Premieren von Cadillac und Lincoln Rückkehr der Straßenkreuzer

Auf der New York Autoshow werden zum ersten Mal seit Langem wieder amerikanische Limousinen gezeigt. Die neuen Luxusliner von Cadillac und Lincoln sollen vor allem chinesische Kunden überzeugen - mit opulenter Ausstattung.

Tom Grünweg

Aus New York berichtet


Egal, ob vor dem Waldorf Astoria Hotel, dem Trump Tower oder in der Fifth Avenue - vor den besten Adressen in New York bietet sich immer das gleiche Bild: Wo früher Heckflossen-Schlitten von Cadillac & Co. funkelten, stehen jetzt Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Audi A8 oder Lexus LS. Das soll sich wieder ändern! Auf der New York Autoshow zeigen die GM-Marke Cadillac und die Ford-Marke Lincoln zwei Straßenkreuzer, die in der Liga der Fünf-Meter-Plus-Limousinen den American Way of Drive neu beleben sollen.

Beide Premieren markieren möglicherweise eine Abkehr der US-Autoindustrie vom SUV als bevorzugter Form des automobilen Luxus. Zuletzt scheffelten die US-Hersteller ihr Geld vor allem mit billig gebauten, aber teuer verkauften Großkalibern im Stil des Cadillac Escalade oder des Lincoln Navigator.

Die deutlich eleganteren und klassischeren Alternativen heißen ab sofort Cadillac CT6 und Lincoln Continental. Während der Cadillac als serienreifes Oberklassemodell auf der Messe steht, wird der Lincoln noch als Studie gehandelt - ist aber erkennbar schon sehr seriennah.

Elvis lässt grüßen

In den goldenen Zeiten des Amischlittens fuhren Stars wie Elvis Presley oder Clark Gable Lincoln-Modelle aus der Continental-Baureihe. Der Continental gilt zudem als Mutter aller Stretchlimousinen, wie sie seit Jahrzehnten das Straßenbild in Las Vegas oder New York prägt. Mit dem neuen Modell will die Luxusmarke aus dem Ford-Konzern künftig nicht nur im Schatten von BMW und Mercedes fahren, sondern vor allem in China erfolgreich sein.

Und Lincoln braucht dringend Erfolg, denn in den USA erreicht die Marke aktuell lediglich 100.000 Neuzulassungen mit einem Angebot aus kruden Crossover-Autos; in Fernost ist Lincoln so gut wie unbekannt. Genau von dort jedoch soll demnächst die Lincoln-Wiederbelebung ausgehen. Prompt schreibt die "New York Times", dass das Comeback eines legendären US-Autos ausgerechnet den Chinesen zu verdanken sei.

Während in den vergangenen 30 Jahren große US-Autos allzu oft zwar attraktiv, aber kaum innovativ waren, sind die jetzt in New York enthüllten Schlitten von anderem Kaliber. Cadillac etwa nimmt die deutschen Marken ins Visier und wirbt mit Leichtbau, Effizienz und Fahrfreude. "So groß wie ein BMW 7er aber leichter als ein 5er", lautet die inoffizielle Formel für die neue, weitgehend aus Aluminium gefertigte Omega-Architektur des CT6.

30-fach verstellbare Vordersitze

Dazu verfügt das Auto über ein adaptives Fahrwerk mit magnetisch geregelten Dämpfern, es gibt Heck- oder Allradantrieb, Motoren vom Turbo-Vierzylinder mit etwa 270 PS bis zum rund 400 PS starken Turbo-V6 und erstmals bei Cadillac eine Hinterradlenkung. Cadillac fabuliert, der Wagen sei ein "stolzer Streber mit der unerreichten Dynamik, der die Fahrfreude zurückbringt in das Segment der großen Luxuslimousinen".

Wie gut sich der Wagen auf der Autobahn schlägt, wird man allerdings erst Anfang 2016 ausprobieren können. Erst dann soll der CT6 nach Europa kommen, zu Preisen von etwa 80.000 Euro; in den USA startet der Verkauf bereits im Herbst.

Lincoln macht über die Technik des Continental Concept noch nicht viele Worte, betont jedoch dessen "eleganten, mühelosen, gelassenen Luxus" und lenkt den Blick in den Innenraum. Das liegt auch daran, dass dieser Wagen konsequent auf den chinesischen Markt zugeschnitten ist. Dort ist Fahren eher Nebensache, weshalb die Lincoln-Leute bereitwillig die 30-fach verstellbaren Sitze in der ersten Reihe vorführen und das Liegegestühl in Reihe zwei.

Liegesitze, Champagner-Kühler, Goldlicht-LED

Sodann wird auf die maßgefertigten Koffersets verwiesen, die elektrischen Klapptische und den eingebauten Champagner-Kühler. Die Sitzbezüge sind aus venezianischem Leder, die LED-Beleuchtung schimmert goldfarben, und die Lackierung trägt den romantischen Namen "Rhapsody Blue". Da wirkt der riesige Chromkühler wie ein Brillantorden am Smoking.

Anders als gewisse andere Luxusmarken aus Deutschland räumt Ford offen ein, dass sich die Designer des Continental vor allem am chinesischen Geschmack orientiert haben. Es lassen sich jedoch noch andere Vorbilder erkennen. Das Heck der Studie jedenfalls erinnert an den Audi Prologue und der Bug an den Bentley Flying Spur.

Für die Freunde amerikanischer Straßenkreuzer gibt es also neue Hoffnung, dass sich das Straßenbild vor den Luxusadressen in den Metropolen künftig wandelt. Eventuell wird das sogar von höchster Stelle forciert. Denn auch in Washington dürfte man die Neuheiten aus New York mit Interesse verfolgen. Womöglich fährt die nächste US-Präsidentin oder der nächste US-Präsident einen dann brandneuen Cadillac oder Lincoln.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Wolfgang Porcher 03.04.2015
1. hervorragend andere Gesichter kommen
endlich, die Automobilindustrie war bisher eine Gruppe einfaltsloser Pinsel , einer affte dem anderen nach, Schönheit fehl am Platz. Vierlefanz an elektronischem Spielzeug nicht mehr! Dazu Lug und Betrug mit Spritverbrauchsangaben
razer 03.04.2015
2.
Der Cadillac hat ja noch so was wie Stil-seine Verwandschaft mit anderen Cadillacs ist klar zu erkennen. Die Technik zielt natürlich vor allen Dingen auf Audi, BMW u. Mercedes. Der Lincoln sieht auf den Bildern einfdach nur wie eine dreiste Audikopie aus-völlig einfallslos. Die Krönung ist der geschmacklose Innenraum im China-Bling-Bling-Style. Der Cadillac könnte, bei entsprechender Variatenvielfalt, durchaus zu einer weltweit ernstzunehmenden Alternative zu Lexus, Infinti, Jaguar, Mercedes usw. werden.
razer 03.04.2015
3.
Zitat von Wolfgang Porcherendlich, die Automobilindustrie war bisher eine Gruppe einfaltsloser Pinsel , einer affte dem anderen nach, Schönheit fehl am Platz. Vierlefanz an elektronischem Spielzeug nicht mehr! Dazu Lug und Betrug mit Spritverbrauchsangaben
Hervorragend andere Gesichter kommen ? Cadillac führt den Stil anderer Modelle fort und Lincoln kopiert die Konkurrenz. Nur bei der Technik des Cadillac kann man vielleicht von Innovation sprechen-wie es beim Lincoln da aussieht weis man noch nicht.
napu 03.04.2015
4. Zu klein, zu unkomfortabel und kein Klo!
Wer es sich leisten kann, fährt in den USA gleich mit einem Campervan oder einem entsprechend ausgestatteten Maxi-Sprinter durch die Gegend. Hinten drin eine Schlafmöglichkeit, und eine Möglichkeit, um sich frisch zu machen, idealerweise auch ein eigenes Klo, falls man mal länger im Großstadtstau steht. Man lebt dort ohnehin sozusagen im Auto. Egal, wo man hinwill, man fährt erst einmal eine bis zwei Stunden lang.
Hank Hill 03.04.2015
5. Schöne Autos
Auch der neue Chrysler 300 hat Potential. Es geht nichts über den American Way of Drive. Power satt, viele elektrische Helfer und bequeme Sitze. Bei uns bemängeln dann die Kritiker immer den "fehlenden Seitenhalt" der Sitze. Habe ich noch nie gebraucht, da mich sportliches Fahren nicht interessiert. Verstehe auch nicht warum der Lancia Thema, Nachfolger vom 300C hier nicht gelaufen ist. Ein Argument war es gab kein Kombi, das ist in Ordnung. Aber das Auto, leider eingestellt, war super. V6 Pentastar, 3.6 Ltr. 286 PS und 8-Gang Automatik von ZF Friedrichshafen.
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