Vernetzung im Straßenverkehr Auto, heiz schon mal die Wohnung vor

Andere Autofahrer warnen, das Wohnzimmer vor der Ankunft aufwärmen - das erledigt demnächst der eigene Wagen. Auf der CES in Las Vegas zeigen Unternehmen, welche Verheißung in der Vernetzung von Autos steckt.

Daimler

Aus Las Vegas berichtet


Auf der Rückfahrt vom Skiurlaub, draußen ist es dunkel und bitterkalt. Das Zuhause: tagelang verwaist, die Heizung runtergedreht. Und trotzdem ist die Wohnung bei der Ankunft so gemütlich warm, dass man sich ohne Decke direkt aufs Sofa legen kann.

Der freundliche Service ist dem Auto zu verdanken - dessen Navigationssystem hat rechtzeitig vor dem Erreichen des Ziels einen digitalen Befehl an die Heizung gesendet und sie aktiviert, ohne dass der Fahrer einen Finger krumm machen musste.

In den USA will der Automobilhersteller Mercedes diese Vernetzung von Haus und Fahrzeug bald wahr werden lassen. Auf der wichtigsten Messe für Unterhaltungselektronik, der CES, haben die Schwaben eine Kooperation mit dem Thermostat-Unternehmen Nest Lab bekanntgegeben und präsentieren das erste Ergebnis der Zusammenarbeit auf ihrem Messestand. Die Integration des Dienstes funktioniert über die sogenannte Digital-Drivestyle-App von Mercedes.

Mein Freund, das Auto

"Das Auto entwickelt sich damit zu einem verlässlichen Freund", sagt Thomas Weber, Vorstandsmitglied von Daimler und bei Mercedes für die Konzernforschung zuständig. Was er damit meint: Das Fahrzeug kennt die Bedürfnisse seines Besitzers auswendig.

Alte Freunde bringen aber nicht nur Wärme ins Haus, sie warnen auch rechtzeitig vor Gefahr. Das kann die Digital-Drivestyle-App ebenfalls. Seit dem jüngsten Update vor einigen Tagen ist es Mercedes-Fahrern möglich, sich gegenseitig auf Straßenglätte, Falschfahrer oder liegengebliebene Fahrzeuge aufmerksam zu machen.

Dazu müssen sie allerdings selbst aktiv werden: Über ein Menü im Bordcomputer kann ein Warnhinweis ausgewählt und abgeschickt werden. Innerhalb von wenigen Sekunden erscheint er auf den Armaturen anderer Nutzer der App. Nur wenn man selbst Hilfe braucht, wird automatisch ein Hinweis versendet: Nämlich dann, wenn am Wagen die Warnblinker an sind und die Motorhaube geöffnet ist.

Bei Vernetzung Rabatt

Wenn es nach Thomas Weber ginge, würden diese sogenannten Car-to-X- und Car-to-Car-Technologien noch umfangreicher zum Einsatz kommen. Denn sobald Autos in der Lage sind, untereinander und mit intelligenten Verkehrsleitsystemen zu kommunizieren, würde die Zahl der Unfälle seiner Meinung nach drastisch sinken, weil die Fahrer in Echtzeit über das Geschehen in ihrer Umgebung informiert werden und früher reagieren können.

Damit aber die Fahrzeuge aller Hersteller sich verstehen, muss zum einen erst einmal ein einheitlicher Technikstandard entwickelt werden. Zwölf Autobauer haben sich zu diesem Zweck zu einem Konsortium zusammengeschlossen, bis 2015 soll die markenübergreifende Verständigung klappen.

Zum anderen investieren Bund, Länder und Kommunen nach Ansicht von Weber noch zu wenig Geld in eine Infrastruktur, die über die reine Instandsetzung von Straßen hinausgeht - etwa in moderne Ampelanlagen, die fähig sind, bei Rotlicht ein Signal an Autos zu senden, die zu schnell heranfahren. Dadurch könnte laut Weber verhindert werden, dass man aus Unachtsamkeit oder wegen schlechter Sicht über eine Kreuzung rauscht.

"Durch gesetzliche Anreize könnte die Entwicklung außerdem beschleunigt werden", sagt Weber, "zum Beispiel dadurch, dass Fahrzeugbesitzer, deren Autos mit Car-to-X-Technologien ausgestattet sind, Rabatte bei der Versicherung erhalten."

Ein Gigabyte Daten sammelt das Fahrzeug - pro Minute

Über eine solche indirekte Förderung würde sich auch Continental freuen. Der Automobilzulieferer zeigt auf der CES ebenfalls die neuesten Möglichkeiten der Vernetzung von Autos - und je mehr Fahrzeuge untereinander Daten austauschen, desto akkurater funktioniert das System namens Connected eHorizon.

Bei der Innovation sammelt das Auto pro Minute eine Datenmenge von einem Gigabyte. Aus dieser riesigen Menge werden relevante Informationen in eine Server-Cloud gespeist - wenn die Radarsensoren etwa ein Hindernis auf der Fahrbahn erkennen, das ESP durch Glatteis ausgelöst wird oder das Navigationssystem meldet, dass das Auto in einem Stau hinter einer Kurve steht. Die jeweils folgenden Fahrer profitieren von diesen Informationen, sofern sie ebenfalls Connected eHorizon an Bord haben. Dann erscheint auf den Anzeigen beispielsweise ein Warnhinweis oder eine Geschwindigkeitsempfehlung.

In drei Jahren soll das System in Serie gebaut werden können und rein theoretisch für alle Fahrzeugklassen verfügbar sein. Und auf lange Sicht soll Connected eHorizon dafür sorgen, dass der Traum vom Automatisierten Fahren in Erfüllung geht und nicht mehr der Fahrer die Hinweise der anderen Verkehrsteilnehmer beherzigt, sondern das Auto selbst. So wie ein verlässlicher Freund.

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insgesamt 40 Beiträge
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wurmfortsatz 09.01.2014
1. optional
Tja, da hat wohl jemand anderer den Markt verschlafen. Ich mache das mit dem Handy. Das weiß nämlich auch sehr gut, wo es ist und kann so schonmal das Licht draußen an machen. Hätten die Telcos vielleicht auch mal dran denken können. Aber sei den Autobauern gegönnt, allzulange wird das mit den Autos eh nicht mehr gehen.
Ge-spiegelt 09.01.2014
2. Heizung von unterwegs steuern kann ich sc
Auto zu Auto könnte die Sicherheit steigern.
vantast64 09.01.2014
3. Hatte schon vor Jahren vorgeschlagen,
daß Autoliebhaber ihren Schatz ins Schlafzimmer mitnehmen sollten. Die warme Nähe wäre beruhigend, ein Stellplatz würde entfallen und ein Dieb hätte keine Chance.Auch der Weg ins Büro wäre kürzer, statt Treppen also Rampen.Die autogerechte Stadt wäre kein Traum mehr.
hpquaas 09.01.2014
4. Nsa
Die NSA freut sich. Drohnen werden überflüssig. Hackt man sich in das Auto und läßt die Bremsen versagen. Tod durch Unfall, praktisch.
Andalusier 09.01.2014
5. Nsa
Zitat von hpquaasDie NSA freut sich. Drohnen werden überflüssig. Hackt man sich in das Auto und läßt die Bremsen versagen. Tod durch Unfall, praktisch.
Mir kam spontan die Frage ob sich die NSA nicht so manche dieser Entwicklungen ausgedacht hat, damit sie noch mehr erfährt - und noch versteckter handeln kann. Das Auto könnte perfekt erfassen, ob (nur) der Besitzer drin ist und so der NSA ermöglichen noch viel gezielter, also ohne große sogenannte "Kollateralschäden" zu handeln. Obamas ideale Waffe, er wird davon begeistert sein, zumindest so lange er tut was der NSA gefällt.
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