hier und da dezente Schmuckelemente enthält, während der Wagen von außen nur noch nüchtern und puristisch wirkt. Geoff gesteht, er sein "ein Bauhaus-Fan", und so sieht der Wagen auch aus. Kein anderes Auto setzt so sehr auf die Gerade, auf eine klare senkrechte und waagerechte Gliederung, auf derart glatte Flächen. Nur am Heck erlaubte sich Upex eine kleine Spielerei, eine kleine Stufe in der Scheibe. "Ich mag diese Wellenlinie sehr, sie gibt dem Auto sozusagen den letzten Schliff."

Der Land Rover Discovery wird mit einem 2,7-Liter-V6 Turbodiesel-Motor und einem 4,4-Liter-V8-Benziner angeboten. In Deutschland dürften der fette Ottomotor kaum eine Rolle spielen, in den USA wird es genau umgekehrt sein. Jedenfalls ist der Wagen mit dem aus dem Jaguar S-Type bekannten Selbstzünder ordentlich motorisiert und kann noch halbwegs wirtschaftlich bewegt werden. Zur Standardausstattung gehören unter anderem sechs Airbags, eine elektronische Bergabfahrkontrolle, ESP, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Klimaanlage, geteilte Heckklappe, Sechsgang-Schaltgetriebe, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und ein sich selbst aufladender, wasserdichter Zündschlüssel.

Das kann durchaus wichtig sein. Die offizielle Wattiefe des Autos gibt Land Rover mit 70 Zentimetern an. Wir waren nach Auskunft der etwas bleich gewordenen Instruktoren etwa 90 Zentimeter tief im Fluss. Wenn solche Übungen schief gehen, ist es gut zu wissen, dass wengistens der Schlüssel unversehrt bleibt, wenn man den Nachhauseweg schwimmend antreten muss.



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