Messerundgang in New York Japanische Seifenkisten, amerikanische Muskelprotze

Auf der New Yorker Auto Show fahren die US-Hersteller durstige Trucks und Muscle Cars auf - Kleines und Pfiffiges kommt hingegen aus Japan und Europa. Bürgermeister Michael Bloomberg brüskierte die versammelte Branche und kündigte kurz vor Showbeginn eine City-Maut an.

Aus New York berichtet


Pünktlich zum Start der New York International Auto Show veröffentlicht Amerikas größte Zeitung "USA Today" ein bizarres Pkw-Ranking, in dem weder Benzinverbrauch noch Sicherheit eine Rolle spielen. Stattdessen geht es um die Frage: Wo bekomme ich für mein Geld den meisten Rumms? Das Blatt hat errechnen lassen, bei welcher Marke man für seine Dollar die meisten PS bekommt. Sieger ist der Dodge Caliber SRT4 (80,75 Dollar je PS), gefolgt vom Pontiac G8 GT (82,86 Dolar) und dem Ford Shelby GT500 (85,35 Dollar).

Tatsächlich geht es bei der Show im Javits Convention Center bei den großen US-Herstellern vor allem um Muscle Cars und Trucks. Als wäre der Benzinpreis nicht rasant gestiegen, konzentrierte sich etwa Chryslers Co-Präsident Jim Press bei seiner Präsentation auf drei Ausführungen des Dodge Challenger. Der dokumentiere, "dass der amerikanische Traum lebendig ist". Die SRT-Version hat einen V8-Motor mit 6,1 Litern Hubraum um 425 PS.

Auch viele ausländische Anbieter setzen bei ihren neuen US-Modellen weiterhin vor allem auf Leistung. Zum Beispiel Nissan: Das Unternehmen stellte den neuen Maxima vor. Der habe, versicherte der Hersteller, zwar keinen besseren Verbrauchswert als das Vorgängermodell, leiste aber 33 PS mehr.

Kleinwagen sind in den USA im Kommen

Dabei gehen Marktbeobachter davon aus, dass viele Amerikaner in Zukunft den V8-Aggregaten entsagen und sich stattdessen für kleinere Autos entscheiden werden. "Dieser Trend ist in den USA nicht mehr aufzuhalten", schreibt etwa Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Gelsenkirchener Center of Automotive Research in einer aktuellen Studie.

Die Entwicklung wird vor allem vom massiv gestiegenen Ölpreis und dem gleichzeitig schwächelnden Dollar befördert: Die Gallone Super kostet derzeit knapp 3,60 Dollar. Im Januar 2007 lag der Preis bei 2,50 Dollar. Das ist eine Erhöhung um 44 Prozent in 15 Monaten. Dudenhöffer rechnet wie auch der Marktforscher J .D. Power damit, dass der Autoabsatz deshalb in den USA erstmals seit 1994 wieder unter 15 Millionen Stück sinkt.

Auf einen Kleinwagen-Boom hofft etwa die Mercedes-Tochter Smart, die ihren Kleinstwagen auch in New York ausstellt. Der Zweisitzer soll vor allem im grünen Kalifornien und in verstopften Innenstädten wie Manhattan reüssieren. Auch die meisten anderen vorgestellten Kleinwagen kommen aus dem Ausland. Honda enthüllte am Mittwoch den neuen Fit, ein 1,5-Liter-Vierzylinder.

Kastenform statt Aerodynamik

Das vielleicht interessanteste Design präsentierte die Toyota-Tochter Scion. Die für ihre kastenförmigen Lifestyle-Wägelchen wie den xB bekannte Trendmarke stellte den Hako Concept vor -einen Viersitzer, bei dem sich die japanischen Designer von alten US-Autos haben inspirieren lassen.

Auffälligstes Feature: Frontscheibe und Kühlerhaube des Konzeptfahrzeugs stehen im rechten Winkel zueinander. An den Flanken des Hako (japanisch für Kiste) sind Fischaugenkameras angebracht, die Aufnahmen der Umgebung machen. Diese Bilder soll der Besitzer später ins Internet speisen können. "Vielleicht sagen Sie jetzt: 'Mein Gott, ist der hässlich', aber das ist gut", erklärte Scion-Chef Jack Hollis. "Wir wollen etwas, das polarisiert."

Während in den Messehallen am Hudson River die Novitäten enthüllt wurden, bekamen New Yorker Autofans von ihrem Bürgermeister parallel schlechte Nachrichten serviert. Als erste Stadt der USA wird die Metropole nach dem Willen Michael Bloombergs trotz öffentlichen Protestes eine City-Maut einführen. Wer künftig nach Manhattan möchte, muss dann acht Dollar zahlen.

Da mutet der für die offizielle Eröffnung geplanter Event fast wie eine Trotzreaktion der Veranstalter an: Etliche Rennwagen der Gran-Am-Serie werden am Samstag erwartet. Dann werden die Sportflitzer sich auf der 11th Avenue ein Beschleunigungsrennen liefern - Maut hin oder her.



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