SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. Januar 2006, 08:40 Uhr

Mazda 6 MPS

Vati streckt den rechten Fuß

Von

Hochleistungslimousinen stehen hoch im Kurs. Während Kleinwagen locker durch die 100-PS-Schallmauer brechen, erhalten bislang unspektakuläre Familienautos Motoren mit Rennsportambitionen. Bei Mazda heißt das aktuelle Modell dieses Typs MPS.

Die japanische Marke fackelt nicht lange. Das neue Auto sei die "stärkste Mazda-Serienlimousine aller Zeiten" teilt das Unternehmen mit. Es sei "primäres Entwicklungsziel" gewesen, ein "extrem fahrdynamisches Modell" zu konstruieren, um am "unverändert wachsenden Markt der Hochleistungslimousinen" teilhaben zu können. Mit dieser Mission wird nun der Mazda 6 MPS betraut, die schärfste Variante einer Baureihe, mit der die Marke aus dem Ford-Konzern seit einigen Jahren wieder recht erfolgreich in der Mittelklasse mitmischt; im vergangenen Jahr wurden immerhin 18.754 Fahrzeuge des Typs Mazda 6 in Deutschland neu zugelassen.

Die sportlichste Ausprägung des Wagens wurde in der Motorsportabteilung "Mazdaspeed" hergerichtet und auf Rasanz getrimmt. Kern des Autos ist ein 2,3 Liter großer Vierzylindermotor mit Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung, der eine Höchstleistung von 260 PS (191 kW) erreicht und ein maximales Drehmoment von 380 Newtonmeter freisetzt. Die Kraft reicht aus, um den eiligen Viertürer binnen 6,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen, als Höchstgeschwindigkeit gibt Mazda für den MPS - das Kürzel steht für Mazda Performance Series - 240 km/h an. Auch der Durchschnittsverbrauch ist ein stattlicher Wert, 10,2 Liter sollen es im Schnitt laut Hersteller sein.

Die Kraft wird über ein neues Sechsganggetriebe an alle vier Räder weitergeleitet. Maximal 50 Prozent des Antriebsmoments gelangen dabei an die Hinterräder. Um den deutlichen Kraftzuwachs zu verkraften, wurde die Karosserie des Autos an vielen Stellen verstärkt. "Bei nur geringer Gewichtszunahme erreichten wir so im Vergleich zur viertürigen Mazda-6-Limousine eine 50 Prozent höhere Torsionssteifigkeit", sagt Entwickler Tsuyoshi Kojima.

Mehr Halt für den Gasfuß dank Gumminoppen

Optisch setzt das Modell MPS seine Sportlichkeit eher zurückhaltend um. Auf der Motorhaube kündet ein so genannter Power-Dome von der Potenz des darunter wummernden Motors, die Lufteinlässe in der Frontschürze wurden größer, am Heck gibt es einen Diffusor samt eingepassten Auspuffendrohren, und im Innenraum fallen allerlei sportliche Details auf wie etwa gummibenoppte Alupedale, Ledersitze, Lederschaltknauf, Leichtmetall-Zierteile und eine Tachoskala, die bis 280 km/h reicht.

Beinahe zeitgleich mit dem 33.830 Euro teuren Mazda 6 MPS kamen in den vergangenen Wochen noch ein paar andere Autos aus der Hochleistungslimousinenklasse auf den Markt. Am dichtesten neben dem Mazda positioniert unter ihnen ist der Opel Vectra OPC. Der Rüsselsheimer Rasanzling ist mit 6,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 einen Hauch langsamer als der Mazda, hängt ihn aber auf der linken Spur locker ab, denn der schafft in der Spitze 260 km/h. Beim Verbrauch allerdings liegt der Opel mit 10,4 Liter im Schnitt ebenfalls vorn - und auch beim Preis, denn das Auto kostet ab 37.800 Euro.

Es geht aber auch noch rabiater, etwa mit dem ebenfalls neuen Audi RS4. Der Wagen tritt mit einer V8-Maschine und 420 PS an. Der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 ist in 4,8 Sekunden möglich, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 Sachen abgeregelt. 13,4 Liter ist der stramme Wert, den die Ingolstädter als Durchschnittsverbrauch angeben, aber wer einen Kaufpreis von 69.900 Euro in ein solches Auto investiert, wird sich daran wohl kaum stören. Im VW-Konzern geht es aber auch eine Nummer kleiner - und dennoch sehr flott. Etwa mit dem Skoda Octavia RS. Die Limousine genügt moderat-sportlichen Ansprüchen vollauf.

Das "Wolf im Schafspelz"-Prinzip lockt Kunden

Unter der Haube steckt der Motor aus dem VW GTI, also ein Turbo-Vierzylindern mit Direkteinspritzung. 200 PS treiben das Auto auf maximal 240 km/h und ermöglichen einen Spurt von 0 auf 100 in 7,3 Sekunden. An der Tankstelle ist der Wagen dafür auch etwas genügsamer, er kommt laut Werksangaben mit 7,8 Liter je 100 Kilometer klar. Preis der Familienlimousine im Trainingsanzug: 25.990 Euro.

Was diese Autos für viele Kunden so reizvoll macht, ist offenbar das "Wolf im Schafspelz"-Prinzip. Mittelklasse-Limousinen fallen im Straßenbild kaum auf, aber sobald der Verkehr nachlässt und die Drehzahl steigt, erwacht der Sportsgeist in ihnen - und in ihren Fahrern. Das Gefühl, einen Porsche-Fahrer zu verblüffen oder auf der Autobahn lässig an einem Sportwagen vorbeizuziehen, scheint eine immense Anziehungskraft auf manchen auszuüben.

Und zudem bieten diese Autos ja nicht nur herausragende Fahrleistungen, sondern auch vier Türen, fünf Sitzplätze und ein ordentliches Kofferraumvolumen. Dass die Verbrauchswerte erschreckend hoch sind, wird Interessenten, die sich in dieser Leistungsklasse nach einem Fahrzeug umsehen, wohl kaum so vorkommen.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung