Mazda Kabura Im Netz der Spinne

Die Autoindustrie nimmt die Jugend ins Visier. So wie VW mit dem GX3 und Nissan mit dem Urge wendet sich auch Mazda an den sportlichen Nachwuchs. In Detroit zeigen die Japaner das kompakte Coupé Kabura. Schade nur: Eine Serienfertigung ist derzeit nicht geplant.


Aller guten Dinge sind drei. Nach diesem Motto geht bei Mazda jetzt auf der North American International Auto Show in Detroit (14. bis 22. Januar) eine Serie von Showcar-Premieren zu Ende, die vor einem Vierteljahr auf der IAA in Frankfurt begonnen hat. Jedes Designstudio der japanischen Ford-Tochter, so die interne Ausschreibung des kreativen Dreikampfs, sollte für das Heimspiel bei einer großen Messe genau das Fahrzeug auf die Räder stellen, das der Marke auf dem jeweiligen Markt noch fehlen könnte. In Oberursel entstand deshalb für die IAA der Kleinwagen Sassou, ein möglicher Nachfolger des Mazda 2. Zur Motor Show in Tokio stellten die Designer das riesige Schiebetüren-Coupé Senku auf die Räder. Und jetzt in Detroit ziehen die Kollegen aus dem kalifornischen Irvine den Kabura aus dem Köcher.

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Mazda Kabura: Coupé für die "Generation Y"

Das kleine Coupé, dessen Namen auf den japanischen Begriff "kabura-ya" zurückgeht und damit für den ersten Pfeil einer bevorstehenden Schlacht steht, zielt mitten ins Herz der amerikanischen Jugend, die Trendforscher unter dem Label "Generation Y" führen. Die Mitglieder dieser besonders jungen Zielgruppe, so wollen die Mazda-Designer erkannt haben, "sind dem Rest der Gesellschaft stets um ein paar Trends voraus und ständig auf der Suche nach erschwinglichen Konsumgütern, die ihren Drang nach stilvollen und cleveren Designlösungen befriedigen".

Damit dabei der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, haben die Mazda-Designer in Kalifornien unter der Führung ihres neuen Studio-Chefs Franz von Holzhausen ein ebenso pfiffiges wie rassiges Coupé auf die Räder gestellt, das als kleiner Bruder des RX-8 durchaus das Zeug zu einem fahrenden Jugendsportabzeichen hätte. Der dunkelrot lackierte Pfeil steht auf der Plattform des neuen MX-5 und liegt mit einer Länge von exakt vier Metern zwischen dem Roadster und dem großen Wankel-Coupé. Die Studie ist konzipiert als "flinke Fahrmaschine mit kraftvollem Auftritt", beschreibt der Amerikaner mit deutschen Vorfahren sein erstes Mazda-Projekt: "Die Oberflächen sind so straff wie das Netz einer Spinne. Jede Linie geht in eine neue über, nirgendwo gibt es ein offenes Ende."

Das Fenster in der Motorhaube

Vorn trägt der Kabura beinahe wollüstig ausgeformte Kotflügel, zwischen die sich eine keilförmige Motorhaube mit einem großen Fenster zum Durchblick auf die rot lackierten Zylinderkopfdeckel und einem riesigen Kühler spannt. Daran schließt sich eine sehr flach stehende Frontscheibe an, die nahtlos in das riesige Panoramadach übergeht. Erst weit hinter dem Kopf des Fahrers stört ein erster Querträger den freien Blick nach oben. Wer allerdings die Sonne aussperren möchte oder keine Lust auf graue Wolken hat, kann die Tönung der Paneele von innen individuell verstellen.

Hinter dem Panorama-Dach gibt es am steil abfallenden Rücken des Kabura noch einmal ein großes Glaselement, das elektrisch aufgestellt werden kann. So wird die Heckscheibe auf Knopfdruck zum Dachspoiler, leitet verbrauchte Luft nach draußen und erhöht zugleich die Kopffreiheit der Fond-Passagiere. Außerdem übernimmt dieses Spezialfenster an der seitlich angeschlagenen Heckklappe auch noch einen Teil der Stromversorgung: Dafür haben die Japaner eine Solarzelle integriert, mit der die Außentemperatur gemessen und die Batterie aufgeladen wird.

Anders als die meisten anderen kleinen Coupés ist der Kabura weder ein reiner Zweisitzer noch einer jener ungeschickten Kompromisse, die als 2+2-Sitzer häufig nur mit unbequemen Nothockern im Fond aufwarten können. Weil die Marktforscher herausgefunden haben, dass die anvisierten Kunden in der Regel nur einen oder zwei und nur ganz selten wirklich mal drei Passagiere mitnehmen, haben sie das gängige Coupé-Konzept auf den Kopf gestellt: "Die übliche 2+2-Konfiguration mit unbequemem Zustieg nach hinten und limitiertem Platzangebot kam nicht in Frage", sagt von Holzhausen und präsentiert statt dessen den wahrscheinlich ersten 3+1-Sitzer in diesem Segment, der zudem eine ausgesprochen rechtslastigen Komfortverteilung aufweist.

Rechts hinten ist eine Schiebetür versteckt

Wer sich dem Wagen als Fahrer von links nähert, wird davon kaum etwas bemerken. Dort gibt es eine ganz normale Tür, einen ordentlichen Sessel hinter dem Lenkrad und eine kleine Sitznische dahinter. Doch wer als Mitfahrer von rechts kommt, kann sich über einen sehr viel bequemeren Zustieg freuen. Denn hinter der eigentlichen Tür gibt es, ähnlich wie beim RX-8, geschickt versteckt eine zweite. Sie klappt allerdings anders als beim großen Bruder nicht entgegen der Fahrtrichtung auf, sondern verschwindet wie eine Schiebetür auf Knopfdruck in einem speziellen Fach, das im hinteren Kotflügel verborgen ist.

Und auch das Platzangebot ist auf der rechten Seite deutlich größer. Dafür haben die Japaner auf das Handschuhfach verzichtet und den Instrumententräger deutlich schlanker gestaltet. So kann der Beifahrersitz um 15 Zentimeter nach vorn rücken, und dahinter genießt der nächste Passagier "nahezu gleich viel Bein-, Schulter- und Kopffreiheit wie sein Vordermann", schwärmt von Holzhausen.

Dass sich die Generation Y im Kabura wohl fühlen dürfte, liegt aber nicht nur am unkonventionellen Layout der Sitzlandschaft und dem lichten Ambiente. Auch die Materialauswahl könnte durchaus den Geschmack der Zeitgeistjünger treffen. Schließlich besteht das Interieur des Kabura aus einem ökologisch einwandfreien, politisch korrekten und dazu auch noch nett anzusehenden Ledersubstrat, das zum Großteil aus den Abfällen der Produktion von Nike-Laufschuhen hergestellt wird. Und was man gewöhnlich am Fuß trägt, das wird einem auch im Auto gefallen.

Doch allzu viele Hoffnungen sollte sich die Y-Jugend nicht machen: Zwar nutzt das Showcar viele technische Komponenten des neuen MX-5 - vom Sechsganggetriebe über den Heckantrieb bis zum Zweiliter-Motor -, so dass der Wunsch zumindest in der Theorie recht schnell zur Wirklichkeit werden könnte. Doch muss Designer von Holzhausen die Fans erst einmal enttäuschen: "Es gibt keine konkreten Pläne für eine Serienfertigung", wiegelt der 37-jährige Amerikaner ab, um gleich danach wieder etwas Optimismus zu verbreiten. "Es könnten einige der im Kabura gezeigten Ideen an einem künftigen Modell von Mazda wieder auftauchen."



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