Mercedes SL Knackig in die zweite Halbzeit

Der Mercedes SL ist der deutsche Sportwagen mit der größten Haltbarkeit. Seit 1957, als der erste SL Roadster debütierte, legten die Schwaben fünf Generationen auf. Das aktuelle Modell ging 2001 an den Start - und wurde jetzt gründlich überarbeitet.


Auf dem Autosalon in Genf (6. bis 16. März) wird der renovierte Mercedes SL präsentiert, ab 5. April steht der Roadster mit dem stählernen Klappdach dann bei den Händlern. Es handelt sich um einen gründlich aufgefrischten Sportwagen, aber keineswegs um eine komplett neue Baureihe - auch wenn Mercedes vollmundig von einer "neuen Generation" spricht. Die tritt wohl erst in einigen Jahren an, und damit bis dahin die Zulassungszahlen nicht völlig wegbrechen, wurde der SL aufgepeppt, wie das typisch ist für Fahrzeuge, die den Zenit ihres Modellzyklus überschritten haben.

630.000 SL-Exemplare hat Mercedes in den vergangenen 51 Jahren verkauft. Die gegenwärtig noch aktuelle Variante hatte 2002 ihr bestes Jahr mit 8765 Neuzulassungen in Deutschland laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts. Danach sank dieser Wert kontinuierlich auf zuletzt 2102 Fahrzeuge im vergangenen Jahr. Ganz klar, dass Mercedes seiner Sportwagenikone wieder auf die Sprünge helfen muss. Deshalb wurde jetzt durchgreifend renoviert und das Auto wieder mehr in Richtung Rasanz getrimmt.

Äußerlich ist das am breiteren Kühlergrill mit nur noch einer Querstrebe zu erkennen, an den beiden so genannten Powerdomes auf der Motorhaube und den zackigeren Scheinwerfern. Die Designer betonen, dass die neue Optik des SL als Orientierung für künftige Mercedes-Pkw entwickelt wurde. Das dürfte bedeuten, dass kommende Typen der Marke wieder ausdrucksstärker und einen Tick aggressiver als heute auf die Straße rollen. Auch am Heck kann man den überarbeiteten SL erkennen: an einem Stoßfänger, der gestaltet ist wie ein Diffusor und zwei neuen Auspuff-Endrohren in Trapezform.

Wesentlicher für das neue, sportlichere Fahrgefühl des SL sind allerdings einige technische Veränderungen. Etwa im Motorraum. Der SL 350, bislang mit 272 PS unterwegs, tritt nun dank höherer Verdichtung und optimierter Kolben mit 316 PS an. Zugleich gelang es den Ingenieuren, den bisherigen Verbrauchswert von 10,3 auf 9,9 Liter und damit unter die psychologisch bedeutsame Zehn-Liter-Marke zu drücken. Wer den Luxussportler noch sparsamer bewegen möchte, für den gibt es das Basismodell SL 280, dessen Sechszylinderaggregat 231 PS leistet und im Durchschnitt 9,4 Liter schluckt.

Dicke Motoren und direktere Lenkung

In den höheren Leistungssphären bleibt alles wie gehabt: Der Achtzylinder im SL 500 mobilisiert 388 PS, der V12-Motor im Spitzenmodell SL 600 schüttelt 517 PS aus den Brennkammern und dann gibt es ja auch noch die von AMG geschärfte Variante SL 63 AMG mit rund 530 PS. Die Masse aber macht Mercedes wohl mit den beiden Sechszylinder-Typen, und deren Kraft reicht für alle auf öffentlichen Straßen zulässigen Manöver allemal aus.

SL-Kunden können fortan ihren Wagen technisch noch weiter verfeinern als bislang. Während Bi-Xenon-Licht jetzt bei allen Versionen Standard ist, kann optional das sogenannte Intelligent Light System (Aufpreis 464 Euro) bestellt werden, das je nach Fahr- und Witterungssituation die Straße optimal ausleuchtet. Außerdem lässt sich die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung nun zur Direktlenkung (Aufpreis 178 Euro) aufrüsten, bei der die Übersetzung parallel zum Lenkwinkel zunimmt. Das heißt: Je mehr man am neuen Dreispeichen-Lederlenkrad dreht, desto ärger schlagen die Räder ein. Kurven, verspricht Mercedes, würden so zu einem noch größeren Genuss.

Ein Luftschal nun auch für SL-Insassen

Schließlich fächelt künftig auch der SL - wie bereits der kleinere Mercedes SLK - den Offenfahrern wohltemperierte Luft in den Nacken. Vorausgesetzt das Extra namens Airscarf wurde geordert (Aufpreis 595 Euro). Dabei handelt es sich um eine Kopfstütze, die ein bisschen an den Schädel des Alien-Monsters erinnert. Im Innern verborgen sind zwei Ventilatoren zum Ansaugen von Luft, die dann von einem Heizelement erwärmt und anschließend in Richtung Nacken wieder abgegeben wird. Die Temperatur ist in drei Stufen regelbar und Mercedes verspricht, dass der "Luftschal" die Roadstersaison auch auf kühlere Tage ausdehnt.

In Sachen Bordelektronik - Festplatten-Navigationsgerät, Sprachsteuerung oder Digitalradio sowie DVD- und CD-Wechsler - lässt sich der SL ebenfalls gehörig aufrüsten, was zu der Frage führt, was die neue Herrlichkeit mit Stern denn eigentlich kostet. Die Antwort: mindestens 79.968 Euro. So teuer ist das Basismodell SL 280 und beweist, dass Bescheidenheit nicht automatisch auch billig ist.

jüp



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