Luxus-Wohnmobile Ein Schloss auf Rädern

Manche US-Amerikaner erwärmen sich inzwischen für kleinere Autos, doch sehr große Fahrzeuge sind ebenfalls beliebt. Zumindest bei den Motorhomes gilt weiterhin die Devise "the bigger, the better". In den Modellen der Marke Monaco Coaches kann man sich fast verlaufen.


Wer am Stadtrand von Las Vegas im Laden von Eric Island steht, sieht Camping plötzlich mit anderen Augen. Denn der smarte Mittvierziger macht Schluss mit den Vorurteilen von drangvoller Enge, feuchtem Mief und wackeliger Notbehausung. Island ist einer der erfolgreichsten Partner von Monaco Coaches und verkauft den Rolls-Royce unter den Wohnmobilen. Wenn es gut läuft, sogar zwei- oder dreimal pro Woche.

Die günstigsten Modelle Diplomat oder Camelot gibt es ab 300.000 Dollar aufwärts. Islands Bestseller aber ist die Signature Series, das Flaggschiff von Monaco. Schon in der Standardversion mehr als 600.000 Dollar teuer, 16 Meter lang, mit Doppelbereifung und Zwillingsachsen fast groß wie ein Reisebus. Nicht nur die schiere Größe ist imponierend, sondern auch die Ausstattung. Sind die vier riesigen Erker auf Knopfdruck ausgefahren, dann hat allein das Wohnzimmer 30 Quadratmeter. Der Esstisch reicht für eine Großfamilie, der größte der drei Flachbildschirme an den Wänden hat das gefühlte Format einer Tischtennisplatte, und das Ledersofa würde sich auch in einer Hotellobby gut machen.

Halb integriert in das Wohnzimmer ist die Küche, die ebenfalls erstaunlich ausgestattet ist. Etwa mit einem Kühlschrank, der den Namen auch verdient, einem Herd mit vier Platten, sowie Mikrowelle, Backofen und Grill. Abwaschen muss in diesem Nobelhobel keiner mehr. "Selbstverständlich ist eine Spülmaschine an Bord", sagt Chefverkäufer Dwight und zieht gleich auch noch die Klappe vor der Waschmaschine und dem Wäschetrockner auf.

Zwar können neben dem Fahrer bis zu sechs Gäste mitreisen, doch üblicherweise würden die Riesen-Wohnmobile von Paaren genutzt, heißt es. "Drinks für sechs, Essen für vier und Schlafen für zwei", fasst Dwight die übliche Belegung zusammen und führt ins Allerheiligste: das Schlafzimmer. Dick gepolstert wie in einem Luxushotel und fast verborgen unter einem Berg von Decken und Kissen thront in der Mitte des Raumes ein riesiges Doppelbett mit elektrisch verstellbarer Matratzenhärte. "Natürlich für jede Seite individuell."

Videoüberwachung vom Schlafzimmer aus

Links und rechts davon ist neben dem Safe eine zweite Kommandozentrale plaziert: Von dort aus können die Besitzer nicht nur die Beleuchtung im ganzen Wagen steuern, sondern auch die Videoüberwachung starten. "Kommen die Kinder heute zu spät heim, schleicht ein Bär um den Grill, oder macht sich jemand an den Gartenmöbeln zu schaffen? Ein Knopfdruck, und Sie sind im Bild", sagt Dwight.

Schon die Grundfläche des Wagens imponiert. Doch offenbar ist eine Etage nicht genug. Das Dach ist dank einer Rahmenkonstruktion aus Stahl so stabil, dass es viele Kunden als Terrasse nutzen und dort mit bis zu zehn Leuten ein Barbecue feiern. Und zwischen den Achsen surren auf Knopfdruck riesige Kofferraum-Tabletts heraus, die all das aufnehmen, was man sonst im Keller verstaut.

Stilmix zwischen Bauernschrank und goldenem Wasserhahn

Der Stil ist bei Monaco so, wie sich die Kundschaft gediegenen Luxus vorstellt, deren Altersdurchschnitt bei 55 Jahren liegt. Und so sind die Böden mit verspielten Fliesen ausgelegt, die Trennscheiben zwischen den Räumen filigran graviert, die Schranktüren und Zierleisten aus Kirsch- oder Eichenholz sehen nach Bauernstube aus, und das Badezimmer erinnert an die Themenhotels am Las Vegas Boulevard. Die Mitarbeiter im Stammwerk in Coburg im US-Staat Oregon brauchen sechs bis acht Wochen, um die Autos zu möblieren.

Damit der Luxus auch in der Wildnis funktioniert, haben die rollenden Villen ein eigenes Kraftwerk an Bord. Der Generator, den Dwight auf Knopfdruck unter dem Führerhaus heraussurren lässt, ist stark genug, um ein ganzes Wohnhaus zu versorgen, wenn es nötig wäre. Mit 600 Litern Diesel im Tank kommt der bis zu 650 PS starke und 15 Liter Hubraum große LKW-Diesel durch den halben Kontinent, und mit 600 Litern Frischwasser an Bord kann man mehrmals ausgiebig duschen. Dazu gibt es Fußbodenheizung, eine Klimaanlage, und, und, und….

Die meisten Motorhomes werden als Zweitwohnsitz genutzt

Obwohl die Luxusliner mit Luftfederung, seidenweicher Automatik und eigenem Kraftwerk so konstruiert sind, dass man es wochenlang im Nirgendwo aushalten könnte, sind die Nutzer eher in zivilisierten Gegenden unterwegs. "Die meisten Kunden sind so genannte Snowbirds", sagt Dwight und meint Menschen aus den kalten US-Staaten im Osten und Norden, die im Motorhome dem Winter entfliehen. Warum sich die Leute allerdings für manchmal 750.000 Dollar ein Luxusheim auf Rädern kaufen, und sich dann doch nur für weitere zehntausend Dollar auf einem festen Stellplatz einrichten, hat Dwight bis heute nicht verstanden.

Früher verkaufte Dwight rund ein Dutzend Luxusliner pro Monat. Wie viele es heute noch sind, mag er nicht sagen. "Auf jeden Fall deutlich weniger", erklärt er knapp. Offenbar ist der Absatz drastisch eingebrochen, denn was als Immobilienkrise begonnen hat, trifft längst auch die mobilen Heimstädten der Besserverdiener. Die Liste der Gebrauchtwagen auf Eric Islands Web-Seite wird immer länger, die Zahl der Kunden geht zurück, und der Hersteller in Oregon kämpft gerade unter "Chapter 11" ums Überleben.



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