Modellfahrzeuge Germany's next Supermodell

Die "Modellautos des Jahres" stehen fest, ein Minimobil mit 2365 Einzelteilen erhielt die höchste Auszeichnung. Wir zeigen die Gewinner aller Kategorien - küren Sie Ihren persönlichen Favoriten.

Minichamps

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Die Winker funktionieren tatsächlich, die Ösen der Textilplane sind aus Messing gefertigt und die Kappe des Einfüllstutzens am Edelstahlkühler lässt sich abschrauben - in den Details des Mercedes-Benz Renntransporters LO 2750 aus dem Jahr 1934 könnte man sich lange verlieren. Das Modellauto im Maßstab 1:18 besteht schließlich aus 2365 Einzelteilen, zu denen sogar vier Unterlegkeile gehören, falls der Wagen mal in einer Vitrine ausgestellt wird, die nicht ganz gerade steht.

Natürlich ist dieses Kleinod kein Produkt fürs Kinderzimmer, sondern für Sammler. 694 Euro kostet der blau lackierte und auf tausend Exemplare limitierte Laster des Herstellers CMC aus Fellbach bei Stuttgart, dessen akribische Nachbildung des Originals aus den Dreißigerjahren ihm soeben den Titel "Supermodell des Jahres 2017" eingebracht hat. Vergeben wurde die Auszeichnung jetzt bei der Prämierung der "Modellautos des Jahres", der wichtigsten Leserwahl der Branche, die alljährlich von der Fachzeitschrift "Modell Fahrzeug" ausgerichtet wird.

"Supermodell des Jahres 2017": Der Nachbau eines Mercedes-Benz Renntransporters LO 2750
CMC

"Supermodell des Jahres 2017": Der Nachbau eines Mercedes-Benz Renntransporters LO 2750

Würden Sie sich auch für den Mercedes entscheiden? Oder einen rassigen, aktuellen Sportwagen? Hier können Sie abstimmen, und zwar unter den Gewinnern aller Kategorien.

So funktioniert es: Sie sehen immer zwei Fotos, können sich ein Urteil bilden und auf das Modellauto klicken, das Ihnen besser gefällt. Das andere Modellauto verschwindet und ein neues erscheint - wieder können Sie vergleichen und auf Ihren Favoriten klicken. Am Ende bleibt Ihr persönliches "Top-Modellauto" übrig.

Vergeben werden die Trophäen in diesem Jahr im "Traumwerk" nahe Bad Reichenhall, der exquisiten Spielzeugsammlung von Hans-Peter Porsche, in insgesamt 23 Kategorien, je nach Maßstab, Fahrzeugtyp und Modellvariante. Dabei werden nicht nur fertige Modellautos fürs Sammlerregal, sondern auch Flitzer für die elektrische Rennbahn oder Modelle zum Zusammenbauen gekürt. Unter den Modellbausätzen beispielsweise wurde der des Lamborghini Huracan im Maßstab 1:8 der Firma Pocher prämiert. Der Bausatz umfasst mehr als 800 Teile, wiegt rund sieben Kilogramm und kostet 699,95 Euro.

Der Innovationspreis ging an ein Boxermotor-Modell

Prämiert wurden aber nicht nur High-End-Modellautos, die deutlich mehr kosten als ein Satz neuer Winterreifen, sondern auch erschwinglichere Miniaturen. Etwa ein Volvo Amazon Maßstab 1:87 von Wiking für 13,99 Euro, der in der Kategorie "Pkw Klassik" die meisten Stimmen ergatterte. Und der Innovationspreis ging an den Bausatz eines Porsche-Motors aus dem Franzis-Verlag im Maßstab 1:4. Wer dafür 169 Euro anlegt, kann sich ein Modell des Zweiliter-Sechszylinder-Boxers von 1966 zusammenschrauben und dann schauen, ob alles funktioniert. Inkludiert ist sogar ein Soundmodul, das den typischen Boxerklang imitiert.

Modellautos - ob teuer oder billig, zum Selberbasteln oder fix und fertig aus dem Karton - haben vor allem mit Erinnerungen zu tun. Mit alten Zeiten, Nostalgie und vielleicht auch ein bisschen Wehmut. Nach dem Motto: Wie elegant und formschön Autos, Motorräder oder Lkw früher doch aussahen! Doch der kleinformatige Blick zurück könnte bald selbst zur Erinnerung werden. Der Grund dafür sind die Modellautokäufer in China.

Neue Nachfrage aus Fernost - aber nach anderen Modellen

"China wird immer mehr zu einem relevanten Markt in der Modellbaubranche und wird daher auch die Modellproduktion in Deutschland beeinflussen", sagt Andreas Berse, Chefredakteur der Zeitschrift "Modell Fahrzeug", der größten deutschsprachigen Fachpublikation zum Thema. "Die Mittelschicht in China wächst, und daher können sich immer mehr chinesische Sammler das relativ kostspielige Hobby leisten", sagt Berse. Und das wird mutmaßlich das Modellfahrzeug-Angebot deutlich verändern - denn Chinesen interessieren sich nicht für klassische Modelle.

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Minimobile: Das sind die "Modellautos des Jahres 2017"

Alten Autos haftet in Fernost ein rostiges Billig-Flair an. Warum sollte man sich für Altmetall interessieren, wenn man einen Neuwagen kriegen kann? "Die Chinesen stellen sich lieber das Modell in die Vitrine, das sie selbst auch im wirklichen Leben fahren", sagt Fachmann Berse. Die Autohersteller nutzen diese Vorliebe zum Marketing in eigener Sache. So erhalten chinesische Neuwagenkäufer zu ihrem Pkw oft das gleiche Modell im Maßstab 1:18 als Geschenk. Als der deutsche Modellautobauer Norev die aktuelle Mercedes S-Klasse als Modell auflegte, gingen 50 Prozent der Produktion ins Reich der Mitte.

Auto-Klassiker? Gibt es nicht in China

Es gibt noch einen Grund, warum Modelle klassischer Fahrzeuge in China keine Beachtung finden: Auch die Originale werden kaum geschätzt. China fehlt eine eigene Automobil-Historie, und Import-Oldtimer gibt es nicht, denn die Einfuhr von Gebrauchtautos, die älter als drei Jahre sind, ist verboten. Das in Europa und in den USA gepflegte Bohei um klassische Autos - in China ist es unbekannt.

Nicht nur der von China stark beeinflusste Neuwagen-Trend wird den Modellautomarkt der nächsten Jahre prägen, sondern "der Markt splittet sich auch immer weiter auf", sagt Berse. Wie bei den "echten Autos", wird auch bei den Modellfahrzeugen die Modellflut immer größer. Vom Feuerwehrauto bis zum Rennwagen, vom Muldenkipper bis zum Gelenkbus, vom Cabriolet bis zum Dragster - die Zielgruppen werden immer spezifischer bedient, für jede Vorliebe gibt es ein Modellfahrzeug. Während die Vielfalt des Angebots explodiert, schrumpfen zugleich die Stückzahlen pro Serie. Dennoch funktioniert das Geschäft, denn neue Materialien und Produktionsmethoden wie der 3D-Druck machen auch kleine Serien profitabel.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
schorsch_69 16.11.2017
1. Och Joh!
Wäre schon sinnvoll, darauf hinzuweisen, das insbesondere Bausätze bestenfalls ihren Wert halten oder evtl. sogar steigern können, wenn diese nicht bespielt aka zusammen gebaut wurden.
Hirn gefragt? 16.11.2017
2. Ist das wirklich so?
Zitat von schorsch_69Wäre schon sinnvoll, darauf hinzuweisen, das insbesondere Bausätze bestenfalls ihren Wert halten oder evtl. sogar steigern können, wenn diese nicht bespielt aka zusammen gebaut wurden.
Die meisten Dinger werden doch heutzutage in "Großserie" produziert, gerade in der Modellbaubranche sind doch fast nur die Big Player übrig geblieben...
steffen.ganzmann 16.11.2017
3. Nicht unbedingt.
Zitat von schorsch_69Wäre schon sinnvoll, darauf hinzuweisen, das insbesondere Bausätze bestenfalls ihren Wert halten oder evtl. sogar steigern können, wenn diese nicht bespielt aka zusammen gebaut wurden.
Schön gebaute Dioramen verkaufen sich gut, gerade Figuren zu bemalen ist für viele Modellbauer zu schwierig - ich mach's auch nicht gerne -, darum kaufen sie gerne schon fertig bemalte Figuren und ich bin mir sehr sicher, wenn mein Umbau einer _Mayflower_ im Massstab 1:50 zum recht kleinen niederlänischen Ostindienfahrer _Halve Maen_ fertig ist, würde sich das Model auch gut verkaufen. Denn in 1:50 kann man sich bei der Détailierung so richtig austoben: In Räume, die von Aussen einsehbar sind, kommt eine komplette Inneneinrichtung (Tische, Stühle, Betten und in der Back die damals für einfache Matrosen üblichen Hängematten, Fenster werden mit durchsichtigem Plastik "verglast", die Kanonen sind durch gedrehte Bronzerohre mit Echtholzlafetten ausgetauscht - die _Halve Maen_ war anders sowie schwerer bewaffnet als die _Mayflower_, zum Beisiel hatte sie eine "Jagdkanone" mit sehr grosser Reichweite auf der Back und vier bis sechs Drehbassen, musste sie doch piratenverseuchte Gewässer befahren - und selbst die Schiffsglocke ist aus Bronze. Was mir noch etwas Gedanken macht, ich würde gerne in die einsehrbare Back den gemauerten Herd einbauen, weiss allerdings noch nicht wie. Eigentlich würde mir schon das Bild eines solchen Herdes weiterhelfen. Den Topf hätte ich schon, denn die Schiffsglocke gab es nur im Doppelpack (Welches Schiff hatte denn zwei Schiffsglocken?), also umgedreht, sowie mit entferntem Klöppel wäre das ein prächtiger Suppentopf. Und für ein solch extrem verfeinertes Modell werden Liebhaber mit Sicherheit einiges Geld ausgeben, keine Frage. Aber Modelle, die einfach aus dem Kasten gebaut werden, kauft natürlich keiner ...
steffen.ganzmann 16.11.2017
4. Nein
Zitat von Hirn gefragt?Die meisten Dinger werden doch heutzutage in "Großserie" produziert, gerade in der Modellbaubranche sind doch fast nur die Big Player übrig geblieben...
Modelle der Firma Minichamp sind limitiert (500 - 1 000 Stück) und ziemlich teuer - ich habe von dieser Firma ein Modell meines Autochens. Deren Wert wird sicherlich steigen. Und ja, ich weiss auch, Minichamp ist sehr umstritten, das diese Firma in Gefängnissen ihre Modell bauen lässt. Aber wenn ich im Gefängnis wäre, wurde ich lieber Modellautochen bauen, als irgendeine andere, schmuddelige Arbeit machen zu müssen wir Hoffegen und andere Reinigungstätigkeiten! Und die sehr liebevolle Bemalung der Modelle zeigt, dass es den Jungs auch Spass macht ...
_unwissender 16.11.2017
5. Dynamik?
Die Branche hat es in sich. Die Preise sind recht flott. Bei Wiking kostet der im Februar vorgestellte Volvo schon wieder 1 Euro (also gut 7%) mehr.
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