Mercedes Vision GLK Freeside 's G-Klässle kommt

Offiziell ist das Auto noch eine Vision. Doch von der Wirklichkeit trennen den GLK Freeside nur noch ein paar andere Felgen, Farben und Ledersitze - und etwa sechs Monate Wartezeit. Im Sommer tritt der Enkel der G-Klasse gegen BMW X3, VW Tiguan und Audi Q5 an.


Kein anderer deutscher Hersteller hat so viele Geländewagen im Programm wie Mercedes: Mit ML, GL, R- und G-Klasse haben die Schwaben für jeden Besserverdiener mit großer Garage ein Auto im Angebot. Allerdings setzen die Experten in ihren Wachstumsprognosen für die sogenannten Sport Utility Vehicles (SUV) weniger auf Dickschiffen, als vielmehr auf kompakte Allradler. BMW räumt in dieser Klasse schon seit Jahren mit dem Modell X3 ab, VW folgt mit dem Tiguan. Mercedes sah bislang nur zu, doch das ändert sich bald. Denn nächste Woche auf der Autoshow in Detroit lüften die Schwaben den Schleier über ihrem fünften, diesmal kompaktem Geländewagen: dem GLK.

Technisch abgeleitet von den Allradmodellen der neuen C-Klasse und stilistisch nahe an den großen Modellen GL und der urtümlichen G-Klasse, tritt er zu geschätzten Preisen von 35.000 Euro aufwärts gegen X3, Tiguan und den ebenfalls für den Sommer angekündigten Audi Q5 an. "Der Vision GLK zeigt den Weg auf, wie unsere Modellstrategie im SUV-Segment eine logische Fortsetzung finden kann", sagt Vorstandschef Dieter Zetsche. Er weiß, wovon er spricht: Schließlich fällt in seine Zeit als Entwicklungschef in den achtziger Jahren auch das Debüt der G-Klasse, die gerne als Urvater der Allradler bezeichnet wird.

Schon das Typkürzel des Neuen macht deutlich, wes Geistes Kind der Wagen ist. "Wir wollten keine kleine M-Klasse und keinen weich gelutschten, rundlichen Stadtgeländewagen", sagt Mercedes-Sprecher Wolfgang Zanker. "Das Auto orientiert sich deshalb klar am G-Modell und ist kantiger, als viele erwartet haben", sagt Designer Achim Parnow.

Der Betrachter sieht den beinahe senkrecht im Wind stehenden Bug mit einem strengen Kühlergrill, die kaum geneigte Frontscheibe, das gerade Dach und die Steil abfallende Rückwand des 4,52 Meter langen Fünfsitzers. Dazu gibt es die sogenannte Charakterlinie, die steil die Flanke hinauf läuft und sich am hinteren Ende beinahe mit der Gürtellinie trifft, stark modellierte Radhäuser vorn und breite Hüften über der Hinterachse sowie eine stabile Schutzleiste, die sich um das gesamte Fahrzeug herumzieht. "Mit der G-Klasse haben wir eine Stilikone geschaffen, die seit knapp 30 Jahren als Urmeter gilt", behauptet Designchef Peter Pfeiffer.

Vierzylinder-Diesel mit Bluetec-Abgasreinigung

Starten wird der grundsätzlich mit Allradantrieb und dem elektronischen Traktionssystem 4ETS bestückte GLK wohl mit den stärkeren Motoren aus der C-Klasse, sodass ein Leistungsspektrum von 183 bis 272 PS und als Krönung der Achtzylinder-Motor von AMG denkbar sind. In Detroit hat der GLK jedoch zunächst einen neuen Diesel unter der Haube, für den erstmals ein Vierzylinder mit dem Bluetec-System ausgerüstet wurde.

Der 2,2-Liter-Selbstzünder leistet 170 PS und spritzt fein dosiert das Additiv AdBlue ins Abgas. Zusammen mit einem weiteren Katalysator werden so bis zu 80 Prozent der Stickoxide herausgefiltert. Damit schafft der kleine Kraxler nicht nur die Diesel-Grenzwerte für alle 50 US-Staaten, sondern auch die Euro-6-Norm, die ab September 2015 gelten wird.

Offiziell trägt der GLK noch den Namenszusatz Vision und die wenig schlüssige Zusatzbezeichnung Freeside. Doch wer die Stuttgarter Dramaturgie der vergangenen Jahre beobachtet hat, braucht kaum Phantasie: Werden der mattweiße Lack des Messemodells abgeschliffen, die dicken 20-Zoll-Felgen sowie die sterlingsilbernen Querstreben mit LED-Suchscheinwerfern abmontiert, das weiße Naturleder der Sitze gegen dunklen Durchschnittsstoff getauscht und die Vertäfelungen aus Cebrano-Hölzern im Zebra-Look ausgebaut - dann hätte man das spätere Serienmodell schon vor Augen.

Boom bei den kompakten Geländewagen

Für Marktforscher Henner Lehne vom Prognosespezialisten CSM kommt der GLK genau zur rechten Zeit. Denn "SUV werden auch weiterhin im Trend liegen", meint der Experte. "Allerdings entwickelt sich in Europa ein neues Segment mit kleineren, heimischen Geländewagen." Der gute Start des VW Tiguan in Deutschland, der auf Anhieb an die Spitze der Zulassungsstatistik fuhr und binnen zwei Monaten 2500-Mal verkauft wurde, unterstreiche diesen Trend, so Lehne.

Doch nicht alle Neueinsteiger können vom großen Run auf die kleinen Geländewagen profitieren: So kam Opel mit dem vollmundig angepriesenen Antara in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres in Deutschland auf lediglich 6652 Neuzulassungen und liegt damit exakt auf dem Niveau von Nischenanbietern wie Suzuki mit dem Grand Vitara. Und auch die Franzosen schlagen sich als Nachzügler eher schlecht als recht: Der Peugeot 4007 wurde von Juli bis November kaum 600- und der Citroën C-Crosser nur 621mal zugelassen. Der bisherige Segmentführer BMW X3 (mehr als 20.000 Zulassungen) schafft diese Werte in nicht einmal zwei Wochen. Der GLK hat deshalb vermutlich gute Chancen.

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