Modelle aus Edelmetall Goldfinger

Noch immer kein passendes Weihnachtsgeschenk gefunden? Wie wäre es mit einem Modellauto? Wenig originell, werden Sie einwenden - und liegen damit völlig falsch. Denn wer sein Präsent bei Robert Gülpen bestellt, beweist dem Empfänger höchste Wertschätzung.


Von wegen, Modellautos sind nur etwas für Kinder. Wer einmal sonntags über eine Sammlerbörse bummelt oder im Internet die Auktionspreise vergleicht, der wird schnell feststellen, dass Spielen hier eine todernste Sache ist und der Nachwuchs allenfalls das Alibi liefert für die Sammelleidenschaft. Dabei geht es auch um reichlich Geld, weil schon für kleine Plastikautos große Beträge bezahlt werden. Doch kaum ein Oldtimer im Kinderzimmer ist so teuer wie die Neuwagen, die Robert Gülpen maßstabsgetreu auf die kleinen Räder stellt. Denn während etwa Matchbox die Karosserien maschinell aus Zinn gießt und bei Wiking der Porsche aus Plastik hergestellt wird, verwendet Gülpen für seine Pretiosen ausschließlich Silber, Gold und Platin. Das macht die Modelle zu Goldschätzchen auf Rädern, die bei Preisen von bis zu 20.000 Euro mitunter sogar mehr wert sind als manches Original.

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Edel-Modellautos: Goldene Zeiten für Sammler

Dabei weiß Gülpen sehr wohl, mit was er es zu tun hat. Schließlich war der Ingenieur lange Jahre Entwickler bei Mercedes und hat dort unter anderem am SL 600 der Baureihe R 129 mitgearbeitet. Weil es damals allerdings kein Modell "seines" Daimlers gab, das den hohen Ansprüchen des peniblen Tüftlers genügte, schritt Gülpen selbst zur Tat. Und war damit auf Anhieb so erfolgreich, dass er jetzt nur noch seine eigenen Autos baut. Das erste Modell hat er allerdings nicht behalten: "Das befindet sich auch heute noch immer im Vorstandsbereich von DaimlerChrysler in Stuttgart. Dorthin habe ich nach wie vor einen guten Kontakt", sagt Gülpen nicht ohne Stolz.

150 Teile und 300 Arbeitsstunden pro Edel-Modell

Jedes einzelne Fahrzeug besteht aus mehr als 150 Teilen, für die jedes Mal eine Vorlage präpariert und in Gips gebrannt wird. Danach füllt der Tüftler das 1000 Grad heiße Metall ein, das ein Vakuum in die Form saugt. Dann kann er nur noch hoffen, dass alles gut gegangen ist. Denn um an das Bauteil zu kommen, muss die Gussform zerschlagen werden. Ist die Tür oder Motorhaube so, wie sie sein soll, dann wird das Goldstück aus der Form geschält, poliert und in Samthandschuhen zur Endmontage beiseite gelegt. Dabei achtet der Goldfinger der Branche auf jedes noch so kleine Detail: An den Motoren kann man sogar Antriebsriemen, Zündverteiler oder Auspuffkrümmer erkennen, und auch die Felgen sind fein ausgearbeitet, obwohl jede Speiche kaum dicker ist als ein Haar. Kein Wunder, dass der Ingenieur für solch ein Modell bis zu 300 Stunden braucht und der Preis schnell auf das Niveau eines Kleinwagens klettert. Viel mehr als 100 oder 150 Autos im Jahr seien für ihn kaum zu schaffen, sagt Gülpen.

"Solch edle Karosserien kann man natürlich nicht mit Anbauteilen aus Plastik und Gummi entweihen", sagt Gülpen, der auch für Fenster, Scheinwerfer und Reifen in die Schmuckkiste greift. So fräßt er die Pneus zum Preis von 500 Euro pro Satz aus Onyx, die Scheiben werden aus Bergkristall geschliffen. Und wenn so ein Goldstück besonders schön funkeln soll, dann montiert er als Blinker oder Scheinwerfer auch mal Edelsteine. Selbst der Lack ist keine normale Farbe, sondern eine Legierung aus Gold und Platin, die galvanisch aufgebracht wird.

Jaguar, Porsche oder VW-Bus - alles wird gebaut

Bei der Wahl seiner Vorbilder ist Gülpen ausgesprochen flexibel. Zwar hat er eine gewisse Affinität für Mercedes, nicht zuletzt weil bei ihm das Wort Silberpfeil so schön doppeldeutig ist. Doch kommen aus seiner Werkstatt auch Porsche, Jaguar und Ferrari oder sogar mal ein Smart. Und wer sich seinen VW Bus, seinen Helikopter oder seine Luxusyacht nachbilden lassen möchte - kein Problem. Allerdings baut Gülpen kein Modell mehr als 50 Mal, damit die Exklusivität gewahrt bleibt. Auch beim Maßstab richtet sich der automobile Goldkünstler ganz nach den Vorgaben seiner Kunden - und nach deren finanziellem Spielraum. Schließlich wird eine Limousine in 1:18 fast 40 Zentimeter lang und bringt dann schon mal drei Kilogramm auf die Waage. Und selbst die kleinste Ausgabe birgt auf zehn Zentimetern mehr Edelmetall als die Schmuckschatulle mancher Millionärsgattin.

Zu Gülpens Kunden zählen vor allem die Fahrzeughersteller selbst, die besonders gute Kunden oder ihre Vorstände gerne mit den edlen Modellen bedenken. Außerdem verkauft der Mann mit den goldenen Händen oft an ebenso leidenschaftliche wie finanzkräftige Autosammler, denen der Jaguar, der Maybach oder der Ferrari in der Garage nicht ausreicht. Damit man auch am Schreibtisch noch von der letzten Ausfahrt träumen kann, bestellen sie in Rimsting am Chiemsee zum Original die passende Replik, die Gülpen samt Fotodokumentation der Herstellung und Echtheitszertifikat im schmucken Metallkoffer ausliefert. Und hin und wieder werden die Modelle auch als Weihnachtgeschenke bestellt. Zwar muss man dann zum Spielen an den Tresor. Aber gemessen an manch anderen Präsenten in dieser Preislage haben die Modellautos einen eindeutigen Vorteil: Sie passen problemlos unter den Christbaum.



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