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LED-Nachrüstung: Es werde Licht

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LED-Nachrüstung für Autoscheinwerfer Die Erleuchtung

Halogen, LED, Laserlicht - während moderne Scheinwerfer die Fahrt zunehmend sicherer machen, leuchten ältere Autos oft nur spärlich. Nachrüst-LEDs könnten das ändern. SPIEGEL ONLINE hat sie getestet.

Es wird Winter und die Nächte werden wieder lang und dunkel. Bei der Fahrt über Landstraßen bietet sich vielen Pendlern oft das gleiche Bild: In der Ferne tauchen zwei glimmende Punkte auf. Steht dort ein Hirsch auf der Straße? Oft stellt sich dann heraus: Es waren nur die Scheinwerfer eines alten Bullis oder eines Autos von ähnlichem Schlag, das sich durch die Nacht funzelt. Der diffuse Lichtkegel strahlt gerade einmal bis zum nächstgelegenen Leitpfosten.

Moderne Autos sind inzwischen standardmäßig mit Xenon-, Halogen- oder sogar LED-Leuchten ausgestattet, die nicht nur sehr hell sind, sondern auch präzise leuchten und schon aus weiter Ferne gut zu erkennen sind. Dem Bulli-Fahrer, der mit seinem 30 Jahre alten Fahrzeug durch die Nacht fährt, nutzte die moderne Technik bisher allerdings wenig, eine Umrüstung war technisch nicht möglich. Doch das könnte sich bald ändern - durch Nachrüst-Scheinwerfer.

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LED-Nachrüstung: Es werde Licht

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Diese sogenannten Retrofits, also nachrüstbare LEDs, lassen sich in wenigen Minuten und ohne größeres technisches Wissen gegen herkömmliche Halogenscheinwerfer austauschen und sind auch für ältere Fahrzeuge geeignet. Auf dem Verkehrsübungsplatz der Verkehrswacht Hamburg hat SPIEGEL ONLINE die Nachrüstlösung getestet.

"Der Einbau dauert nicht länger als zehn Minuten pro Scheinwerfer, auch für Ungeübte", sagt LED-Experte Mark Bülow. Spezielles Werkzeug brauche man nicht. Die LED-Nachrüstbirnen werden wie gewöhnliche Leuchtmittel eingesetzt: Serviceklappe des Scheinwerfers öffnen, Kabel oder Stecker abziehen, die Leuchte aus der Fassung ziehen und schon ist Platz für das LED-Modul.

Der Test der Nachrüst-LEDs im Video:

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Dieses besteht aus dem eigentlichen Leuchtmittel mit insgesamt acht LED-Chips und einem aktiven Ventilator zur Kühlung. Zusätzlich ist ein kleines Steuergerät - ein sogenannter CANbus-Adapter - angebracht, um Fehlermeldungen des Fahrzeugsystems zu vermeiden. Denn LED-Leuchten haben eine niedrigere Wattleistung als herkömmliche Lampen, wodurch Systeme, die schadhafte Leuchtmittel melden, die LED beim Funktionstest irrtümlich als defekt erkennen könnten. Nach gut 15 Minuten ist der Umbau beider Scheinwerfer erledigt.

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Bei der anschließenden Testfahrt auf dem Verkehrsübungsplatz in Hamburg wird der Unterschied der beiden Scheinwerfertypen deutlich. Im Gegensatz zu den Halogenscheinwerfern leuchten die LEDs deutlich heller und weiter. Durch das weißere, dem Tageslicht ähnlichere Licht sind Kontraste und Gegenstände deutlich besser wahrzunehmen. Die Grenze zwischen dem ausgeleuchteten und dunklen Bereich wirkt bei den LEDs zudem schärfer. Außerdem leuchten die LEDs die Fahrbahnränder deutlich heller aus als die Halogenleuchten, sodass Hindernisse oder Passanten am Straßenrand besser zu erkennen sind.

Noch sind Retrofits nicht zugelassen

Inzwischen bieten mehrere Leuchtenhersteller wie beispielsweise Philips, Osram oder Nighteye die Retrofits an. Ein Satz Nachrüst-LED kostet je nach Modell und Hersteller zwischen 100 und 160 Euro. "Das ist zwar teurer als herkömmliche Halogenleuchten, dafür hält die Retrofit aber auch bis zu zehn Mal so lang", sagt Bülow. Die Nachrüst-LEDs bieten also offenbar viele Vorteile, haben aber ein gravierendes Problem: Zugelassen sind die LED-Retrofits hierzulande noch nicht.

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Die EU-Richtlinien erlauben es nicht, Lampen mit einer herkömmlichen Glühwendel - also beispielsweise Halogenscheinwerfer - gegen LEDs zu tauschen. Obwohl es keine Sicherheitsbedenken gibt, wurde das Gesetz bislang nicht entsprechend angepasst. In anderen Ländern, wie den USA oder Japan, sind die LED-Retrofits im Straßenverkehr bereits zugelassen.

In einem umfangreichen Test urteilt der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC), dass die Retrofits zu einer erhöhten Sicherheit der Autofahrer beitragen würden. Demnach haben die Retrofits geringere Ausfallraten als herkömmliche Leuchtmittel und eine höhere Lebensdauer. "Der ADAC setzt sich für die Legalisierung von Retrofits ein", sagt Melanie Mikulla vom ADAC. Auch beim Bremslicht zeige sich ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Lampen: Die Bremsleuchte reagiere im Fall eines Bremsvorgangs schneller, der Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs könne somit früher reagieren.

Legale Nachrüstung für 1000 Euro

Das gilt aber nicht grundsätzlich, da auf dem internationalen Markt viele Billigprodukte im Umlauf sind. "Die meisten LED-Leuchtmittel, die derzeit auf dem internationalen Markt angeboten werden, erfüllen die strengen Anforderungen an Leuchtmittel für Autos nicht, die Lichtabstrahlung ist mangelhaft, Scheinwerfer können blenden", sagt Mikulla vom ADAC.

Zwar können bereits heute nachträglich LED-Scheinwerfer im Auto eingebaut werden, allerdings nur dann, wenn man das gesamte Scheinwerfermodul ersetzt. Das kostet laut dem TÜV Thüringen dann gut 1000 Euro. Für Young- und Oldtimer dürfte ein solcher Tausch zudem schwierig sein, da es für die alten Modelle oftmals gar keine kompletten LED-Module auf dem Markt gibt. Der Bulli-Fahrer muss sich also noch ein wenig gedulden, bis er seine Funzeln gegen LED-Scheinwerfer austauschen kann - die Verhandlungen mit den EU-Behörden laufen.