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25. Januar 2005, 12:07 Uhr

Luxuriöser Luxus

Bentley mit Mikrowelle

Kompass gen Mekka, vergoldeter Kofferraum, Karaoke-Anlage - trotz der Millionen von Möglichkeiten, Nobelkarossen ab Werk noch nobler zu gestalten, entwickeln Millionäre immer neue Begierden. So ist es kein Kunststück, den Preis eines Maybach 62 zu verdoppeln.

 Komplett vergoldeter Porsche: Scheichs beschäftigen die Veredelungswerkstätten mit Vorliebe
GMS

Komplett vergoldeter Porsche: Scheichs beschäftigen die Veredelungswerkstätten mit Vorliebe

Stuttgart/Crewe - Selten ist vielen nicht selten genug: Dem einen oder anderen Millionär genügt es jedenfalls nicht, dass seine Luxuslimousine von Maybach, Rolls Royce oder Bentley schon durch einen Preis jenseits von 200.000 Euro per se eine Sonderstellung auf dem Parkplatz hat. Damit der Kunde nirgendwo auf der Welt einem Zwilling seines Autos begegnet, erfüllen die Fahrzeughersteller mittlerweile auch die ausgefallensten Sonderwünsche.

Besonders deutlich wird das bei Maybach in Stuttgart: "Denn obwohl wir unseren Kunden schon zum Verkaufsstart der beiden Limousinen über zwei Millionen Wahlmöglichkeiten zur Ausstattung gelassen haben, melden sich viele Interessenten mit weiteren Wünschen", sagt Pressesprecher Stefan Diehl. Dabei nutzen sie ihren Personal Liason Manager und vor allem den aufwendigen Showroom im "Center of Excellence" in Sindelfingen, wo sie an riesigen Wänden mit allen Hölzern, Lackmustern und Ledern experimentieren. Der exklusive Kunde kann sich das Fahrzeug wenig später als virtuelles 1:1-Modell auf riesigen Computerbildschirmen ansehen.

Maybach 62: Das Basismodell kostet 423.400 Euro - veredelt kann der Preis sich locker verdoppeln

Maybach 62: Das Basismodell kostet 423.400 Euro - veredelt kann der Preis sich locker verdoppeln

Gerade arbeitet die Manufaktur einen Maybach 57 auf: Alle Chromteile im Innenraum werden mit einer hauchdünnen 24-Karat-Echtgold-Auflage veredelt. Die Felgen erhalten einen Überzug mit speziellem Gold-Lack, und sogar die Leisten im Kofferraum glänzen nun gülden in die Nacht.

Für die Kunden aus dem arabischen Raum gibt es laut Diehl auf Wunsch in der Mittelkonsole einen elektronischen Kompass, der stets in Richtung Mekka zeigt. Wer gesteigerten Wert auf Stand und Status legt, der kann auch Familienwappen oder Initialen in Holz und Leder der Limousine einarbeiten lassen. Und falls der Maybach als feudaler Shuttle eines Hotels eingesetzt wird, schützen maßgeschneiderte Wollplaids den edlen Lack am Kofferraum vor Kratzern.

Maybachs "Center of Excellence": Virtuelles 1:1-Modell auf Coumputerbildschirm

Maybachs "Center of Excellence": Virtuelles 1:1-Modell auf Coumputerbildschirm

Ähnlich intensiv ist die Kundenbetreuung bei der VW-Tochter Bentley. Dort wird jeder Kunde nach Angaben von Pressesprecher Reiko Käske vor dem Kauf ins Werk nach Crewe (Großbritannien) eingeladen, wo er seine Ausstattung mit einem Kundenberater und einem Designer diskutieren kann. "Für besondere Wünsche stehen dabei 130 Spezialisten in der Mulliner Werkstatt bereit, die auf individuelle Lösungen für Karosserie, Leder und Holz spezialisiert sind", sagt Käske. Er erzählt von einem asiatischen Millionär, der auch unterwegs nicht auf Fertignudeln verzichten wollte und nun wohl den einzigen Bentley mit Mikrowelle fährt.

Ebenfalls in Asien fahren Bentley Arnages mit Karaoke-Anlage oder großformatigen Flachbildschirmen für das Kino auf Rädern. "Ein anderer Kunde und passionierter Besucher von Pferderennen hat sich eine höhenverstellbare Rückbank und ein besonders großes Schiebedach einbauen lassen, damit er den Zieleinlauf direkt aus dem Fahrzeug verfolgen kann", sagt Käske. Umbauten wie eine kleine Bar in der Mittelkonsole seien fast schon normal.

Goldener Porsche für den Scheich

Selbst vor puristisch konzipierten Sportwagen wie den Modellen von Porsche macht die Individualisierung nicht Halt. Deshalb hat die entsprechende Sparte "Porsche Exclusive" nach Angaben von Mitarbeiter Marcel Hänsch alle Hände voll zu tun. Zu den mehreren tausend "normalen" Veredelungen kommen laut Hänsch rund 50 Fahrzeuge pro Jahr, an denen die Mitarbeiter oft mehrere Monate arbeiten. "Wie an jenem 959, den wir für einen arabischen Scheich vergoldet haben."

Bentley Arnage: Fast schon Standard ist der Einbau einer Minibar in die Mittelkonsole
GMS

Bentley Arnage: Fast schon Standard ist der Einbau einer Minibar in die Mittelkonsole

Bei der Individualisierung bieten die Autohersteller ihren gut betuchten Kunden allerdings nicht nur mehr Auswahl bei Farben und Formen, sondern lassen sogar über die Karosserie mit sich reden. So entsteht etwa bei Maybach im Auftrag des Reifenherstellers Fulda nach dessen Angaben derzeit ein Coupé, das an einen stromlinienförmigen Erprobungswagen aus der Vorkriegszeit erinnern und im Mai gemeinsam mit einem neuen Reifen präsentiert werden soll.

Über Geld wird im Zusammenhang mit solchen Fahrzeugumbauten nicht einmal hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Bei den Kunden ist Geld meist ausreichend vorhanden und deshalb nicht der Rede wert. Doch so viel scheint sicher: "Den Grundpreis eines Fahrzeugs zu verdoppeln, ist durchaus möglich", heißt es in den Pressestellen - selbst wenn das Basismodell wie ein Maybach 62 schon 423 400 Euro kostet.

Doch auch wenn der Hang zur Individualisierung offensichtlich mit dem Vermögen und dem Preis des Fahrzeuges steigt, bleibt das wirklich "eigenen Auto" nicht nur Blaublütern und Geldadeligen vorbehalten. Denn auch für vermeintlich gewöhnliche Fahrzeuge haben Mercedes, Audi, BMW oder Porsche spezielle Angebote im Programm.

Maybach-Schaltknüppel mit Goldeinlage: Zwei Millionen Wahlmöglichkeiten, den Luxuswagen nobler zu gestalten

Maybach-Schaltknüppel mit Goldeinlage: Zwei Millionen Wahlmöglichkeiten, den Luxuswagen nobler zu gestalten

So bekommt etwa der Käufer eines BMW-Dreiers oder -Fünfers nach Angaben von Pressesprecher Friedbert Holz auf Wunsch ein dickes Katalog-Paket, mit dem ihm die M GmbH eine breite Auswahl an Individual-Ausstattungen offeriert. Zu den Kunden zählen laut Holz die Fahrer aller Baureihen vom Dreier bis zum Siebener, die vor allem andere Farben, Leder oder Oberflächen-Strukturen bestellen, um den Einbau von DVD-Monitoren bitten oder im Fond Computer und Fax installieren lassen. Damit steigt der Preis für das Fahrzeug nach Holz' Einschätzung im Mittel noch einmal um zehn Prozent.

"Von den etwa 20.000 Kunden, die wir 2004 beliefert haben, sind 19.500 bei der erweiterten Auswahl im Individualkatalog fündig geworden", sagt Holz. "Aber 500 haben sich nicht mit unseren Vorschlägen begnügt, sondern eigene Stoffe, Hölzer oder Farben vorgeschlagen." Auch solche Wünsche können die Mitarbeiter der M GmbH erfüllen, sagt Holz: "Aber nur wenn Sicherheit und Qualität für ein ganzes Autoleben lang gewährleistet bleiben."

Von Thomas Geiger, gms

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