Mercedes-Fahrrad Tolle Technik, dussliges Design

Wie gerne würde man mit dem neuen Mercedes-Fahrrad vor der Eisdiele bremsen, bewundernde Blicke genießen und dann beiläufig die technischen Finessen des Bikes aufzählen. Doch leider wird niemand hinschauen. Und wenn, dann nicht bewundernd. Denn das neue Mercedes-Fahrrad ist zwar toll, aber ausgesprochen uncool.

Zu den ambitioniertesten Drahteseln, die man derzeit kaufen kann, gehört aus technologischer Sicht das neue "Automatikbike" von Mercedes-Benz. Es verfügt über eine elektronisch gesteuerte Luftfederung, über eine 8-Gang-Automatikschaltung und eine sensorgesteuerte Lichtanlage.

Bordcomputer und "intelligente" Lichtanlage

Ein zentraler Bordcomputer sitzt am Lenkerkopf und zeigt auf einem kleinen Bildschirm, wie schnell man unterwegs ist, in welchem Gang und mit welcher Dämpfereinstellung. Bei einem ersten, kurzen Fahrtest erwies sich die neue Technik - es handelt sich um das "Cyber Nexus"-System von Shimano - als durchaus überzeugend.

Die Schaltvorgänge sind weich und kaum spürbar, der Computer ermittelt aus Trittfrequenz und Geschwindigkeit stets den geeigneten Gang. Zudem lassen sich drei Fahrprogramme mit Lenkradtasten vorwählen oder man entscheidet sich gleich ganz für die manuelle Bedienung, das geht nämlich auch.

Und dass die Lichter bei zunehmender Dunkelheit automatisch eingeschaltet ausgeschaltet werden, ist auch eine feine Sache. Das Rücklicht (mit Standlichtfunktion) beginnt sogar zu blinken, sobald der Radler das Tempo drosselt, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen.

Viel Technik und verdorbene Optik für rund 2500 Euro

Alles sinnvoll und gut, doch leider steckt die Technik in einem absolut unsportlichen, uneleganten Gewand. Selten klafften Gehalt und Gestalt eines Zweirads so weit auseinander wie bei diesem Fahrrad, das immerhin 2490 Euro kostet. Für diesen Preis muss man eine tolle Optik erwarten. Dass Mercedes die beherrscht, kann man übrigens am neuen Fitnessbike (1290 Euro) sowie am ebenfalls neuen Mountainbike (1790 Euro) der Marke sehen. Beides sind durchaus ansprechende Fahrräder geworden, man bekommt Lust, gleich loszuradeln. Beim Anblick des Automatikbikes dagegen möchte man eher den alten Drahtesel aus dem Keller hervorholen.

Wer Fan einer bestimmten Automarke ist und gleichzeitig leidenschaftlich gern Rad fährt, kann sich beides vom selben Hersteller kaufen. Seit einigen Jahren haben deutsche Automobilhersteller den boomenden Fahrradmarkt für sich entdeckt und stellen in regelmäßigen Abständen neue Modelle vor. Vor zwei Jahren zum Beispiel kam ein 5500 Euro teures Mountain-Bike von "Porsche" auf den Markt, auch BMW stellt Fahrräder her.

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Automatikbike von Mercedes: Unansehnliches Technikwunder

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