Mercedes-Tuner Carlsson Edle Autos für Millionäre mit Geltungsdrang

Je geringer die Stückzahl und je auffälliger das Auto, desto größer die Nachfrage. Nach dieser Rezeptur hat Mercedes-Veredler Carlsson zusammen mit dem Leder-Label Aigner schillernde Editionen aufgelegt. Die Luxusautos waren jedoch nur Vorspiel für das erste eigene Modell - den C25.
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Carlsson CK 65 RS: "Je exklusiver, desto besser"

Foto: Tom Grünweg

Wer über sehr viel Geld verfügt, will nicht einfach mit einem dicken Mercedes oder wuchtigen Bentley vorfahren. "In diesen Kreisen möchten viele Kunden den eigenen Geschmack dokumentieren und legen Wert auf ein unverwechselbares Auto", sagt Markus Schuster. Er ist Chef des Merziger Mercedes-Veredlers Carlsson und setzt mit der Firma auf "maximale Individualisierung". Sein Geschäftsmodell: Je exklusiver das Auto, desto besser lässt es sich verkaufen. In diesem Sinn hat Carlsson in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit dem Leder-Label Aigner eine Handvoll höchst spezieller Mercedes-Umbauten vorgestellt.

"Aber das war nur das Vorspiel", sagt Schuster. Denn nun treiben die Saarländer Luxustuner die Individualisierung auf die Spitze und bauen das erste eigene Auto: den C25. Anfang März soll der Wagen auf dem Autosalon in Genf vorgestellt werden, 753 PS stark und gut 500.000 Euro teuer soll das Modell in den kommenden Jahren exakt 25 Mal gebaut werden.

Von dem extravaganten Zweitürer gibt es bislang offiziell nur Computerskizzen und Werkstattbilder, weil die Entwickler nach Einschätzung von Firmensprecher Stefan Müller wohl erst auf den letzten Drücker fertig werden. Und so holt Carlsson-Chef Schuster beim Ortstermin das jüngste Aigner-Modell aus der Garage, das in Sachen Luxusausstattung und Sportlichkeit eine Art Blaupause für den kommenden C25 ist. "Superschnelle Sportwagen gibt es schon genug", sagt der Chef. "Aber mit einem Bugatti oder einem Pagani will doch keiner jeden Tag ins Büro fahren", argumentiert er.

Insofern setzt Carlsson auf die Kombination aus Glamour, Alltagsnutzen und Vollgasfestigkeit. Etwa das Modell CK 65 RS Blanchimont, dessen Innenraum gemeinsam mit der Lederfirma Aigner ausgekleidet wurde. Erst einmal fährt sich das Auto auf der Testfahrt durchs winterliche Saarland wie eine normale Mercedes S-Klasse. Sobald man aber das Gaspedal durchtritt, wird es heftig. Carlsson hat den serienmäßigen V12-Motor mit einer neuen Steuerelektronik, anderen Luftfiltern und einem vierflutigen Sportauspuff ausgestattet. Im Ergebnis steigt die Leistung von 612 auf 705 PS und das maximale Drehmoment liegt nun bei 1100 Nm.

Noch mehr Drehmoment wäre Gift fürs Getriebe

Es wäre noch mehr möglich gewesen, doch noch mehr Kraft hätte die Gesundheit des Getriebes gefährdet, weshalb ein elektronischer Begrenzer das Drehmoment im Zaum hält. Auch so macht der Luxusliner mächtig Dampf und jagt in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Und wo die Mercedes S-Klasse normalerweise bei 250 km/h die Segel streicht, beschleunigt das Carlsson Modell weiter bis auf 320 km/h.

Leistung ist für Carlsson aber nur die halbe Miete. Vor allem bei den Aigner-Modellen, die es auf Basis von CL, GL und S-Klasse gibt. Hier geht es auch um überbordenden Luxus - schließlich beginnt der Preis für den CK65 RS bei etwa 400.000 Euro. Dafür gibt es dann unter anderem eine Zweifarblackierung, Spoiler und Schweller aus Carbon sowie glänzende 21-Zoll-Räder und eine sportliche Programmierung der Fahrwerkselektronik. Zudem kleiden die Tuner jeden Quadratmillimeter des Interieurs mit Leder, Alcantara oder speziellen Hölzern aus und installieren eine Sound-Anlage, für deren Preis andere Leute eine Mittelklasselimousine kaufen.

Es geht nicht nur um Leistung, sondern vor allem um Exklusivität

Zwar ist der nach einer legendären Linkskurve auf dem Rennkurs von Spa benannte Blanchimont auf den ersten Blick nicht minder schrill und schillernd wie eine S-Klasse vom Tuner Brabus, doch für Kenner gibt es da klare Unterschiede. Wenn Schuster die erklärt, nutzt er Adjektive wie elegant, dezent, exklusiv und exquisit. "Die Schnellsten und Stärksten müssen wir gar nicht immer sein", erklärt der Chef. "Die unterschiedliche Philosophie erkennt man bereits an den Firmensitzen", erklärt Carlsson-Sprecher Müller. Während Brabus in Bottrop fast schon eine Tuning-Fabrik betreibt, pflegt Carlsson den Manufakturcharakter. Die Zentrale am Saarufer heißt "Gut Wiesenhof", das malerisch in einem Park liegt.

Durch diese Idylle rauscht seit ein paar Monaten allerdings immer wieder die futuristische Eigenkreation, die demnächst in Genf enthüllt werden soll. Schuster: "Die Idee zu unserem ersten eigenen Auto gibt es schon länger, die konkrete Entwicklung aber begann erst vor sechs Monaten." Seitdem haben die Saarländer am Trägerfahrzeug, einem Mercedes SL 65 AMG, kaum eine Schraube unberührt gelassen. Der Motor leistet jetzt 753 PS, das maximale Drehmoment liegt theoretisch bei 1320 Nm, den Sprint schafft der Wagen in 3,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 352 km/h und das Design lässt einen Science-Fiction-Filmausstatter als Auftraggeber vermuten. "Wer diesen Wagen fährt, muss keine Verwechslungen mehr fürchten", sagt Schuster. "In jedem Land werden wir nur ein einziges Fahrzeug ausliefern." Für Franzosen und Russen ist das keine gute Nachricht - von dort liegen bereits Bestellungen vor.