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Messerundgang Genf: Eine Ausstellung unter Strom

Foto: Jürgen Pander

Messerundgang in Genf Elektrisch in die Zukunft

Der Autosalon in Genf gilt in der Branche als Ausblick auf künftige Trends und Fahrzeugtypen. In diesem Jahr ist die Botschaft der Pkw-Messe eindeutig: Die Elektrifizierung des Antriebs, von der in den vergangenen Jahren nur gesprochen wurde, ist nun serienreif.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn mag die ganz großen Ansagen. "VW ist der Autobauer, der Hybridfahrzeuge aus der Nische holt und das Elektroauto für alle in Großserie bringen wird", behauptet er - andere wollen da nicht hinten anstehen. "Mercedes ist der Hersteller mit der größten Elektroauto-Kompetenz", sagt Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Und auch der oberste BMW-Lenker Norbert Reithofer stimmt ins Hohelied des Spritsparens ein: "Kein anderer Premiumhersteller ist so schadstoffarm wir die Bayerischen Motorenwerke."

Auf dem Autosalon in Genf (4. bis 14. März) hat der Wettbewerb um die zukunftsfähigste Modellpalette eine neue Stufe erreicht. Denn viele Typen mit elektrifiziertem Antrieb sind keine fernen Konzepte mehr, sondern konkrete Modelle, die schon bald in den Autohäusern stehen sollen.

Bei Mercedes etwa rollte der E 300 Bluetec Hybrid mit Lithium-Ionen-Batterie auf die Bühne, ein E-Klasse-Limousine mit einem Vierzylinder-Dieselmotor, der von einer 20 PS starken Elektromaschine unterstützt wird und das Auto einige Kilometer weit allein bewegen kann. Im nächsten Jahr soll der Wagen auf den Markt kommen. Die Testfahrt von Stuttgart nach Genf zum Autosalon absolvierte der Prototyp angeblich ohne Macken.

VW will ab 2013 drei Elektroautos in Europa anbieten

Die gleiche Idee hatte auch Opel: Aus Rüsselsheim rollte das Elektroauto Ampera in die Messehallen nach Genf. "550 Kilometer ohne Zwischenfall, die Technik ist reif", sagt der neue Opel-Chef Nick Reilly, der auf dem letzten Teilstück selbst zum Lenkrad griff. Bei VW standen zwar klassisch angetriebene Modelle wie der neue Familienvan Sharan, der Polo GTI oder der Cross-Golf im Mittelpunkt. Doch VW-Chef Winterkorn gab bekannt, dass 2011 eine Testflotte von 500 Elektro-Golf ausschwärmen soll. 2012 könnte der Jetta mit Hybridantrieb in den USA debütieren, ab 2013 dann folgen hierzulande die Hybridvarianten von Golf und Passat sowie die Elektromobile E-Up, E-Golf und E-Jetta in Serie.

Auch bei Audi beginnt demnächst das Hybridzeitalter. Der Q5 mit zusätzlichem Elektromotor soll Ende 2011 auf den Markt kommen, im Jahr darauf die hybridisierte Oberklasselimousine A8 - und später dann eine Version des Elektrosportwagens E-tron, der in Genf in der bislang kompaktesten Variante A1 E-tron enthüllt wurde - ein E-Auto mit Wankelmotor Unterstützung. BMW bringt bereits im April den 7er und den X6 mit dieser Motortechnik. Frühestens Ende nächsten Jahres dürfte dann der 5er mit Hybridantrieb folgen; das Konzeptauto wird in Genf zwar als Weltpremiere gefeiert - mit Reihensechszylinder-Benziner (305 PS) und Elektromotor (55 PS) sowie Achtgang-Getriebe - doch Konkretes zu Verbrauchswerten oder gar Serienreife wird noch verschwiegen.

Grüner Ferrari

Ganz klar, Hybrid ist das große Ding in den Palexpo-Hallen in Genf. Ferrari zeigt einen grün lackierten 599 GTB mit der aus der Formel 1 bekannten KERS-Technik; Lotus stellt den Evora mit Hybridantrieb vor, Porsche den Übersportwagen 918 Spyder und den Rennwagen GT3 R, Hyundai die Studie i-flow, Peugeot die Studien 5 by Peugeot und SR1 und der Toyota-Konzern den Auris Hybrid sowie das nagelneue Lexus-Kompaktmodell CT 200h - allesamt mit Hybridantrieb.

"Hybrid, Elektro, Batterien - ich kann es nicht mehr hören", wird immer wieder im Publikum getuschelt, wenn der x-te Hersteller die elektrische Zukunft beschwört. Einige sind offenbar überrascht, dass die Elektroblase diesmal nicht platzt - wie schon einige Male zuvor. Tatsächlich scheinen die Hersteller Ernst zu machen, und Hybrid ist ja erst der Anfang, wie die Vielzahl der Elektroautos zeigt, die ebenfalls in Genf zu den Hauptdarstellern zählen. Etwa die Seat-Studie IBe, der Kleinwagen Mia oder der Opel Flextreme GT/E, die nächste Ausbaustufe des Ampera, die in Genf enthüllt wurde.

Großspurige Autos sind auf dem Rückzug

Es gibt natürlich auch ein Reihe konventionell angetriebener Neuheiten, die man nicht ganz vergessen sollte, denn sie werden in den kommenden Monaten für die Hersteller extrem wichtig, um einigermaßen durch die Krise zu kommen. Dazu gehören zum Beispiel neben Sharan und Cross-Golf, der Mini Countryman, der Opel Meriva, der Alfa Romeo Giulietta, der Volvo S60, der Renault Wind, der Nissan Juke oder der Audi A1.

Was auffällt, ist, dass offenbar die Vernunft Einzug gehalten hat in die Entwicklungsabteilungen. Großspurige Autos mit starken Motoren sind offenkundig auf dem Rückzug, stattdessen entfaltet sich ein immer breiteres Angebot kleinerer Modelle. Der sogenannte Downsizing-Trend hält an - sowohl bei den Motoren als auch bei den Karosserien.

Die Aussichten, diese Autos auch verkaufen zu können, werden durchweg hoffnungsvoll beurteilt. Winterkorn, Zetsche und auch Reithofer benutzten in ihren Reden identische Formulierungen. Die deutschen Autobosse sagten unisono, was die Absatzzahlen des Jahres 2010 betreffe, sei man zwar keineswegs euphorisch, aber "vorsichtig optimistisch".

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