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27. November 2015, 17:56 Uhr

Millionenprojekt RS1 im Ruhrgebiet

Die Autobahn für Radfahrer

Schluss mit Stau: Ein 100 Kilometer langer und 180 Millionen Euro teurer Radweg soll den Ruhrpott vor dem Verkehrskollaps bewahren. Ein Teil der Strecke ist ab sofort befahrbar.

Dieser Radweg soll das Ruhrgebiet retten: In Mülheim an der Ruhr ist am Freitag das Teilstück einer geplanten Fahrradschnellverbindung quer durch den Pott eröffnet worden. Es ist das erste Verkehrsprojekt dieser Art in einem deutschen Ballungsgebiet - und soll vor allem dafür sorgen, dass auf den Straßen künftig weniger Autos unterwegs sind.

Der rund fünf Kilometer lange Abschnitt wurde auf einer stillgelegten Güterbahntrasse errichtet und gilt als Prototyp für den künftigen Radschnellweg Ruhr, den die Planer als RS1 bezeichnen. Diese gut 100 Kilometer lange Schnellverbindung für Radfahrer soll in einigen Jahren von Hamm in Westfalen bis nach Duisburg am Rhein führen und zehn Stadtzentren sowie vier Universitäten verbinden.

Der nun eröffnete Teil verbindet den Mülheimer Hauptbahnhof mit der Stadtgrenze von Essen. Er besteht aus einem vier Meter breiten, asphaltierten Radweg und einem durch einen Schotterstreifen abgetrennten Fußweg von zwei Metern Breite. Schätzungen zufolge könnte der Rad-Highway dazu führen, dass pro Tag 50.000 Autos weniger die Straßen der staugeplagten Ruhr-Region belasten.

Die Kosten für den RS1 werden auf knapp 184 Millionen Euro beziffert. Allein im unmittelbaren Einzugsbereich der geplanten Trasse leben laut dem Regionalverband Ruhr (RVR) rund 1,8 Millionen Menschen.

Investitionen in eine gute Infrastruktur für Radfahrer werden in vielen Ballungsgebieten immer wichtiger. Das Straßennetz kann den Pendlerverkehr längst nicht mehr auffangen - als Folge bewegen sich jeden Tag Hunderttausende Menschen in ihren Autos im Schneckentempo morgens zur Arbeit und abends wieder zurück.

Laut jüngsten Erhebungen des Statistischen Bundesamts setzen sich knapp neun Prozent oder gut 2,8 Millionen Pendler zwischen Wohnung und Arbeitsplatz aufs Rad. Dank Radschnellwegen wie dem RS1 könnte diese Zahl in Zukunft steigen.

Nicht für Touristen, sondern für Pendler

Die Rad-Highways breiten sich zunehmend in Europa aus. Die Wege sind vom übrigen Verkehr getrennt, Radfahrer haben Vorfahrt. Vorreiter waren die fahrradbegeisterten Niederländer. Schon in den Achtzigerjahren bauten die Nachbarn der Deutschen Radschnellwege, um stauanfällige Straßennetze zu entlasten. Heute gibt es dort mehr als zwei Dutzend "Snelfietsroutes". Das Konzept ermöglicht es vor allem Pendlern, Entfernungen bis 15 Kilometer schnell und sicher mit dem Zweirad zurückzulegen.

Darum geht es auch beim Projekt RS1: Anders als bei den meisten Radwegen sollen keine Radtouristen angelockt werden, sondern vor allem Bewohner aus der Region den Schnellweg nutzen. Die Planung sieht vor, dass der RS1 gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist. Außerdem soll die Strecke beleuchtet und im Winter geräumt werden.

Radschnellwege werden auch in anderen deutschen Städten diskutiert, etwa in Berlin. Eine Trasse könnte über zehn Kilometer entlang der S-Bahn-Strecke vom Potsdamer Platz in Richtung Wannsee zum Stadtrand führen. Der Senat lässt jedoch noch prüfen, ob die Fläche nicht anders besser genutzt werden könnte.

Zuletzt erregte auch ein Vorschlag für einen bis zu neun Kilometer langen Schnellweg vom Bahnhof Zoo nach Friedrichshain Aufsehen, der teils unter einem U-Bahn-Viadukt verlaufen könnte - als erster überdachter Radweg Deutschlands. Der Senat ist jedoch skeptisch.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist noch viel zu tun, bis Pendler tatsächlich von Duisburg nach Hamm quer durchs Ruhrgebiet radeln können. Unter anderem ist noch zu klären, wer die Kosten für den Ausbau der weiteren Kilometer übernimmt.

cst/dpa/AFP

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