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20. September 2013, 14:13 Uhr

Tankkontrolle bei Mietwagen-Rückgabe

Jeder Tropfen zählt

Bisher nehmen es Autoverleiher mit der Kontrolle des Benzinstands nicht so genau. Ob man 15 oder 40 Kilometer vor der Rückgabe getankt hat, prüft keiner, solange die Tanknadel auf "voll" steht. Doch genau das scheint sich jetzt zu ändern.

Die US-Zeitung "Washington Post" berichtete jüngst über den Fall einer Mietwagennutzerin, die kurz nach der Rückgabe ihres vollgetankten Leihwagens eine Benzinrechnung für 0,8 Gallonen (umgerechnet 3 Liter) Sprit erhielt. Auf Nachfrage teilte der Autoverleiher Avis der Kundin mit, sie habe das Auto mit 16,9 Gallonen im Tank erhalten und mit 16,1 Gallonen zurückgegeben - deshalb müsse sie für die Differenz aufkommen.

Im Prinzip ist dagegen nichts einzuwenden. Allerdings ist nun eine Diskussion darüber entbrannt, ob es tatsächlich zu mehr Genauigkeit bei der Abrechnung führt, wenn Autovermieter neue, elektronische Messmethoden des Tankfüllstands einführen. In den USA sind bei den großen Verleihern Avis und Hertz solche Systeme bereits im Einsatz.

"Ein Pilotprojekt", heißt es dazu bei Avis, das zu mehr "Transparenz und Präzision" führen solle. Und Mark Frissora, der Geschäftsführer von Hertz, wird von der "Washington Post" mit den Worten zitiert, sein Unternehmen verliere jedes Jahr 50 Millionen Dollar an Spritkosten, weil Mietwagen mit weniger Benzin im Tank zurückgebracht würden als bei Beginn der Ausleihe.

Wer zahlt hier eigentlich drauf?

In Deutschland ist das ultragenaue "electronic fuel metering" bei Mietwagenfirmen noch nicht angekommen - aber sehr wohl in Arbeit. Hier gilt nach wie vor die Tankanzeige des Autos als Maßstab, was zwangsläufig zu einer gewissen Ungenauigkeit führt, die je nach Tankfüllstand bei der Ausleihe zum Vor- oder Nachteil für den Kunden oder die Verleihfirma werden kann.

Tobias Ruoff von der Hertz Autovermietung in Deutschland sagt daher: "Der Einsatz einer neuen Messmethode ist in Planung." Bei Avis heißt es, der Einsatz eines solchen Systems sei "derzeit nicht absehbar", und Europcar-Sprecher Christian Imhof erklärt, man "analysiere regelmäßig neue Messmethoden".

Ob die hiesigen Mietwagenfirmen von der aktuellen Messmethode eher profitieren oder ob sie dabei draufzahlen, darüber mochte keines der befragten Unternehmen Auskunft geben. Möglicherweise schwappt in den Tank der zurückgegebenen Mietwagen ja in den meisten Fällen etwas mehr Benzin als beim Beginn der Ausleihe. Dann wäre ein neues, genaueres Messsystem ein Segen für die Kunden - sofern die Verleiher ihnen jeden Tropfen Zusatzsprit im Tank wirklich erstatten würden.

jüp

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