Autokrise Merkel hält Ende von Verbrennungsmotoren für richtig 

Die Bundeskanzlerin spricht sich in einem Interview für eine Deadline für Benzin- und Dieselmotoren aus. Damit düpiert sie nicht nur ihren Verkehrsminister, sondern nimmt eine Forderung des politischen Gegners auf.

Angela Merkel in Dortmund
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Angela Merkel in Dortmund


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine Deadline für Autos mit Verbrennungsmotoren grundsätzlich für richtig - legt sich aber nicht auf ein Jahr fest. "Ich kann jetzt noch keine präzise Jahreszahl nennen, aber der Ansatz ist richtig", sagte Merkel in einem Interview der Zeitschrift "Super Illu" auf die Frage, ob es auch für Deutschland sinnvoll sei, wie andere Länder ein Auslaufdatum für Benzin- und Dieselmotoren festzulegen.

Damit Deutschland seine Klimaziele einhalten kann, muss auch der Verkehrssektor bis 2050 annähernd ohne CO2-Ausstoß auskommen. (Lesen Sie mehr über die Klimaziele Deutschlands in unserer Themenwoche "Umwelt")

Damit macht Merkel erstmals klar, dass sie keine Zukunft für Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotor sieht. Bisher hatte die Kanzlerin lediglich konstatiert, dass die Entwicklung in der Autobranche "weg vom Verbrennungsmotor" gehe.

Auch ihren Verkehrsminister dürfte die Äußerung wenig freuen. Im Vorfeld des umstrittenen Dieselgipfels Anfang August hatte Alexander Dobrindt (CSU) Forderungen nach einem konkreten Auslaufzeitpunkt für Verbrennungsmotoren zurückgewiesen. "Ich kann diese einfachen Botschaften nicht nachvollziehen", sagte er damals. Es könne nicht Sache der Politik sein, über die Technik der Zukunft zu entscheiden.

Kritik kommt von SPD-Kanzlerkandidat Schulz

Länder wie Frankreich und Großbritannien wollen den Verkauf mit Diesel- und Benzinmotoren bis 2040 stoppen. In Deutschland haben die Grünen bei ihrem Bundesparteitag Mitte Juni dafür gestimmt, den Verbrenner bis zum Jahr 2030 zu verabschieden.

Merkels Herausforderer bei der Bundestagswahl, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, kritisierte Merkels Aussage als Forderung nach einem "Dieselverbot". Andererseits lehne die Kanzlerin eine Quote für Elektroautos in der EU ab. "Frau Merkel hat für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie keinen Plan, das ist heute klar geworden", sagte er am Montag in Berlin.

Erst am Wochenende hatte Merkel bei einer Wahlkampfrede in Dortmund die Forderung von Schulz nach einer E-Mobilitätsquote als noch nicht "genau durchdacht" bezeichnet. Fahrverbote für Dieselautos erteilte sie bei ihrem Auftritt eine Absage.

mhu/dpa

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insgesamt 209 Beiträge
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Seite 1
rurik 14.08.2017
1. wie immer
Wie immer wartet Frau Merkel ab, tut so, als ob sie mit den Problemen gar nichts zu tun hätte, obwohl sie seinerzeit die größte Autolobbyistin in Brüssel war und schaut erst mal, woher der Wind weht. Dann, wenn klar ist, in welche Richtung sich alles entwickelt, gibt sie ein paar allgemeine Statements ab - und bald wird sie für ihr "überlegtes Management" von der Presse gefeiert. Eine Opportunistin reinsten Wassers. Keine Gestaltungskraft, kein Ziel, nur Machterhalt. Wozu brauchen wir eigentlich so eine Regierung?
mc_os 14.08.2017
2. Widerlich
Erst einmal abwarten wie die Stimmung ist - dann eine 180Grad-Wendung. Nennt man Menschen mit diesem Verhalten nun Opportunist, oder eben doch einfach Wendehals? A.D. Merkel meistert damit ihr ges. politisches Leben.
opinio... 14.08.2017
3. Dobrindt und die Maut
Eingestampft? Maut ohne Merkel? Also wie versprochen? Sobald ein Energiespeicher verfügbar ist, der dem Tank des Verprenners paroli bietet, ist dieses komplexe Gebilde Verbrennunsmotor tot!
maxgil 14.08.2017
4. ManOMan
was soll das jetzt? Ähnliche Reaktion wie nach Fukushima? War 'ne Schnapsidee, die Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz zu nehmen, reiner Populismus. Und jetzt wieder? Die heutigen Elektrokarren sind Schrott, kann man vielleicht nutzen, wenn man nur Kurzstrecke unterwegs ist (da ist doch dann ein e-Fahrrad oder Moped sinnvoller) aber sonst? Nur mal so als Beispiel: warum sind die Lokhersteller nicht auf die Idee gekommen, die Züge mit Akkus auszustatten statt mit Hochleitungen? Eben! Ein ICE mit Akku, zum Schreien!
awes 14.08.2017
5. Verführerisch
... wegen dieses statements Frau Merkel zu wählen. Mach ich aber nicht, weil ich davon überzeugt bin, dass sie einknickt und allenfalls eine bis zum Jahr 2040 Grenze mit 10 Jahren Übergangsfrist für die Verbrenner rausspringen wird. Eindeutig zu spät.
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