Mini-Coupé-Studie Neubau mit Flachdach
Gert Hildebrand ist ein Familienmensch. Der Designchef von Mini hat nicht nur selbst zwei Kinder, sondern beschäftigt sich auch bei der Arbeit mit dem Nachwuchs. Dreitürer, Cabrio und den Fünftürer Clubman gibt es bei Mini schon, und im kommenden Jahr soll das Allradmodell mit dem Arbeitstitel Crossover die Mini-Truppe zum Quartett ausbauen. Es gibt aber noch mehr Ideen. Jetzt, zum 50. Geburtstag des britischen Klassikers, enthüllte Hildebrand daher eine weitere Studie, die der Öffentlichkeit auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt (17. bis 27. September) gezeigt wird. Es ist ein flacher Zweitürer mit Namen "Mini Coupé Concept".
"Wir wollen ausloten, wie weit man die Mini-Familie ausbauen kann, welche Modelle noch zur Marke passen würden", erläutert Hildebrand. In den vergangenen Wochen hatten sich die Spekulationen um einen Roadster verdichtet, doch das wäre Hildebrand zu einfach gewesen. "Dieses Auto hatte schon jeder im Kopf: Dach weg, Scheibe anschrägen, und fertig. Das wäre nun wirklich keine große Herausforderung gewesen." Beim Coupé dagegen hätten die Designer lange an der Silhouette feilen müssen. Schließlich sollte der Mini kein Steilheck erhalten wie der VW Scirocco oder ein bogenförmiges Kuppeldach ein Audi TT.
Stattdessen hatte Hildebrand das Bild einer verkehrt herum aufgesetzten Baseball-Kappe im Kopf. "Das war unser Vorbild für das Dach", sagt er und zeigt auf die schräg gestellte Heckscheibe, das um sechs Zentimeter abgesenkte Dach und den kleinen Spoiler, der den Mini im Nacken sitzt wie der Mützenschirm den coolen Jungs auf dem Schulhof. Unter der Gürtellinie allerdings ist der neue Mini ganz der alte. "Bis zur Untrekante der Fenster wurde nichts geändert."
Die Farbgebung des Showcars kommt übrigens nicht von ungefähr. Das helle Blau soll an die Overalls der britischen Rennfahrer aus den fünfziger Jahren erinnern, und das goldene Dach an die Farbe des Helms, mit dem John Brabham ebenfalls vor exakt 50 Jahren mit einem Cooper-Rennwagen die Formel-1-Weltmeisterschaft gewann. Die Colorierung ist für Hildebrand jedoch der einzige Rückgriff in die Vergangenheit. Denn den Begriff "Retro" lässt er für den Mini nicht gelten. "Wir holen jetzt peu à peu die Entwicklung nach, die Mini die ersten 40 Jahre lang ausgelassen hat", sagt er. "Schließlich wäre Mini nach normalen Maßstäben jetzt bei der sechsten oder siebten, statt der dritten Modellgeneration."
So ungewöhnlich das Design erscheint, so einfach war die Umsetzung. Keine vier Monate haben die Modellbauer in München gebraucht, und der erste Pinselstrich ist nicht einmal ein Jahr alt. Auf realitätsferne Sperenzchen wie bei der vor Jahresfrist auf dem Autosalon in Paris enthüllten Corssover-Studie wurde diesmal verzichtet. "Wir wollten möglichst viele Teile des Basismodells verwenden und zeigen, wie leicht man den Mini verwandeln kann. Auch das macht den Charme des Konzeptes aus", sagt Hildebrand.
Unterm Blech steckt der bekannte 211-PS-Motor
Entsprechend wenig überraschend ist das Interieur. Das Sitzleder hat eine ausgefallene Prägung, die Kunststoffkonsolen sind anders gemasert. "Doch im Prinzip sind das alles Serienteile", räumt der Chefdesigner ein. Neues erblickt man lediglich beim Blick hinter die Sitze: Dort gibt es statt der Rückbank nur noch eine Abdeckung, unter die bis zu 250 Liter Gepäck passen. Und dank der großen, bis ins Dach reichenden Heckklappe könnte man sogar einen Kühlschrank einladen.
Während Hildebrand und sein Team im Interieur zumindest noch ein paar neue Stoffe und Farben ausprobierten, gibt es unter der Haube keinerlei Neuerungen mehr. Wie beim Modell John Cooper Works steckt dort ein 1,6 Liter großer Turbomotor mit 211 PS. "Allerdings dürfte das Coupé mit dieser Maschine noch spritziger und gleichzeitig sparsamer sein", sagt Hildebrand, "denn ist es rund 100 Kilogramm leichter und hat einen geringeren Luftwiderstand."
Ob das Coupé gebaut wird, ist angeblich noch nicht entschieden
Offiziell gibt es zur Zukunft des Coupés noch keinen Kommentar. "Wir wollen erst einmal das Feedback der Messegäste abwarten", gibt sich Hildebrand diplomatisch. Doch die große Nähe zur Serie kann ist offensichtlich. Und das bedeutet, wie Hildebrand sagt, dass "das Auto in kürzester Zeit umsetzbar" wäre.
Und nicht nur dieses Modell. Auf der IAA, so ist zu hören, wird neben der Mini-Coupé-Studie nämlich wohl doch auch ein Roadster-Prototyp stehen. Beide Fahrzeuge, intern Oxford-Twins genannt, sollen das Publikum auf potenziellen Familienzuwachs im Hause Mini einstellen. Und es gibt schon weitere Ideen.
Als Anregung dient Hildebrand ein dickes Buch, das alle skurrilen Versionen und Einzelstücke der nun 50jährigen Mini-Geschichte zusammenfasst: Geländewagen, Strandfahrzeuge, Limousinen, Cabrios, Kombis, Pickups und Lieferwagen. "Alles schon mal da gewesen", sagt Hildebrand. "Die Geschichte des Mini ist so vielfältig, dass uns die Varianten wohl nicht ausgehen."