Maybach-Center eröffnet Mekka für Millionäre

Das zukünftige Zentrum für automobilen Luxus heißt Sindelfingen. In dem knapp 50.000 Seelen zählenden Vorort von Stuttgart hat die wieder belebte Nobelmarke Maybach sein erstes "Center of Excellence" eröffnet.


Für Millionäre: "Center of Elegance"

Für Millionäre: "Center of Elegance"

Für rund zehn Millionen Euro wurde der wuchtige Bau mit der hellen Natursteinfassade und den großen Glasfenstern in knapp zehn Monaten hochgezogen. Von hier aus sollen ab heute die Beratung sowie der weltweite Vertrieb der sündhaft teuren Luxuslimousinen koordiniert werden.

Vor dem Maybach-Mekka für Millionäre räkelt sich ein eigens angelegter Teich, auf dem Seerosen schwimmen. Darüber spannt sich zum Eingangsvorplatz eine breite Brücke, über die ab Oktober kapitalkräftige Kunden mit ihren neuen Luxusdampfern zur Jungfernfahrt starten können.

Das "Center of Exellence" ist der Mittelpunkt und das größte Kundenzentrum des weltweiten Maybach-Vertriebsnetzes. Wem aber der Weg von Sylt nach Sindelfingen zu weit ist, kann sich auch in einem der weltweit 25 anderen geplanten Maybach-Zentren, von denen auch je eins in Berlin und München eröffnet werden soll, beraten lassen. Bei Bedarf können dazu per Videokonferenz Experten aus der Sindelfinger Zentrale zugeschaltet werden.

In diesem Jahr sollen noch 150 Exemplare der beiden Modelle Maybach 57 (ab 310.000 Euro) und Maybach 62 (ab 360-000 Euro) ausgeliefert werden. Im nächsten Jahr sollen es dann 1000 Fahrzeuge sein. Rund 40 Prozent davon sollen in die USA gehen, ein Viertel entfallen laut Vertriebsplan auf Europa. Der Rest soll in Asien (20 Prozent) und Arabien (15 Prozent) abgesetzt werden. In Deutschland rechnet DaimlerChrysler-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt mit insgesamt hundert Verkäufen.

Verschifft: Der erste neue Maybach blieb in der Familie
AP

Verschifft: Der erste neue Maybach blieb in der Familie

Über die Käufer des Maybachs wird allerdings Stillschweigen gewahrt. Bekannt ist allerdings, wer den ersten Maybach bekommen hat, der vor vier Wochen medienträchtig mit dem Luxusliner "Queen Elizabeth II." von Southhampton nach New York verschifft und dort per Hubschrauber und Polizeieskorte durch die Wall Street fuhr. Kein Scheich und kein Showstar, sondern Irmgard Schmid-Maybach, die in San Francisco lebende Enkelin von Namensgeber Wilhelm Maybach, der einst den ersten Mercedes baute.

Auf finanzstarke Kunden wartet in Sindelfingen ein sachlich-stilvolles Ambiente. Rechts vom Empfangsbereich führen Treppen zum "Maybach-Atelier", in dem zwei der Luxuskarossen als Anschauungsobjekte ausgestellt sind. Wie Heiligenscheine schweben darüber Milchglasscheiben, die die Fahrzeuge auf Knopfdruck ins rechte Licht rücken - damit der Kunde sehen kann, wie die Farbnuancen des Lacks bei Morgendämmerung oder bei Sonnenuntergang variieren.

Ebenfalls auf Knopfdruck öffnet sich daneben eine acht Meter lange schwarze Glaswand, hinter der sich Muster der angebotenen Lacke, Hölzer und Leder befinden, die der Kunde nach Lust und Laune kombinieren kann. Weitere Spielmöglichkeiten für Farben und Ausstattung bietet ein "Car-Configurator"-Computer, der auf einem großen Flachbildschirm alle erdenklichen Kombinationen und Detailausschnitte darstellt sowie animierte Kamerafahrten um und durch seinen individuell kreierte Luxuslimousine ermöglicht.

Und wie die Autos selbst, so soll auch die Beratung keine Wünsche offen lassen. Die Hauptrolle spielen dabei die so genannten Personal Liaison Manager (PLM), "hoch gebildete" Verkäufer mit spezieller Schulung, die sich ausgiebig und ausschließlich dem potenziellen Kunden widmen sollen. Wer dennoch lieber im eigenen Salon sein neues Auto zusammenstellen möchte, kann seinen PLM auch in sein Heim bitten - egal ob das nun in Hamburg oder am Starnberger See steht.

Und auch nach dem Verkauf soll der PLM sich nicht nur um die Termine für Ölwechsel oder um neue Reifen kümmern, sondern ebenso Karten für die Oper oder ein Autorennen besorgen. Ebenso organisiert er den exklusiven Pannendienst, der innerhalb weniger Stunden "Flying Doctors" zu fast jedem Ort der Welt fliegen soll. Damit der PLM jederzeit und rund um die Uhr erreichbar ist, ist seine Telefonnummer in den serienmäßig drei eingebauten Handys eingespeichert.

Von Frank Wald



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