Dieselmotoren in A- und B-Klasse Weitere Mercedes-Modelle unter Manipulationsverdacht

Die Dieselaffäre nimmt für den Daimler-Konzern kein Ende. Erneut sind nach SPIEGEL-Informationen verdächtige Abschalteinrichtungen in Mercedes-Modellen aufgetaucht. Nun drohen weitere Rückrufe.

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Krisztian Bocsi/ Bloomberg via Getty Images

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Auch ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des neuen Vorstandschefs Ola Källenius ist ein zügiger Abschluss der Dieselaffäre für den Daimler-Konzern nicht abzusehen. Kürzlich hat der Autohersteller dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zwei weitere sogenannte Abschalteinrichtungen in der Abgassteuerung seiner Dieselfahrzeuge gemeldet.

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Heft 49/2019
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Betroffen sind nach SPIEGEL-Informationen diesmal kleinere Dieselmotoren, die Daimler von Renault erworben und in Modellen wie der A- und B-Klasse verbaut haben soll. Das KBA untersucht derzeit die auffällige Software, ein amtlicher Rückruf Tausender Autos droht. Und das, obwohl nach Schätzungen aus Regierungskreisen schon rund 4,5 Millionen Daimler-Modelle in Europa von Ruckrufen und Software-Updates betroffen sind, davon rund 1,3 Millionen auf Anordnung der Behörden. Das entspricht praktisch der gesamten Dieselflotte mit den Schadstoffklassen Euro 5 und 6.

Daimler bestreitet, gegen Gesetze verstoßen zu haben. Gegen die bisherigen KBA-Bescheide hat der Konzern Rechtsmittel eingelegt. Der Klärungsprozess mit dem KBA sei noch nicht abgeschlossen, teilte Daimler dem SPIEGEL mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Behörde weitere Ruckrufanordnungen erlässt, sagte ein Sprecher.

Genervt von der Salami-Taktik

Im Zusammenhang mit der Dieselaffäre steht Daimler schon seit Jahren im Austausch mit dem KBA. Im Sommer 2017 kündigte der Autohersteller sogenannte freiwillige Service-Maßnahmen für mehr als drei Millionen Fahrzeuge in Europa an. Später ordnete das KBA jedoch auch verpflichtende Rückrufe an, zuletzt für 260.000 Fahrzeuge des Modells Sprinter. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dessen Ministerium das KBA untersteht, warf Daimler "Salamitaktik" und "Trickserei" vor, weil immer wieder neue Verdachtsfälle auftauchten.

Das Verhältnis zwischen Autohersteller und Verkehrsministerium ist seit vielen Monaten angespannt. Im September verhängte außerdem die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Bußgeld in Höhe von 870 Millionen Euro gegen Daimler wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

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Testvehikel 29.11.2019
1.
"BundesverkehrsministerAndreas Scheuer(CSU), dessen Ministerium das KBA untersteht, warf Daimler "Salamitaktik" und "Trickserei" vor, weil immer wieder neue Verdachtsfälle auftauchten." Welch ein Glück, dass er sich damit selbst bestens auskennt.
Daniel Roser 29.11.2019
2. mal alle Diesel WIRKLICH untersuchen?
Man sollte sich mal ALLE Diesel sehr genau anschauen, und zwar unter Straßenbedingungen. Da kommt bestimmt noch mehr raus...
Feigenpalmenwedler 29.11.2019
3. Über Jahrzehnte
lang war jedem klar, angegebene Verbrauchswerte von Verbrennungsmotoren stimmen nicht. Warum hat das KBA nicht reagiert, warum wurde nicht nachgehakt und insbesondere, warum wurde wurde nicht selber geprüft sondern nur prüfen lassen? Abgasabweichungen wären dabei mit Sicherheit aufgefallen. Der Eindruck, Politik, Behörden und Prüfinstitute haben versagt oder geduldet läßt sich nicht vermeiden. In dem Fall wäre der Staat in der Pflicht, das heißt wir alle müßten zahlen.
timtom2222 29.11.2019
4.
Der Artikel legt ziemlich klar dar, weshalb die deutschen Autobauer momentan wenig Autos verkaufen. Wer kauft gern die Katze im Sack? Unterstützung durch den Staat sollte ausgeschlossen werden, sollen doch die Aktionäre zahlen!
telos 29.11.2019
5. Die rechte Hand weiß nicht, was die linke macht
Auf den Straßen in Deutschland bewegen sich unzählige LKWs mit Euro 5 bez. 6 Norm ausgewiesen, welche im Realbetrieb eher der Norm 3 zuzurechnen sind. Dafür verantwortlich sind ganz "legal" im Internet erworbene Abschaltvorrichtumgen, die die Zuführung von Add Blue verhindern und so deutlich schlechtere Abgaswerte generieren. Der einzige Grund dafür ist der Preis des Add Blue, der bei einem oder anderen Logistikunternehmen zusammengenommen schon zu erheblichen "Nebenkosten" führt. Besonders LKWs aus den ehemaligen Ostblockländern fallen hier auf. Stichproben sind nur äußerst schwer kontinuierlich durchzuführen, da das dafür notwendige Personal schlichtweg fehlt.
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