Marathonrallye Dakar 2006 Die rasende Karawane

Größer, besser, teuerer - die Dakar 2006 wird mal wieder zahlreiche der bisherigen Bestmarken sprengen. Zum Start in Lissabon am Silvestertag werden 240 Motorräder, 188 Autos, 80 Trucks und insgesamt 240 Begleitfahrzeuge erwartet. So groß war die Renn-Karawane noch nie.

Den größten Tross innerhalb des Feldes dürfte Volkswagen stellen. Die Werksteam aus Wolfsburg geht erstmals mit fünf Rennfahrzeugen an den Start. Zum Einsatz kommen Race-Touareg der zweiten Generation. Angetrieben werden die leer knapp 1,8 Tonnen schweren Wüstenrenner von einem 2,5-Liter-Fünfzylinder-TDI-Motor mit zwei Turboladern, der zirka 275 PS leistet und ein Drehmoment von 550 Newtonmeter bereitstellt. Die Kraft wird über ein Sechsganggetriebe und ein Zentraldifferenzial an Vorder- und Hinterachse verteilt.

Was die Rennfahrer vor allem am neuen Auto loben, ist die bessere Übersichtlichkeit im Vergleich zum Vorgänger. Die sogenannte Kammlinie - also die horizontale "Kante" zwischen Motorhaube und Kühlernase - der komplett aus Kohlefaser gefertigten Karosserie wurde abgesenkt. So lässt sich der Wagen in heiklen Geländepassagen besser überblicken und damit präziser dirigieren.

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Wüstenrallye Dakar 2006: Sekretärin im Hosenträgergurt

Im vergangenen Jahr erreichte VW-Werksfahrerin Jutta Kleinschmidt im Race-Touareg den dritten Platz - es war zugleich die erste Podiumsplatzierung eines Dieselfahrzeugs bei der Dakar. Mit dem neuen, überarbeiteten Auto sind die Erwartungen nun noch höher. "Im Race Touareg 2 haben wir ein bewährtes Konzept rundum verbessert", sagt Eduard Weidl, der Technische Leiter des Projekts. "In das Auto sind die Erfahrungen aus zwei Jahren Wüsten-Rallyesport eingeflossen. Nun wollen wir mit dem neuen Modell die schöne Erfolgsserie des Vorgängers fortsetzen."

Der Aufwand, mit dem VW das Ziel "Dakar-Sieg" verfolgt, ist enorm. An den Start gehen die Cockpit-Teams Jutta Kleinschmidt und Fabrizia Pons, Bruno Saby und Michel Périn, Carlos Sainz und Andreas Schulz, Giniel de Villiers und Tina Thörner sowie Mark Miller und Dirk von Zitzewitz. Jedes Fahrerduo und Auto wird von einem Renningenieur, einem Chefmechaniker und vier weiteren Mechanikern betreut. Dazu kommen noch mehrere Spezialisten für Getriebe, Stoßdämpfer, Elektronik und Navigation sowie Ärzte, Ersatzteillogistiker und Verpflegungspersonal - insgesamt rund 80 Leute.

Jeden Abend müssen 80 Zelte aufgebaut werden

Auch der Fuhrpark des Teams ist beachtlich. Neben den fünf Rennautos sind zwölf Service-Touareg im Einsatz und dazu zwölf Lkw, die unter anderem 80 Iglu-Zelte samt Isomatten und Schläfsäcken für das Team transportieren, sieben große Arbeitszelte, fünf Werkstattzelte für die Race-Touareg, neun Stromaggregate, 400 Reifen und zirka zehn Tonnen Ersatzteile.

Die Rallye führt in diesem Jahr vom Start in Lissabon in 15 Etappen - am 8. Januar ist ein Ruhetag eingeplant - bis zum Ziel in Dakar, das am 14. Januar erreicht wird und wo am 15. Januar die abschließende Wertungsprüfung stattfindet. Die Strecke der Dakar 2006 ist insgesamt 9043 Kilometer lang, davon sind allein 4813 Kilometer Wertungsprüfungen zu absolvieren. Die längste Tagesetappe führt am 9. Januar über 874 Kilometer von Nouakchott nach Kiffa einmal quer durch den Südwesten Mauretaniens.

Die Schwedin Tina Thörner, die ehemalige Co-Pilotin von Jutta Kleinschmidt, die bei der kommenden Marathonrallye zum zweiten Mal bei der Dakar auf dem Beifahrerplatz des Südafrikaners Giniel de Villiers Platz nimmt, blickt den Strapazen mit kühlem Understatement entgegen. "Im Grunde erledige ich einen Sekretärinnen-Job. Ich muss die richtigen Informationen zur optimalen Zeit parat halten, mich um den Papierkram im Auto kümmern. Allerdings ist mein Büro sehr schnell und sehr klein."

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