Marder-Attacken Wenn das Auto angefressen wird

Kabel, Schläuche, Dichtungen: Marder haben es auf die Weichteile von Autos abgesehen. Die kleinen Raubtiere können einen Wagen komplett lahm legen, in vielen Fällen kommt die Versicherung nicht für den Schaden auf. Doch mit einigen Tricks kann man sein Auto schützen.


München - Marder beziehen parkende Autos gerne in ihren Lebensraum ein. Gummimanschetten, Elektrokabel oder Kühlerschläuche haben es den kleinen Raubtieren besonders angetan. Mit knapp drei Kilogramm Körpergewicht und einer Größe von 70 Zentimetern legen sie mühelos ein tonnenschweres Fahrzeug lahm. Weiche Materialien halten den 38 scharfen Zähnen des Nagers selten lange stand. Als Geheimtipps gelten Hundehaare, WC-Steine oder Mottenkugeln, um Mardern den Appetit zu vergällen. "Unfug", sagt dagegen Maximilian Maurer vom ADAC. "Bereits eine Fahrt durch den Regen genügt, um den Duftstoff abzuwaschen."

Marder im Motorraum: Nicht alle Gegenmittel helfen
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Marder im Motorraum: Nicht alle Gegenmittel helfen

Zudem haben Marderforscher herausgefunden, dass sich die anpassungsfähigen Tiere schnell an neue Gerüche gewöhnen. "Hilfreich kann sein, den Boden des Stellplatzes mit Maschendraht auszulegen, da die Tiere den unangenehm nachgiebigen Untergrund meiden", sagt Steffan Kerbl, Techniker beim österreichischen Autoclub ÖAMTC. Diesen preiswerten Marderschutz erhält man in jedem Baumarkt. Und zumindest die Zündkabel lassen sich mit geschlitzten Rohren aus Hartkunststoff schützen. Außerdem bietet der ADAC einen "Marderschutzsensor" an. Über sechs im Motorraum verteilte Sensoren werden Stromschläge ausgeteilt.

Motorwäschen empfohlen

Effizient sind Experten zufolge Ultraschallgeräte. Schallwellen im Ultraschallbereich bleiben für den Menschen unhörbar, sind jedoch für den Marder unangenehm und halten ihn vom Fahrzeug fern. Soweit die Theorie. In der Praxis gewöhnen sich manche Tiere allerdings rasch an den hochfrequenten Lärmpegel.

Hat der Marder zugebissen, kommt die Teilkaskoversicherung für Schäden nur auf, wenn dies ausdrücklich in der Versicherungspolice steht. "Abzüglich der Selbstbeteiligung werden aber nur Kosten erstattet, die unmittelbar durch den Marder entstanden sind. Dazu zählen beispielsweise die Erneuerung von durchgebissenen Zündkabeln oder zerfetzten Dämmmatten", sagt Maurer.

Für Folgeschäden kommt die Versicherung nicht auf. Selbst nicht für die gründliche Motorwäsche, die man seinem Fahrzeug nach Marder-Umtrieben gönnen sollte. Denn hat ein Marder sein Beutespektrum um ein Auto erweitert, sollte unbedingt eine Reinigung mit dem Dampfstrahler durchgeführt werden. "Die Tiere setzen Duftmarken, um ihr Revier zu markieren", sagt Maurer. "Artgenossen macht das aggressiv, und dann wird erst recht zugebissen."

har/ddp



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