Autokrise Merkel hält Ende von Verbrennungsmotoren für richtig

Die Bundeskanzlerin spricht sich in einem Interview für eine Deadline für Benzin- und Dieselmotoren aus. Damit düpiert sie nicht nur ihren Verkehrsminister, sondern nimmt eine Forderung des politischen Gegners auf.
Angela Merkel in Dortmund

Angela Merkel in Dortmund

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine Deadline für Autos mit Verbrennungsmotoren grundsätzlich für richtig - legt sich aber nicht auf ein Jahr fest. "Ich kann jetzt noch keine präzise Jahreszahl nennen, aber der Ansatz ist richtig", sagte Merkel in einem Interview der Zeitschrift "Super Illu"  auf die Frage, ob es auch für Deutschland sinnvoll sei, wie andere Länder ein Auslaufdatum für Benzin- und Dieselmotoren festzulegen.

Damit Deutschland seine Klimaziele einhalten kann, muss auch der Verkehrssektor bis 2050 annähernd ohne CO2-Ausstoß auskommen. (Lesen Sie mehr über die Klimaziele Deutschlands in unserer Themenwoche "Umwelt")

Damit macht Merkel erstmals klar, dass sie keine Zukunft für Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotor sieht. Bisher hatte die Kanzlerin lediglich konstatiert, dass die Entwicklung in der Autobranche "weg vom Verbrennungsmotor" gehe.

Auch ihren Verkehrsminister dürfte die Äußerung wenig freuen. Im Vorfeld des umstrittenen Dieselgipfels Anfang August hatte Alexander Dobrindt (CSU) Forderungen nach einem konkreten Auslaufzeitpunkt für Verbrennungsmotoren zurückgewiesen. "Ich kann diese einfachen Botschaften nicht nachvollziehen", sagte er damals. Es könne nicht Sache der Politik sein, über die Technik der Zukunft zu entscheiden.

Kritik kommt von SPD-Kanzlerkandidat Schulz

Länder wie Frankreich und Großbritannien wollen den Verkauf mit Diesel- und Benzinmotoren bis 2040 stoppen. In Deutschland haben die Grünen bei ihrem Bundesparteitag Mitte Juni dafür gestimmt, den Verbrenner bis zum Jahr 2030 zu verabschieden.

Merkels Herausforderer bei der Bundestagswahl, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, kritisierte Merkels Aussage als Forderung nach einem "Dieselverbot". Andererseits lehne die Kanzlerin eine Quote für Elektroautos in der EU ab. "Frau Merkel hat für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie keinen Plan, das ist heute klar geworden", sagte er am Montag in Berlin.

Erst am Wochenende hatte Merkel bei einer Wahlkampfrede in Dortmund die Forderung von Schulz nach einer E-Mobilitätsquote als noch nicht "genau durchdacht" bezeichnet. Fahrverbote für Dieselautos erteilte sie bei ihrem Auftritt eine Absage.

mhu/dpa
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