Frühere Fahrerlaubnis Moped-Führerschein ab 15 - Verkehrswacht warnt vor "höherer Risikofreude"

Kommt der Moped-Führerschein schon für 15-Jährige? Das Bundeskabinett könnte dies mit einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes möglich machen. Doch es gibt auch Bedenken.

Hendrik Schmidt/DPA


Im Kabinett soll heute voraussichtlich darüber beraten werden, ob das Mindestalter für den Moped-Führerschein von 16 auf 15 Jahre gesenkt werden kann. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte angekündigt, mit einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes den Ländern diese Möglichkeit dauerhaft einzuräumen. Kritiker des Vorhabens sehen aber Risiken - unter anderem, weil Jugendlichen noch die nötige Erfahrung im Straßenverkehr fehle.

Von der Änderung profitieren sollen vor allem Jugendliche auf dem Land, wo kaum Busse und Bahnen fahren. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen seit einigen Jahren bereits Modellversuche. Vertreter dieser Länder berichteten von positiven Erfahrungen, die Mobilität junger Leute sei erhöht worden.

Die Versuche sind allerdings befristet bis Ende April 2020. Nach einer Gesetzesänderung könnten die Länder dann entscheiden, ob sie von den neuen Regeln Gebrauch machen.

ADAC begrüßt den Vorschlag

Als Mopeds gelten in Deutschland Kleinkrafträder mit höchstens 50 Kubikzentimetern Hubraum, die nicht schneller als 45 km/h fahren. Für das Zweirad ist die Führerscheinklasse AM erforderlich. Mopeds sind in Deutschland zulassungsfrei und benötigen auf öffentlichen Straßen eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen.

Ende des vergangenen Jahres hatten sich die Verkehrsminister der Länder darauf geeinigt, dass jedes Bundesland selbst festlegen kann, ob es das Mindestalter auf 15 Jahre senkt. "Dass andere Länder auf Grund regionaler Gegebenheiten keinen Bedarf an einem Moped mit 15 sehen, respektieren wir", sagte Thüringens Verkehrsministerin Birgit Keller (Linke) damals.

Der ADAC begrüßte die Pläne, das Mindestalter für den Moped-Führerschein zu senken. Aus seiner Sicht ist es aber wünschenswert, eine bundeseinheitliche Regelung zu finden, um einen "unübersichtlichen Flickenteppich" zu verhindern.

Fehlende Erfahrung und höhere Risikofreude bei Jugendlichen

Die Deutsche Verkehrswacht indes warnte vor Sicherheitsrisiken. Ein Sprecher sagte, zwar könne ein Führerschein ab 15 die individuelle Mobilität von Jugendlichen ergänzen und bereichern - vor allem in ländlichen Gebieten. "Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass Jugendliche im Straßenverkehr durch fehlende Erfahrung und eine höhere Risikofreude auch besonders gefährdet sind." Jugendliche auf dem Moped seien generell stärker gefährdet. Bei einem Führerschein ab 15 Jahren würden sie früher und damit in größerer Zahl am Straßenverkehr teilnehmen.

Bei einer möglichen flächendeckenden Einführung des Moped-Führerscheins ab 15 sei kritisch abzuwägen, ob perspektivisch der erwartete Mehrwert für die Mobilität in einem angemessenen Verhältnis zu den Risiken stehe. "Diese Prozesse werden wir ganz genau beobachten müssen", hieß es.

Die geplante Gesetzesänderung auf Bundesebene zum Moped kommt mitten in einer Debatte über ein anderes Mobilitätsthema: die Zulassung von Tretrollern mit Elektromotor. Scheuer hatte angesichts breiter Sicherheitsbedenken unter den Bundesländern angekündigt, er wolle langsame E-Roller doch nicht auf Bürgersteigen erlauben. Damit will der CSU-Politiker eine rasche Zulassung der neuen Gefährte noch im Sommer absichern. Der Bundesrat stimmt am Freitag über die Zulassung ab.

ala/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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sid19 15.05.2019
1. Lieber Auto statt Moped
Als meine Kinder in dem Alter waren, habe ich mir gewünscht, dass sie mit 15 oder 16 Auto fahren dürfen anstatt Moped. Wie in den USA. Mit einem Learner-Kennzeichen und in der Geschwindigkeit beschränkt. Das wäre viel sicherer für alle Seiten. Und sicherlich auch genehmere da man im Auto nicht nass wird und eine Heizung hat.
achherrjee 15.05.2019
2.
“Kritiker des Vorhabens sehen aber Risiken - unter anderem, weil Jugendlichen noch die nötige Erfahrung im Straßenverkehr fehle.” Man kann ja Menschen vieles vorwerfen, aber fehlende Erfahrung? Hat man denn mit 16 oder 18 mehr Erfahrung im Straßenverkehr, wenn man dann die Fahrerlaubnis bekommt?
romanpg 15.05.2019
3. Mofa?
Ist hier wirklich die Mofa-Fahreaubnis gemeint, also bis 25 km/h? Die darf man nämlich soweit ich weiß jetzt schon mit 14 machen. Oder ist eher die Führerscheinklasse AM für Motorroller gemeint?
Henson 15.05.2019
4. Besser als Mofa
Ich hatte damals mit 15 ein Mofa. Damit war man ein komplettes Verkehrshindernis und es war sicherlich gefährlicher als ein Motorrad, dass maximal 80 fahren kann. Meiner Meinung nach wäre das eine gute Entscheidung.
kleinsteminderheit 15.05.2019
5. Mobilität
Jugendliche können, ab 15 Jahren in Ausbildung gehen. Außerhalb der Städte sind sie dabei, mangels ÖPNV, auf ihre eigene Mobilität angewiesen. Ein Moped erhöht den Radius, der für den Jugendlichen erreichbaren Ausbildungsstellen, ganz erheblich.
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