Elektroautopläne Jetzt gibt auch Mazda Strom

Kürzlich noch erteilte Mazda der Produktion eigener Elektroautos eine Absage - und geht nun doch mit einem Stromer an den Start. In einem Jahr soll er beim Händler sein. So lief die Testfahrt in einem Prototyp.

Mazda

Von Michael Specht


Es ist keine zwei Jahre her, da schloss der damalige Mazda-Europachef Jeffrey Guyton in einem Interview mit dem SPIEGEL Elektroautos in seinem Portfolio kategorisch aus. Zumindest, solange die Elektrizität für den Betrieb nicht zu hundert Prozent regenerativ hergestellt wird. Bis zu diesem Tag wolle Mazda lieber Autos mit effizienten Verbrennungsmotoren bauen, sie vereinzelt mit einem Mildhybrid-System versehen oder als Plug-in-Hybrid auslegen, so Guyton.

Doch diese Position ist Geschichte. Auch Mazda bekommt den Druck aus Brüssel zu spüren, muss Ende 2020 die CO2-Vorgaben der Europäischen Kommission erfüllen. Diese liegen bei durchschnittlich 95 g/km. Und da die Autokäufer auch bei Mazda zu einem großen Anteil SUV kaufen (CX-3 und CX-5), die konstruktionsbedingt mehr Sprit verbrauchen als gleichgroße Limousinen und Kompaktwagen, braucht es sogenannte Kompensationsmasse - mithin Modelle, die kein CO2 ausstoßen: Elektroautos.

Einen ersten Einblick in seine Elektroautopläne hat der japanische Hersteller nun erstmals einer Handvoll Journalisten gegeben. Wobei spontan wenig zu sehen ist: Bei den mattschwarz lackierten Versuchsträgern handelt es sich um das Kompakt-SUV CX-30 - zumindest äußerlich. Unter der altbekannten Hülle steckt eine eigens entwickelte Elektroplattform, das SUV ist nur das, was man in der Branche ein "Mule" nennt - ein Lastesel für die neue Technologie.

Sonderweg beim Range-Extender

Wie das Elektroauto am Ende tatsächlich aussehen soll, will Mazda Ende Oktober auf der Tokio Motor Show zeigen. Gerüchten nach zu urteilen soll es sich dabei um ein Crossover handeln, das in der Größe logischerweise in etwa dem CX-30 entspricht, sich aber dennoch deutlich von diesem unterscheidet. "Wir wollen unseren elektrischen Modellen optisch einen anderen Auftritt verleihen als den Verbrennerfahrzeugen", verrät Produktmanager Hiroyuki Matsumoto.

Um Kosten und Gewicht im Rahmen zu halten, entschieden sich die Entwickler für eine relativ kleine Batterie. Ihre Kapazität beträgt 35,5 kWh. Das ist deutlich weniger, als es beispielsweise Volkswagen beim ID.3 vorhat. Hier stecken schon in der Basisversion 45 kWh, optional kann der Kunde 58 oder gar 77 kWh wählen und so die Reichweite von 330 auf 550 Kilometer ausdehnen. Diesen Spielraum bietet Mazda nicht. Die Platzverhältnisse in der Bodengruppe sind begrenzt und lassen derartige Batteriegrößen nicht zu. Mazdas EV dürfte somit etwa 250 Kilometer schaffen. Genaue Zahlen nennt das Unternehmen noch keine, bringt dafür aber eine Version mit Range Extender ins Gespräch. "Wir möchten unseren Kunden die Möglichkeit bieten, unter der Woche batterieelektrisch zu fahren und längere Fahrten am Wochenende mit demselben Auto zu unternehmen", sagt Matsumoto.

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Mazdas erstes Elektroauto: Wechselstrom

Beim Range Extender treibt ein kleiner Zusatzmotor einen Generator an. Dieser wiederum produziert Strom für die Batterie oder schickt ihn direkt in den Elektromotor. Mazda geht auch hier einen technischen Sonderweg und will in seinem Stromauto einen Wankelmotor einsetzen. Die Japaner haben Erfahrung mit den als kapriziös geltenden Triebwerken: Im Cosmo und vor allem dem RX-7 perfektionierten sie das Konzept über Jahrzehnte und trieben es sogar zu Höchstleistungen im Motorsport. Wankelmotoren haben viele Vorteile, die vor allem auch als Range Extender zur Geltung kämen: Sie laufen äußerst ruhig und vibrationsarm und können in den Abmessungen sehr kompakt gehalten werden. Zudem lassen sie sich neben Benzin bestens mit Erd- oder sogar Wasserstoffgas betreiben.

Komischer, künstlicher Motorsound

Auch Audi hatte dieses Range-Extender-Prinzip vor einigen Jahren einmal erwogen, baute einen Mini-Wankel in den Kofferraum eines elektrisch angetriebenen A1. Man begrub schließlich das Projekt. BMW bot anfangs seinen i3 ebenfalls mit Range Extender an. Hier schnatterte ein Motorradmotor im Heck.

105 Kilowatt leistet der Elektromotor im Mazda-Versuchsfahrzeug. Er sitzt vorn unter der Haube und treibt die Vorderräder an. Einen zweiten E-Motor an der Hinterachse soll es nicht geben. "Allrad ist für unsere Kunden in dieser Fahrzeugklasse kein Thema", so Hiroyuki Matsumoto. Die Leistung reicht, um im Alltag gut zurechtzukommen, spaßige Beschleunigungskicks wie mit dem BMW i3 sind damit jedoch nicht möglich. Auf unserer ersten Testfahrt zeigt sich der Elektro-CX-30 insgesamt gut abgestimmt, die Lenkung vermittelt allerdings nicht die Leichtigkeit der Benzin-Variante. Man merkt dem Wagen sein Mehrgewicht von rund 400 Kilogramm durchaus an. Verzichten sollte Mazda ruhig auf den künstlichen Motorsound, der während der Fahrt über die Boxen in den Innenraum gespielt wird. Käufer eines Elektroautos entscheiden sich nicht zuletzt für diesen Antrieb, weil sie die Ruhe lieben.

Mazdas erstes Elektroauto wird auch sein letztes sein

Was in den Versuchsfahrzeugen noch fehlte, waren Rekuperationsstufen. Im Schubmodus verzögert der Elektro-Mazda nur äußerst wenig. Das mag für Landstraße und Autobahn okay sein, meist bewegt sich ein Stromer aber im städtischen Umfeld, wo ständig gebremst wird. Andere Hersteller lösen das über mehrstufige Wippen am Lenkrad, wie zum Beispiel Hyundai im Kona. Mit etwas Übung ermöglicht dies das sogenannte One-Pedal-Driving. Das Bremspedal braucht dabei so gut wie gar nicht mehr betätigt werden. Verzögert wird ausschließlich über den E-Motor, Bremsbeläge werden geschont und deren Feinstaub nicht in die Umwelt gewirbelt.

Mazda will sein erstes Elektroauto in der zweiten Jahreshälfte 2020 in den Handel bringen. Bestellungen sollen ab dem Frühjahr möglich sein. Preislich dürfte der Stromer auf dem Niveau der Konkurrenten liegen, mithin um die 35.000 Euro kosten.

Das erste Elektroauto von Mazda wird vermutlich auch das letzte sein, zumindest das letzte selbst entwickelte. Weitere elektrische Modelle sollen in Zusammenarbeit mit Toyota entstehen. Um die enormen Entwicklungskosten für die Elektromobilität nicht ausufern zu lassen, ging man mit Japans größtem Autobauer vor zwei Jahren eine Kooperation ein. Auch Subaru ist mittlerweile mit im Boot. Zukünftige E-Autos der drei Marken werden sich dann nur im Design, nicht aber in der darunterliegenden Technik unterscheiden.



insgesamt 53 Beiträge
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KR-Spiegel 05.09.2019
1. Range Extender wird sicherlich Standard
Mazda ist mit seinem Wankel auf einem guten Weg. Wahrscheinlich dürfte Biogas als Antriebsgas das Rennen machen, obwohl E85 weniger Aufwand bedeuten würde.
martinhaidegger 05.09.2019
2. Endlich...
Seit 5 Jahren warte ich auf dieses Auto: Reiner Elektroantrieb Kleiner, abernicht zu kleiner Akku RE für unbegrenzte Reichweite Attraktive Form als CO Dieses Auto wird ein Riesenerfolg. Jetzt fehlt noch ein SUV auf dieser Basis!
vatikano 05.09.2019
3. Range Extender
Ein Fahrzeug mit effektivem , leisen Range Extender hätte definitiv eine Daseinsberechtigung und wäre eine Alternative zu Fahrzeugen mit großem Akku.
MatthiasPetersbach 05.09.2019
4. klingt alles sehr vernünftig.
EIN Auto : Zum Job elektrisch - am Wochenende (zur Not) per Sprit. Extender zur Abwehr von Liegenbleiben und Liegenbleibenangst. Leistung genügend, ohne Beschleinigungskick Kleiner Wankel - Laufruhig und für viele Medien geeignet Da ist Vieles, was sehr vernünftig ist - oder eher ein Muss darstellt. Grunderfordernisse. Mit praktischen und übersichtlichen Karosserien haperts halt bei Mazda. Wie bei (fast= allen.
Zuversicht 05.09.2019
5. Mit REX sehr vernünftig
200 km elektrische Alltagsreichweite dürfte 90% aller E-Käufer für den normalen Alltag vollkommen ausreichen. Je nach verfügbaren Ladestationen kann man dann entweder aufladen oder aber man fährt mit Benzin weiter. Wenn der REX optimal eingestellt ist, dürfte sich der Spritverbrauch im Bereich von 3 Litern bewegen. Jetzt liebe Mazda Entwickler, dass ganze in einen Mazda 3 und es wäre das ideale Brückenauto bis das E-Zeitalter wirklich real wird.
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