Nordrhein-Westfalen Monheim bekommt kostenlosen Nahverkehr

Die Bewohner des nordrhein-westfälischen Monheim könnten künftig kostenlos Bus fahren - zumindest nach einem Beschluss des Stadtrats. Zur Umsetzung fehlt noch die Zustimmung des Verkehrsverbundes.
Busse in Monheim: Künftig kostenlos

Busse in Monheim: Künftig kostenlos

Foto: Federico Gambarini/DPA

Der Stadtrat von Monheim am Rhein hat die Einführung eines Gratis-Nahverkehrs beschlossen. Der Rat der 44.000-Einwohner-Kommune nahe Düsseldorf stimmte am Mittwochabend einstimmig dafür, dass die in Monheim gemeldeten Bürger spätestens ab April 2020 für Busfahrten nichts mehr zahlen müssen.

Monheims städtische Flotte umfasst 47 Busse. Die in der Stadt gemeldeten Bürger sollen auch ins benachbarte Langenfeld umsonst fahren können. Zugereiste sollen in Monheim aber weiterhin Tickets lösen. Die Stadt hatte im März bereits mit der Einführung fahrerloser Kleinbusse von sich reden gemacht.

Eine Bahn hat Monheim nicht, die Busse steuern aber S-Bahn-Haltestellen hinter der Stadtgrenze an - dort können Fahrgäste in die S-Bahn umsteigen und nach Düsseldorf oder Köln fahren. Für so eine Fahrt halbiert sich der Preis. Für die wegbrechenden Ticketeinnahmen zahlt Monheim pro Jahr etwa drei Millionen Euro an das lokale Nahverkehrsunternehmen.

In Pfaffenhofen hat sich die Zahl der Fahrgäste mehr als verdoppelt

Zur Umsetzung der Entscheidung fehlt noch die Zustimmung des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, der neben Monheim auch Düsseldorf und den Ruhrpott umfasst. Diese könnte im Spätsommer erteilt werden.

Neu ist das Konzept des kostenlosen Nahverkehrs nicht. Im brandenburgischen Templin waren Gratisbusse von 1998 bis 2003 unterwegs. Im bayerischen Pfaffenhofen befördern seit Ende 2018 sechs Linienbusse kostenlos Einheimische und Zugereiste, seither haben sich die Passagierzahlen dort mehr als verdoppelt.

Umstritten ist die Idee nicht nur wegen der Kosten, sondern auch, weil Autofahrer sich durch die Maßnahme nicht zwingend umstimmen lassen. Die estnische Hauptstadt Tallinn setzt beispielsweise seit 2013 auf kostenlosen Nahverkehr. Die Zahl der Fahrgäste stieg zwar an, der Fahrgastzuwachs ging allerdings zurück auf Passagiere, die vorher zu Fuß gegangen waren und diese Wege nun mit dem ÖPNV zurücklegten.

fek/dpa