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08. Oktober 2014, 15:49 Uhr

Erhöhung bis zu 60 Prozent

Mindestlohn treibt Taxipreise nach oben

Mit der Einführung des Mindestlohns steigen auch die Preise für Taxifahrten empfindlich. Doch nicht nur der Kunde könnte Leidtragender sein - auch die Fahrer selbst.

Taxifahren in Deutschland soll spürbar teurer werden. In einigen Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, könnte die Preissteigerung sogar 50 bis 60 Prozent betragen. "Im Bundesdurchschnitt müssen wir Tariferhöhungen von 25 Prozent beantragen", sagte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes (BZP), Michael Müller. Er begründet den heftigen Anstieg für die Passagierbeförderung mit dem Mindestlohn. Genehmigt werden müssen Tariferhöhungen von den jeweils zuständigen Städten beziehungsweise Landkreisen.

Ab dem 1. Januar 2015 gilt für die bundesweit 200.000 bis 220.000 angestellten Taxifahrer der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Derzeit beträgt der Durchschnittslohn der Fahrer nach Angaben des Verbandes zwischen 6,00 Euro und 6,50 Euro.

Einer Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" zufolge haben Verbände der Taxiunternehmen schon in Hunderten Städten und Landkreisen Tariferhöhungen von bis zu 30 Prozent beantragt. Einige Kommunen haben bereits Erhöhungen beschlossen: In Hamburg beispielsweise müssen Taxi-Kunden seit 1. Oktober durchschnittlich 1,40 Euro pro Fahrt mehr zahlen, ein Plus von knapp acht Prozent.

Taxigewerbe befürchtet keine Abwanderungen zu Uber

Im Landkreis Schwäbisch Hall sollen dem "SZ"-Bericht zufolge die Tarife von November an um durchschnittlich elf Prozent angehoben werden. In Dresden habe der Stadtrat Tariferhöhungen beschlossen, die Mitte Dezember in Kraft treten sollen: Dort sollen die Preise pro gefahrenem Kilometer je nach Zeitpunkt und Länge der Fahrt dann um 20 bis 30 Cent steigen.

In Hannover und Duisburg wollen die Unternehmer demnach durchschnittlich 25 Prozent mehr. In Stuttgart sollen es 20 Prozent sein, in Bremen 15 und in Delmenhorst 30 Prozent. Den Verlust von Kunden - etwa an Konkurrenten wie das US-Unternehmen Uber, das über einen Smartphone-Dienst Fahrgäste an private Fahrer vermittelt - befürchtet das Taxigewerbe wegen höherer Fahrpreise zunächst nicht. "Bisher haben Tarifanhebungen nie zu einer Abwanderung von Kunden geführt", sagte Verbandspräsident Müller. "Das waren aber auch nur Erhöhungen von zwei bis drei Prozent. Was bei 25 Prozent passiert, kann niemand abschätzen."

Bis zu 70.000 Taxifahrer könnten ihren Job verlieren

Der Verband befürchtet allerdings weiterhin, dass zum Jahreswechsel 50.000 bis 70.000 Taxifahrer ihren Job verlieren könnten, weil Unternehmen die erhöhten Lohnkosten nicht tragen können. Nach Verbandsangaben gibt es in Deutschland 28.000 Taxiunternehmen mit 58.000 Fahrzeugen. In Hannover hatte ein Taxiunternehmen seinen 65 Fahrern nach Bekanntwerden des Mindestlohns vorsorglich gekündigt. Der Fall wird im November vor dem Arbeitsgericht verhandelt.

mhu/dpa

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