Fotostrecke

Letzte-Hilfe-Set: Holzspachtel und Birkenkreuz

Foto: G:ORG

Tote Tiere im Straßenverkehr Pietätvoll abkratzen

Mehr als 530 Wildtiere sterben jeden Tag auf deutschen Straßen, sagt die Statistik. Katzen, Hunde, Frösche, Igel und Vögel sind darin gar nicht erst erfasst. Jetzt bietet der Künstler G:ORG ein Kit an, mit dem man den tierischen Opfern des Automobils eine letzte Ehre erweisen kann.

Manchmal sieht man noch einen Schatten, meistens jedoch hört man nur einen dumpfen Knall, vielleicht zuckt es noch kurz in der Lenkung. Mehr passiert zum Glück kaum, wenn man mit dem Auto ein Tier überfährt - zum Glück für den Autofahrer. Für das Tier endet so eine Karambolage fast immer tödlich - es passiert viele tausend Mal jeden Tag auf der Welt. Zum Beispiel auch auf der Karibik-Insel Martinique.

"Als ich dort war, befremdete mich das Paradiesische dieser Insel, denn tatsächlich waren ständig überfahrene Tiere zu sehen. Eine Kröte war dann das erste Motiv, das ich aufgenommen habe - sie sah so unglaublich ästhetisch aus", sagt der Hamburger Künstler G:ORG. Der 41-Jährige zeigt nun erstmals bei einer Veranstaltung in Hamburg-St. Pauli eine Auswahl solcher Fotografien.

"Asphaltiere" heißt die Ausstellung, die noch am gleichen Abend wieder beendet wird, und die zugleich den Rahmen bildet für die Präsentation eines "Letzte-Hilfe-Sets", das sich G:ORG für die "würdevolle Bestattung überfahrener Tiere" ausgedacht hat und nun zum Stückpreis von 35 Euro (neuer Preis seit Ende 2013: 14,90 Euro) verkaufen möchte.

Hilfe gegen Schuldgefühle

"Das Set produziere ich selbst - das soll ja keine seelenlose Industriekiste sein", sagt der Kreative. Gedacht ist es für Autofahrer, die nach einer Tierkollision Schuldgefühle plagen. "Bislang gab es keine Möglichkeit, den Tieren Respekt entgegenzubringen. So ein Kadaver auf dem Seitenstreifen ist aber einfach das Trostloseste überhaupt."

Das Set - eine Blechbox mit Tierkörperbeseitigungsbesteck, hölzernem Spachtel, Hygienehandschuhen und Birkenrindenkreuz - ermögliche es dem Autofahrer, "selbst stark mitgenommene Leichname aufzunehmen und würdevoll zu bestatten".

Wie im Straßenverkehr getötete Tiere bislang zurückgelassen werden, dokumentiert G:ORG durch seine großformatigen Makro-Fotografien. Das Problem, sagt der Fotograf, sei keineswegs die Suche nach geeigneten Motiven, denn die gebe es zuhauf. "Das Problem ist eher das Fotografieren. Auf mehrspurigen Straßen wird es schon mal eng, die Autobahn taugt dafür gar nicht." Und mit dem Entgegenkommen anderer Verkehrsteilnehmer könne er auch nicht rechnen. "Gerade im Berufsverkehr haben wir alle für einen bescheuerten Fotografen mitten auf der Straße überhaupt kein Verständnis."

Persönliche Erfahrungen mit Tierunfällen hat G:ORG übrigens auch. "Ich bin im Wald mal von einem Reh über den Haufen gerannt worden", berichtet er. Und als Zehnjähriger musste er vor seinem Elternhaus in der Eifel miterleben, wie ein Autofahrer in der Auffahrt wendete und dabei im Rückwärtsgang seinen Hund Paula überfuhr. "Der Fahrer stieg aus, war völlig verzweifelt und in Tränen aufgelöst. Irgendwann wurde klar, dass er am gleichen Morgen auch schon seinen eigenen Hund, allerdings im Vorwärtsgang, überfahren hatte. Absurder geht's nicht."

Ausstellung: "Asphaltiere - menschundtierkollisionen", Studio Buehler, Kleine Freiheit 1/6, Hamburg St. Pauli, Freitag, 19. April, 19 bis 21 Uhr.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.