Mini-Erfolg Das Maximum rausholen

Als das Auto vor gut einem Jahr auf den Markt kam, überwog die Skepsis. Wird der neue, unter der Regie von BMW gefertigte Mini mehr als ein vorübergehendes Mode-Modell? Die Antwort heute: Ja. Die Münchner erhöhten jetzt bereits zum dritten Mal die Absatzprognose.


BMW-Erfolgsmodelle: Mini Cooper, Mini One, Mini Cooper S (v.l.n.r.)

BMW-Erfolgsmodelle: Mini Cooper, Mini One, Mini Cooper S (v.l.n.r.)

"Wir haben uns vorgenommen, mehr als 140.000 Fahrzeuge auszuliefern", kündigte BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal jetzt für das laufende Jahr an. Die neue Mini-Fabrik in Oxford, in die BMW 367 Millionen Euro investierte, war ursprünglich für eine Kapazität von 100.000 Autos pro Jahr ausgelegt worden. Im März dieses Jahres wurde diese Ziffer auf 120.000 Einheiten pro Jahr nach oben korrigiert. Ganal: "Und vor einigen Wochen haben wir die Produktion durch Einführung einer weiteren Schicht am Freitagabend abermals erhöht."

Mini Cooper S: Ab nächstem Jahr auch Diesel- und Cabrio-Minis

Mini Cooper S: Ab nächstem Jahr auch Diesel- und Cabrio-Minis

Die Münchner sind optimistisch, dass dieser Aufwärtstrend anhält. Denn im kommenden Jahr wird es den Mini auch mit Dieselmotor geben - das Aggregat wird von Toyota zugekauft - und außerdem sollen weitere Mini-Modelle wie etwa ein Cabriolet oder eine Kombi- oder Pick-up-Variante aufgelegt werden. Nach BMW-Ansicht spricht auch die allgemeine Marktentwicklung für den Mini. Der Wagen sei in der Kleinwagenklasse angesiedelt, der in den nächsten zehn bis zwölf Jahren ein weltweites Wachstum von 48 Prozent vorausgesagt wird, erklärte Ganal. Zudem wachse der "Markt für Premiumprodukte" deutlich schneller als der Gesamtmarkt.

Der Vertriebschef hält die Positionierung des Autos für gelungen: "Dass Premium keine Frage der Fahrzeuggröße ist, haben wir mit dem Mini gezeigt. Mit dem Auto haben wir nicht nur das Segment der Premium-Kleinwagen kreiert und als Erste besetzt, sondern auch den ersten globalen Kleinwagen geschaffen." Der Wagen wird von rund 1400 Händlern in 60 Ländern verkauft. Größte Märkte sind Großbritannien (27.000 Einheiten) vor Deutschland (17.000) und den USA (16.000). Vor allem in den USA, wo der Mini nach 1967 nicht mehr verkauft wurde, ist selbst BMW über den Erfolg seines Kleinwagens überrascht, zumal das Auto in den USA derzeit als kleinster Pkw überhaupt angeboten wird.

Mini One: Der erste globale Kleinwagen

Mini One: Der erste globale Kleinwagen

Neben den Verkaufszahlen des Autos hob Ganal vor allem den Aufbau der Marke Mini als Lifestyle-Marke hervor. Es gebe neben dem eigentlichen Produkt längst ein breites Zusatzangebot vom Kuscheltier bis zur Digicam, mit dem eine "authentische, kraftvolle Markenwelt" geschaffen werde. Jüngstes Beispiel der ungewöhnlichen Kundenansprache ist die Aktion "Mission Mini", die Anfang November in Barcelona ihren Abschluss findet. Die schottische Autorin Val McDermid schrieb im Auftrag von Mini einen Kriminalroman über einen Kunstdiebstahl - allerdings ohne Schlusskapitel. Denn das soll in der Realität stattfinden. 21 Agententeams aus 21 Ländern, es handelt sich um jeweils vier per nationaler Vorausscheidung ermittelte "Detektiv-Talente", sollen am fiktiven Tatort in Barcelona binnen 36 Stunden den Fall lösen. Motorisiert sind sie - logisch - mit einem Mini. Der Preis für das Siegerteam jedoch wird kein Auto sein. Die Marketing-Inszenierung soll nicht am Ende doch noch zu einer plumpen Werbeaktion werden.



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