Mercedes-Neujahrsempfang Stern über Detroit

Die Detroit Motor Show begann mit Melodien aus den goldenen Zwanzigern: Max Raabe und das Palast-Orchester – aus Deutschland eingeflogen – spielten beim Mercedes-Neujahrsempfang in Motown auf. Vorstandschef Zetsche präsentierte neue Autos mit ungewöhnlichem Design.

Von , Detroit


Detroit - Ein hell leuchtender, gut drei Meter großer Mercedes-Stern hing an einem Autokran und wies den Weg zum Museum of Contemporary Art Detroit. Das war auch gut so, denn das leicht angegammelte Gebäude, ehemals erbaut als Dodge-Autohaus, fällt nicht weiter auf in diesem Teil Detroits, wo es vor leerstehenden Hallen, Brachflächen und Schlaglöchern nur so wimmelt. Drinnen aber war alles angerichtet: für den Neujahrsempfang von Mercedes am Vorabend der Detroit Auto Show (19. bis 27. Januar).

In den nächsten Tagen ist Nordamerikas größte Automesse zunächst Presseleuten und Fachbesuchern vorbehalten. Von denen tummelten sich rund 350 auf der Party, mit der Mercedes den Premierenreigen 2008 einleitete. "Als Erfinder des Automobils sind wir auch bestens präpariert für seine Zukunft", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Kurz darauf hoben sich die Vorhänge und zwei Versionen des kommenden Geländewagens GLK, geparkt auf weißen Wuschelteppichen, schimmerten im Rampenlicht. Dass der Allradler kantig und kraftvoll aussieht, war von Fotos bereits bekannt. Nicht jedoch, dass es zwei Varianten geben wird – eine robuster geschminkte für den Cowboy im Mann und eine um drei Zentimeter tiefer gelegte Version, die laut Mercedes Marketing-Prosa "ein fahrdynamisches Ausrufezeichen auf befestigten Straßen" setzen soll.

Bislang tragen die beiden Varianten die gestelzten Zusatznamen Freeside und Townside – aber die werden sich bis zur Markteinführung der neuen Baureihe im Herbst noch ändern, verspricht Mercedes. Fix sind dagegen alle wesentlichen Linien der Autos: also das markante Äußere, das irritierend eckig gestaltete Interieur und die dazugehörigen, formschönen Dreispeichen-Lenkräder. Der Griff zu Lineal und Winkel scheint unter den Mercedes-Designern derzeit en vogue zu sein, denn auch der Sportwagen SLK, den die Schwaben in Detroit runderneuert und mit 650 veränderten Bauteilen präsentieren, sieht zackiger und maskuliner aus als das bisherige Modell.

Mercedes feiert den Benzinhybrid-SUV

Weil auch in den USA inzwischen verbrauchsgünstige und umweltfreundlichere Autos an Fahrt gewinnen, zeigen die Stuttgarter auf der Messe auch zwei Fahrzeuge, die in dieser Richtung unterwegs sind. Etwa den ML 450 Hybrid, einen Geländewagen mit V6-Benzinmotor und zwei Elektromotoren, die gemeinsam 340 PS und 480 Nm hervorbringen und den Durchschnittsverbrauch des Brummers auf 7,7 Liter je 100 Kilometer (185 g/km CO2) halten sollen. Mercedes feiert das Auto, das 2009 auf den Markt kommen soll, als "weltweit sparsamsten Benzinhybrid-SUV seiner Klasse".

Im Jahr 2010 wird dann auch das Oberklassemodell S-Klasse antriebstechnisch elektrifiziert. Der Typ S 300 Bluetec Hybrid mit 204 PS starkem Vierzylinder-Diesel und einem 20 PS starken Hybrid-Modul soll lediglich 5,4 Liter je 100 Kilometer verbrauchen, was einem CO2-Ausstoß von 142 g/km entspricht. Bei Autos dieses Kalibers ein bislang unerreichter Wert. Ob die S-Klasse-Klientel dies goutieren wird, ist unbekannt. Der Verkauf von 85.500 S-Klasse-Exemplaren allein im vergangenen Jahr zeigt jedenfalls, dass offenbar niemand in diesen Gefilden des Automarktes Öko-Hightech vermisst.

Bis zum Start der S-Klasse mit Diesel-Hybrid-Antrieb will Mercedes nach den Worten von Vorstandschef Zetsche eine Umsatzrendite von zehn Prozent erzielen. "Das ist ambitioniert, aber erreichbar", sagte er. Es geht nämlich wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr verkaufte allein die Marke Mercedes knapp 1,19 Millionen Pkw – 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr und überhaupt so viele wie noch nie. Und in den USA war 2007 gemessen am Absatz (253.000 Fahrzeuge) bereits das 14. Rekordjahr in Folge für die Schwaben. So könnte es weitergehen – an Optimismus jedenfalls mangelt es nicht.



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