Motorradhelm Leiser, leichter, sicherer

Einen Helm leichter und damit komfortabler zu bauen ist kein Problem - die Kunst besteht darin, die Sicherheit beizubehalten. Das gelingt den Herstellern, indem sie Kohlefaser oder Kevlar einsetzen.

Essen/Stuttgart - Der Helm ist rund und wird es wohl auch bleiben - doch hinter dieser auf den ersten Blick immer gleichen Fassade der Motorradhelme tut sich ständig etwas. Die Entwickler feilen immer weiter an den Details, um die Helme sicherer und das Tragen für den Fahrer angenehmer zu machen.

"Früher wogen Helme 1600 bis 1700 Gramm, heute sind es in der Regel zwischen 1200 und 1400 Gramm", sagt Michael Burkhardt, Inhaber des Fachgeschäfts GoTo Helmstudio in Stuttgart. "Das hört sich vielleicht nicht nach einem großen Unterschied an, ist aber ein wirklicher Fortschritt." Schließlich verstärkt sich die Last auf dem Kopf mit wachsender Geschwindigkeit durch den Fahrtwind.

Auch im Fall eines Unfalls ist das Gewicht des Helms unter Umständen mitentscheidend für die Schwere der Verletzungen. Denn bei einem Aufprall multipliziert sich jedes Gramm des Helmgewichts, so Ruprecht Müller, Techniker des ADAC in München und unter anderem zuständig für Helmtests des Automobilclubs. Die durch das Gewicht entstehende Mehrbelastung kann in der Folge auch eine Ursache für Verletzungen der Halswirbelsäule sein.

In besonders hochwertigen Helmen wird auch mit außergewöhnlichen Materialien gearbeitet, die die herkömmlichen Kunststoffe und Glasfaser verstärkten Kunststoffe (GFK) ergänzen. Zum Einsatz kommen dabei die ebenso leichte wie schlag- und abriebfeste Kohlefaser oder Kevlar, das laut Burkhardt auch in kugelsicheren Westen für Schutz sorgt. Wird allerdings statt GFK Kohlefasergewebe verarbeitet, ist der Helm laut dem Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen nicht nur leichter - er ist auch teurer.

Ein zweites Anliegen der Helmmacher ist der Geräuschpegel. Denn unter Umständen können Motorradfahrer durch den Fahrlärm auf Dauer sogar einen Gehörschaden erleiden, so Ruprecht Müller. Und je schneller die Motorräder werden, desto höher ist auch die mögliche Geräuschentwicklung, die der Fahrer zu erdulden hat. Mittel zur Lärmreduzierung ist unter anderem eine Optimierung der Aerodynamik. Hinzu kommen bessere Abdichtungen zum Beispiel am Visier, auch die unteren Abschlüsse der Helme werden laut Burkhardt optimiert.

Wichtig ist dabei, dass der Fahrer nicht komplett von den Umweltgeräuschen abgekapselt wird. "Ein guter Helm schottet die Außengeräusche nicht ab, ist aber trotzdem leise", so Ruprecht Müller. Eine verbesserte Aerodynamik schont aber nicht nur das Gehör, sondern bietet noch weitere Vorteile: "Der Fahrer kann zum Beispiel entlastet werden, wenn er bei höheren Geschwindigkeiten zum Schulterblick den Kopf drehen muss", so Christoph Gatzweiler vom Industrie-Verband Motorrad (IVM) in Essen.

Mittlerweile haben die Helmhersteller offenbar sogar ein Übel aus der Welt geschaffen, von dem mancher schon nicht mehr glaubte, dass es jemals beseitigt werden würde: Es gibt nach Angaben der Experten nun tatsächlich Visiere, die in den meisten Situationen beschlagfrei bleiben.

Doch so sehr die Technik auch voran schreitet, die Grundregeln, die für die Anschaffung eines Helmes gelten, haben sich nicht verändert. Und eine solche Anschaffung ist regelmäßig an der Reihe: "Spätestens nach fünf bis sechs Jahren ist ein Helm auszutauschen", so Elmar Forke, Leiter ifz. Denn einerseits altert zumindest bei den Helmen aus so genannten thermoplastischen Kunststoffen wie Polykarbonat und Polyamid das Material, zum anderen sorgt die innere Ausstattung nach längerer Benutzung nicht mehr für den optimalen Sitz des Helmes.

Wichtig bei der Neuanschaffung ist vor allem die optimale Passform - das Aufsetzen des Helms zur Probe ist daher mehr als sinnvoll. Das ifz rät, den Helm bei der Anprobe mindestens zehn Minuten auf dem Kopf zu behalten. Denn die Helmgröße allein ist nicht Ausschlag gebend für guten Sitz. Vielmehr kommt es auf die jeweilige Innenausstattung an. Auf keinen Fall sollte außerdem auf eine Probefahrt verzichtet werden. Denn dabei zeigt sich nach Angaben von Ruprecht Müller auch, wie sich das Zusammenspiel von Helm, Körpergröße des Fahrers und einer möglichen Motorrad-Verkleidung zum Beispiel auf den Geräuschpegel auswirkt.

Von Heiko Haupt, gms