Maserati Gransport Spyder Endlich wieder oben ohne

Maserati hat in den letzten zehn Jahren viel mitgemacht. Mit frischem Geld und neuem Elan entstanden zwar neue Produkte. Doch wäre der offene Spyder als wichtiger Imageträger dabei beinahe auf der Strecke geblieben. Zum Beginn der Open-Air-Saison ist er jetzt wieder da.


Marc Lee hat ein Problem: Seine Autos haben einfach einen zu guten Ruf. Klar freut es den Geschäftsführer von Maserati in Deutschland, wenn man die Marke auf eine Stufe mit Bentley, Aston Martin, Ferrari oder Lamborghini stellt. Doch den Verkauf macht das nicht leichter. "Tatsächlich können sich viel mehr Menschen einen Maserati leisten, als sie selbst glauben", erläutert Lee, der die delikate Aufgabe hat, seine Autos vom Sockel teurer Träume zu holen, ohne die Aura von Luxus und Leidenschaft zu zerstören.

Bei aller Noblesse müsse klar sein, dass Maserati nicht am oberen Ende, sondern im Mittelfeld der Oberklasse spiele und mit Preisen zwischen 100.000 und 120.000 Euro durchaus erreichbar bleibe: "Wer über eine S-Klasse oder einen A8 nachdenkt, der sollte auch einen Quattroporte im Sinn haben. Und wer nach einem sportlichen Zweitürer wie dem Jaguar XK oder dem Porsche 911 Ausschau hält, für den kommt auch unser Coupé in Frage", erklärt Lee die Positionierung, die bislang in Deutschland offenbar lediglich 600 bis 800 Kunden im Jahr so richtig verstanden haben.

Doch das Preisgefüge ist nicht das einzige Thema, das der deutsche Statthalter immer wieder gerade rücken muss. Auch die Firmengeschichte hat in den letzten Jahren so viele Haken geschlagen, dass Erklärungsbedarf besteht. Dabei sind die ersten Jahre noch die einfachsten: Gegründet wurde die Marke mit dem vom Neptunbrunnen ihrer Heimatstadt inspirierten Dreizack im Dezember 1914 in Bologna als Werkstatt und Rennteam. 1926 entsteht der erste eigene Rennwagen, 1939 und 1940 gewinnen die Italiener die "Indie 500" und 1957 sogar die Formel-1-Weltmeisterschaft.

Serienfahrzeuge baut Maserati erst seit knapp 50 Jahren

Weil man durch Rennerfolge alleine aber nicht überleben kann, gibt es 1947 den ersten Rennwagen mit Straßenzulassung. Und 1957 fällt mit dem Maserati 3500 GT der Startschuss für eine Serienproduktion mit nennenswerten Stückzahlen. Bereits 1937 aber wurde die Firma von den vier Maserati-Brüdern an einen italienischen Industriellen verkauft, in den siebziger Jahren übernimmt Citroën die mittlerweile marode Sportwagenschmiede und reicht sie 1975 an Alejandro De Tomaso weiter. Der holt 1989 Fiat ins Boot und verkauft den Laden 1993 komplett an den ebenfalls kränkelnden Auto-Giganten aus Turin.

Und damit begann eine weitere wechselvolle Episode in der Firmengeschichte. Zunächst wurde Maserati 1997 bei Ferrari eingegliedert; acht Jahre später wurden die beiden Marken wieder getrennt und Maserati zur eigenständigen Tochter im Fiat-Konzern. Zwar war lange Zeit auch eine Assoziation mit Alfa Romeo im Gespräch, zumal der heutige Maserati-Chef Karl-Heinz Kalbfell auch bei Alfa die Zügel in der Hand hielt. Doch ist davon mittlerweile keine Rede mehr, sagt Deutschland-Chef Lee und beruhigt Kunden wie Händler gleichermaßen: "Es wird weder gemeinsame Autos geben, noch werden künftig Maserati im Alfa-Showroom stehen", zerstreut er alle Gerüchte.

Synergie jedoch soll es geben. Lee: "Natürlich werde es wie im gesamten Fiat-Konzern Kooperationen beim Einkauf geben, so dass einige Modelle die gleiche Lichtmaschine oder identische Scheibenwischermotoren nutzen. Doch wir sind genauso eigenständig wie Ferrari, Iveco oder die Fiat-Marken Alfa und Lancia." Außerdem freut er sich über einen zweistelligen Millionenbetrag, der jetzt in die Qualitätssicherung der aktuellen Modellpalette investiert wird, um störende Kleinigkeiten zu beseitigen. Welche das genau sind, lässt Lee offen. Doch würde zum Beispiel ein neuer Zündschlüssel Maserati gut stehen, der aktuelle sieht arg nach Fiat aus.

Zwar feiert Maserati die Zeit mit Ferrari als Phase der Wiedergeburt, weil in diesen Jahren ein neues Werk in die alten Mauern gebaut wurde, vier neue Modelle vom 3200 GT bis zum Quattroporte ihren Einstand gaben und die jährlichen Produktionszahlen von wenigen hundert auf fast 6000 Einheiten pro Jahr gestiegen sind. Doch ganz ohne Fehler lief auch die Neustrukturierung nicht. Denn dabei ist - ganz nebenbei - der noch ziemlich neue Spyder auf der Strecke geblieben.

Nach Protesten werden wieder Spyder-Modelle gebaut

Weil in den Augen von Lee zu Maserati aber fast schon zwingend ein offenes Auto gehört und auch aus anderen Märkten Kritik kam, haben die Italiener diesen Fehler nun korrigiert. Die Spyder-Produktion wurde wieder aufgenommen. Ab sofort gibt es bei den 33 Händlern in Deutschland zum Preis ab 109900 Euro auch wieder einen offenen Zweisitzer. Der ist zwar rund 12.000 Euro teurer als das vergleichbare Modell des Vorjahres, rechtfertigt diesen Aufschlag aber mit dem neuen Beinamen "Gransport", der für eine veredelte Optik mit dezenten Spoilern und Schwellern, mehr Ausstattung, ein strammeres Fahrwerk und das sequentielle  "Cambiocorsa"-Getriebe steht.

Außerdem atmet der bei Ferrari gebaute V8-Motor mit seinen 400 PS so tief und kehlig durch den neuen Sportauspuff, dass einem jeder Gasstoß eine Gänsehaut aufs Trommelfell zaubert. Überhaupt ist der Gransport Spyder ein ausgesprochen schöner und lustvoller Frühlingsbote. Egal ob es draußen noch grau oder schon grün ist: Wenn der Blick über das fein verarbeitete Ledercockpit schweift, die Elektromotoren das Dach binnen 20 Sekunden nach hinten schlagen und der blaue Starterknopf auf der Mittelkonsole den 4,2 Liter großen Achtzylinder erweckt, beginnt am Steuer unabhängig vom Wetter der Sommer.



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