Mercedes C 63 AMG Coupé Feger aus Affalterbach

Kleines Auto, großer Motor: Diese Mixtur besitzt nach wie vor große Anziehungskraft. Kaum einer weiß das besser als Mercedes-Haustuner AMG - noch vor dem Stapellauf des neuen C-Klasse-Coupés schickt er einen übermotorisierten Ableger auf die Bühne. Technisch ist der Wagen jetzt schon veraltet.


AMG ist im Aufwind. Der Flügeltürer SLS verkauft sich wie von selbst, und beinahe im Monatsrhythmus kann Firmenchef Ola Källenius derzeit eine Neuheit enthüllen. Jüngstes Kind aus Affalterbach, dem Sitz der Mercedes-Tuningmarke, ist das neue Coupé der C-Klasse. Noch bevor der Flachmann in der ganz normalen Serienausführung zu den Händlern kommt, zeigt AMG bereits die Powerversion des neuen Zweitürers.

Es ist quasi eine Vorabveröffentlichung, denn Weltpremiere feiert das Modell C 63 AMG Coupé erst im kommenden Monat zeitgleich auf den Messen in Shanghai und New York, und in den Handel kommt das Auto dann im Juli. Doch damit interessierte Kunden schon mal die Finanzierung klären können, zeigt die Mercedes-Tochter bereits jetzt die ersten Fotos und nennt vor allem den Preis des Wagens: 72.590 Euro werden mindestens fällig, und damit liegt der potente Flachbau beinahe auf S-Klasse-Niveau.

Wie es sich für ein AMG-Modell gehört, pflegt das Coupé den etwas protzigeren Auftritt. Die Frontpartie ist stärker gepfeilt, die neuen LED-Leuchten machen auf stechender Blick, die Seitenschweller sind beinahe wie Muskeln modelliert, und am Heck gibt es vier Auspuffendrohre, einen schwarzen Diffusoreinsatz sowie eine Spoilerlippe. Auch innen trägt das Coupé Trainingsanzug. Die Sitze sind stärker konturiert als im herkömmlichen Auto, Konsolen aus Karbon gefertigt oder mit Klavierlack überzogen, und es gibt ein griffiges Sportlenkrad.

Der Wagen sieht nicht nur kräftig aus, er ist es auch. Schließlich steckt unter der Haube ein 6,2 Liter großer V8-Motor mit zunächst einmal 457 PS und 600 Nm, der in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 sprintet und sicher völlig mühelos das elektronische Limit von 250 km/h erreicht. Wem das nicht reicht, der bestellt für gut 7000 Euro Aufpreis das sogenannte "Performance Package" und erhält dafür einen Nachschlag: 30 zusätzliche PS nämlich dank Schmiedekolben, Pleuel und Leichtbaukurbelwelle, die aus dem SLS-Antrieb übernommen werden. Sie lassen den Saugmotor des C-Coupés noch spontaner ansprechen und schneller hochdrehen, was das Spurtvermögen noch einmal verbessern soll.

Technischer Rückschritt

Dazu gibt es eine neue Abstimmung des tiefergelegten Fahrwerks, eine direktere Lenkung, größere Bremsen mit kräftigerem Biss und ein neues Getriebe mit vier Fahrprogrammen. Im Modus "Controlled Efficiency" etwa ist der Wagen noch auf den bestmöglichen Verbrauch ausgelegt; in den anderen Programmierstufen arbeitet die siebenstufige Schaltung jedoch mit theatralischen Zwischengasstößen und ermöglicht den perfekten Kavalierstart.

Zwar ist das C-Klasse-Coupé das neueste Modell von AMG, doch technisch markiert es einen Schritt zurück. Denn während andere Vollgasmodelle mit dem neuen 5,5-Liter-V8-Motor mit Doppelturbo und Direkteinspritzung vorfahren, muss im jüngsten Renner des Hauses noch einmal der ältere Saugmotor mit 6,2 Litern Hubraum ran. Bei den Fahrleistungen bedeutet das kaum einen Unterschied, denn genügend Kraft haben beide Aggregate. Beim Tankstopp jedoch macht es sich bemerkbar. Während beispielsweise der genau 100 PS stärkere, deutlich größere und ein paar Zentner schwerere CLS 63 AMG mit durchschnittlich 9,9 Litern zufrieden ist, stehen für das neue C-Klasse-Powercoupé happige 12,0 Liter Durchschnittsverbrauch im Datenblatt. Fortschritt sieht anders aus.

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insgesamt 32 Beiträge
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fx33 21.03.2011
1. Bäh!
Igitt. Wie proletig. Der würde auf einem "Tunigtreffen" zwischen tiefergelegten Golfs, spoilerbewehrten Polos und Honda Civics mit Ofenrohrauspuff nicht auffallen.
Beteigueze, 21.03.2011
2. Bin dafür
mir persönlich gefallen Hochdrehzahl-Saugmotoren auf jeden Fall besser. Das ist pur, das ist echt - nur halbtote Motoren müssen zwangsbeatmet werden :-)) Wenn ich ein Auto 75.000.- € bezahlen kann und mich dazu für ein AMG Modell entscheide, ist es völlig unwichtig ob 9,9 l/100 km oder 12 l/100 km Verbrauch anstehen, die ohnehin völlig unrealistisch sind. BMW hat sich ja leider auch von diesem Konzept des HDSM beim neuen M5 bereits verabschiedet. Statt diesem wunderbaren Formel 1 Motor kommt jetzt ein Turbo V8 zum Einsatz - was für ein Abstieg...
Henson222 21.03.2011
3. Stimmt
Zitat von fx33Igitt. Wie proletig. Der würde auf einem "Tunigtreffen" zwischen tiefergelegten Golfs, spoilerbewehrten Polos und Honda Civics mit Ofenrohrauspuff nicht auffallen.
Stimmt. Anfang der 90er hätte ich so ein Auto auch noch cool gefunden.
Tjelfe, 21.03.2011
4. Arro von Ganz
Zitat von Beteiguezemir persönlich gefallen Hochdrehzahl-Saugmotoren auf jeden Fall besser. Das ist pur, das ist echt - nur halbtote Motoren müssen zwangsbeatmet werden :-)) Wenn ich ein Auto 75.000.- € bezahlen kann und mich dazu für ein AMG Modell entscheide, ist es völlig unwichtig ob 9,9 l/100 km oder 12 l/100 km Verbrauch anstehen, die ohnehin völlig unrealistisch sind. BMW hat sich ja leider auch von diesem Konzept des HDSM beim neuen M5 bereits verabschiedet. Statt diesem wunderbaren Formel 1 Motor kommt jetzt ein Turbo V8 zum Einsatz - was für ein Abstieg...
Mir bleibt nur die Hoffnung, dass Ihr Kommentar nicht ernst gemeint ist. Ansonsten ist er an Arroganz nicht zu überbieten. Energiesparen ist wohl nur eine Sache des Proletariats.
ritzinger 21.03.2011
5. ...
Zitat von TjelfeMir bleibt nur die Hoffnung, dass Ihr Kommentar nicht ernst gemeint ist. Ansonsten ist er an Arroganz nicht zu überbieten. Energiesparen ist wohl nur eine Sache des Proletariats.
Der Teilnehmer hat doch vollkommen recht - wer bereit ist, für eine C-Klasse (!) über 70k hinzulegen dem ist der Verbrauch egal. Sehen Sie den Tatsachen ins Gesicht: Dieses Auto und der begriff Sparsamkeit passen in keiner Hinsicht zusammen. Wenn Sie Energie sparen wollen, fahren Sie Rad.
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