Alternative zu Elektroautos Unionsfraktion legt Rettungsplan für den Verbrennungsmotor vor

Die Union im Bundestag will Diesel- und Benzinmotoren erhalten. Damit die Antriebe eine Zukunft haben, sollen die Kraftstoffe künftig anders produziert werden.

DPA

Kurz vor dem Autogipfel im Kanzleramt meldet sich die Unionsfraktion zu Wort - mit einem Vorschlag zur Rettung des Verbrennungsmotors. CDU und CSU im Bundestag wollen dazu die Produktion klimafreundlicher Treibstoffe fördern und nicht ausschließlich Elektroautos. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das dem SPIEGEL vorliegt. Solche synthetischen Kraftstoffe - auch E-Fuels genannt - werden meist aus erneuerbaren Energien, Wasserstoff und Kohlendioxid erzeugt.

"Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, brauchen wir auch Wasserstoff und regenerative Kraftstoffe", sagte der Initiator des Papiers, Christoph Ploß. E-Fuels könnten dem Papier zufolge "gängigen Benzin- und Dieselkraftstoffen sowie Kerosin beigemischt werden" und auch Fahrzeuge unabhängig von fossilen Brennstoffen machen, für die der batteriebetriebene Elektroantrieb "keine Alternative bietet". Dadurch bliebe auch der "momentane Technologievorsprung deutscher Automobilhersteller" erhalten.

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CDU-Plan: Diese Maßnahmen sollen die Zukunft des Verbrennungsmotors sichern

Dahinter dürfte auch die Furcht vor dem Verlust Tausender Arbeitsplätze in Deutschland stehen, die am Verbrennungsmotor hängen. In dieser Technik sind deutsche Hersteller führend, in Elektroautos würde sie nicht oder kaum noch benötigt. Zuletzt haben mehrere Länder angekündigt, die Neuzulassung von Benzin- und Dieselautos von 2030 an zu verbieten, darunter Irland. Großbritannien und Frankreich wollen 2040 folgen.

Keine konkreten Forderungen für Pkw-Segment

Die Unionsfraktion will dagegen den E-Fuels, aber auch der Produktion von Wasserstoff mit mehreren Maßnahmen zum Durchbruch verhelfen. So soll die Energiesteuer für regenerative Kraftstoffe auf den europäischen Mindestsatz gesenkt werden, und die E-Fuels sollen ebenfalls auf den CO2-Flottengrenzwert angerechnet werden. Die Abgeordneten sehen in den E-Fuels "vor allem im Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr einen wichtigen Baustein für klimaneutrale Mobilität". Konkrete Maßnahmen für das Pkw-Segment sind jedoch nicht enthalten.

Gedanken haben sich die Autoren auch über die Herkunft des Stroms gemacht, der zur Herstellung von E-Fuels benötigt wird. "Besonders wichtig ist dabei, den Verkehrssektor mit dem Energiesektor zu verknüpfen", sagte der Initiator des Papiers, Christoph Ploß. Der Energieverbrauch eines mit E-Fuels betriebenen Verbrennerfahrzeugs ist dem Papier zufolge drei- bis fünfmal so hoch wie der eines reinen Elektrofahrzeugs.

Stromkosten spielen "keine entscheidende Rolle"

Für die Abgeordneten spielt das jedoch "keine entscheidende Rolle", denn in vielen Produktionsländern seien die Stromkosten sehr gering. So ließen sich E-Fuels an vielen geeigneten und "entwicklungspolitisch interessanten" Standorten günstig herstellen und auch gut transportieren.

Ein ähnliches Vorhaben scheiterte jedoch bereits einmal: Desertec, das Europa mit in der Sahara erzeugtem Solarstrom versorgen sollte, und an dem mehrere deutsche Firmen beteiligt waren, versandete schließlich (Woran Desertec am Ende scheiterte, lesen Sie hier).

Das Positionspapier der Unionsfraktion im Bundestag soll am Dienstag beschlossen werden, Tags zuvor findet das Spitzentreffen zur Zukunft der Mobilität statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mehrere Minister sowie die Spitzen von Union und SPD wollen am Montag in Berlin mit Vorständen der Autoindustrie und den Gewerkschaften zusammenkommen und über neue Antriebstechnologien, mehr Klimaschutz und die Auswirkungen für die Beschäftigen zu sprechen.

CDU-Parteivorstand setzt in eigenem Papier auf E-Autos

Der Vorstand der CDU beriet dagegen über ein eigenes Positionspapier, das stärker auf Elektromobilität und Anreize zum Klimaschutz setzt. Darin heißt es, eine ökologische Reform der Kfz-Steuer im Sinne "einer stärker nutzungs- und emissionsbezogenen Bepreisung des motorisierten Individualverkehrs" sei denkbar. Parteivize Thomas Strobl und Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann hatten die Vorlage ausgearbeitet. Das Papier lag der Nachrichtenagentur AFP vor.

Beide bedauern darin, dass ein Durchbruch der Elektromobilität noch nicht gelungen sei: "Wir appellieren deshalb an die Hersteller, erschwingliche Einstiegsmodelle anzubieten." Zudem will die CDU demnach das Angebot an Ladesäulen für E-Autos ausbauen und das Erneuerbare-Energien-Gesetz ändern, damit bei der Batteriezellfertigung "Gigawattfabriken als Teil einer deutschen E-Mobilitätsstrategie" gebaut werden können.

Anm. d. Red.: Ursprünglich hieß es im Text, das Positionspapier der Unionsfraktion sei bereits beschlossen. Tatsächlich soll es am Dienstag beschlossen werden, ist nach Angaben eines Abgeordneten jedoch bereits mit allen Fachpolitikern abgestimmt.

gt/ene

insgesamt 217 Beiträge
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Awesomeness 24.06.2019
1. Ist das ein Mehrwert?
Die meisten Leute reagieren emotional, weil sie eben einen alten Verbrenner besitzen und nun fürchten, damit nicht mehr in die Stadt zu kommen. Die Lösung für dieses Dilemma kann aber nicht sein, diese Technologie unbedingt erhalten zu wollen. Es muss einen Weg geben, wie diese Leute zukunftsfähig auf E-Mobilität gebracht werden können ohne das aus eigener Tasche extra bezahlen zu müssen. Und die Möglichkeiten zum Laden von E-Autos (fahre selbst eins) müssen vielfältiger und günstiger werden. Wer blöket, das ginge nicht, der schaue nach Norwegen oder in die Niederlande, da geht es wunderbar! Wir hatten mit Varta einen der besten Batterie- und Akkuhersteller der Welt. Wir haben mit Bosch einen der aktuell besten Hersteller von Elektroantrieben der Welt. Wir haben insgesamt die größte und beste Automobilindustrie der Welt. Wir sind als winzig kleiner Staat mit nur 80 Millionen Einwohnern für fast 6% der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich. Wenn ein Staat die Möglichkeit hat, E-Mobilität flächendeckend einzuführen ohne seine Bürger dafür bluten zu lassen, dann ist das die Bundesrepublik Deutschland!
Patenting 24.06.2019
2. Ja was denn nun - Planlosigkeit!
Erst den sparsamen Diesel wegen Stickoxid kaputt hauen, dann durch uneinhaltbare CO2-Grenzwerte den Umstieg auf E-Autos erzwingen -und nun doch wieder Verbrenner retten ? Könnten Politiker nicht erstmal nachdenken und dann handeln ??
noalk 24.06.2019
3. Beteiligte
Wer außer Ploß war noch am Erstellen dieses Positionspapiers beteiligt? Waren auch Wissenschaftler und Ingenieure dabei? Ich wage das mal zu bezweifeln.
Paliim 24.06.2019
4. CDU 1920 CDU will Kutschen subventionieren, um das Auto zu stoppen
Hallo aufwachen Deutschland. Fast alle Länder in Europa haben die Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren bis 2040 verboten. Dem Elektromotor gehört die Zukunft. Wir müssen mit der Zeit gehen, ansonsten verschlafen wir die nächste Zukunftstechnologie. Synthetischer Kraftstoff kostet etwa 5€ pro Liter. Wer soll das denn bezahlen?
smallbit 24.06.2019
5. Verbrennungsmotor O..K., aber dann mit anderer Technik
z.B: wie bei BMW, "Benziner" als Gasmotor mit Wasserstoffverbrennung oder Diesel mit Flüssiggaseinspritzung. Verbrenner mit "alten" Treibstoffarten aus synthetischer Produktion produzieren auch "alte" Schadstoffe. Noch besser als Batteriekarren, deren Batterieerzeugung eine Umweltsauerei ist, wären allerdings Brennstoffzellen. U-Boote laufen längst damit ohne Probleme. Und der Transport von Wasserstoff bringt auch nicht so viele Probleme wie das Stromstrippenziehen über Land, wo jede Milchkannproduzent/in dagegen klagt. Tankstellen ließen sich damit auch weiterverwenden. Aber alter Wein in alten Schläuchen? Da haben unsere Politiker nichts gelernt, reif für den Darwin-Preis.
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