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Intermot 2012: Interessant und teuer

Foto: BMW

Motorradmesse Intermot Her mit dem teuren Zeug

Die Kölner Intermot 2012 wird eine Veranstaltung zum Träumen: Zu sehen sind viele neue Motorräder, darunter grandiose Groß-Enduros. Für die meisten Käufer sind die Premium-Bikes jedoch unerschwinglich. Und die generelle Zurückhaltung - auch bei der Billigware - macht vor allem den Japanern zu schaffen.

Wollte man die heißeste Neuigkeit der Intermot 2012 schon vorab und abschließend in einen Tweet packen, könnte die Meldung nur lauten: Biker träumen weiter von den eigentlich unbezahlbaren Groß-Enduros.

Die wichtigsten Neuheiten auf der größten deutschen Motorradmesse in Köln sind 2012 überdimensionierte Reisedampfer im Offroad-Look. Sie gaukeln allesamt Geländetauglichkeit vor, werden aber in der Praxis fast nur auf der Landstraße bewegt. BMW, Ducati und KTM versprechen ein buntes Feuerwerk dieser Schlachtschiffe für betuchte Premium-Kunden. BMW hat vom Nachfolgemodell der inzwischen über 30 Jahre alten R 1200 GS bisher nicht viel preisgegeben. Die wenigen Erlkönig-Aufnahmen zeigen, dass der Kardan auf die linke Hinterradseite wandert und die neue wassergekühlte Maschine zierlich baut. Der neue Motor soll aus knapp unter 1200 Kubik etwa 125 PS leisten und auf maximales Drehmoment getrimmt sein. Das Getriebe ist erstmals in das Motorgehäuse integriert.

Ducati hat seine verbesserte Multistrada 2013 bereits in Bilbao testen lassen: Die zweite Generation hat wieder den 150 PS starken Testastretta-Motor, der im Ansprech- und Verbrauchsverhalten noch mal optimiert wurde, und das semi-aktive Federungssystem Ducati Skyhook Suspension (DSS). Flaggschiff der Italiener ist die 1200 S Granturismo mit größeren Koffern, einem Topcase, zusätzlicher LED-Beleuchtung und verbessertem Windschutz.

Angriff auf den Platzhirsch

Freudig und gespannt wird die KTM 1190 Adventure erwartet. Der Neubau der Österreicher mit dem Motor aus dem Mattighofener Superbike leistet 150 PS aus 1195 Kubik, hat maximales Drehmoment von 120 Nm und ein Integral-Gelände-ABS. Die Maschine wird mit 230 Kilogramm voll getankt noch leichter sein als der bisherige Platzhirsch, die BMW R 1200 GS. Das Urteil der meisten Beobachter schon ohne wirklich erhellende Testfahrt: Trotz Multistrada, Triumph Explorer und Yamaha XT 1200 wird die KTM die erste wirkliche Herausfordererin des Münchener Verkaufsschlagers.

Gemeinsam haben die in Köln präsentierten Maschinen, dass sie inzwischen in einem fast obszönen Preissegment für ein Hobbyfahrzeug angekommen sind. Unter 14.000 Euro ist keines der nackten Grundmodelle zu haben; jedes weitere Schräubchen und Zubehör lassen sich die Hersteller üppig bezahlen. Die Multistrada Granturismo knackt schon ab Werk die 20.000-Euro-Hürde.

Das Erstaunliche an diesen Preisen: Sie werden von den Kunden bezahlt; Premium-Motorräder aus München und Italien gehen weg wie geschnitten Brot. Sie sorgten zusammen mit den Selbstläufern von Harley-Davidson in den ersten sieben Monaten 2012 auch für einen kleinen Anstieg in den Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr und zufriedenen Gesichtern bei den Markenhändlern.

Strenge Zweiklassengesellschaft

Davon können die japanischen Hersteller zur Zeit nur träumen. Seit knapp vier Jahren haben sie mit dramatischen Einbrüchen auf den europäischen Märkten zu kämpfen. Beispiel Honda: Während BMWs Superbike S 1000 RR im vergangene Jahr auf Platz fünf der deutschen Verkaufsstatistik landete, hatte die vergleichbare Honda Fireblade Mühe, Platz 50 zu erreichen. BMW wird in Köln die HP4 zeigen, eine verschärfte S 1000 RR mit jeglichem zur Zeit auf dem Markt verfügbaren Elektronikbauteil. Honda hat ein "neues Superbike" angekündigt - für die "Zukunft".

Auch in der bezahlbaren Mittelklasse, einst Japans Domäne für einträgliche Geschäfte, sind die Käufer weiter zögerlich. An der Technik und am Preis kann es nicht liegen. Honda hat sich seit vergangenem Jahr mit Modellen wie der NC 700 S zu sensationell günstigen 5500 Euro wieder hervorragend positioniert: So gute, bezahlbare Motorräder mit hohem Spaßfaktor brauchen der Markt und die Fahrschulen.

Auch in Köln will sich Honda weiter um die Nachwuchsförderung verdient machen: Noch hat die Offenbacher Firmenzentrale nichts bestätigt, doch spekuliert wird über zwei Einsteigermodelle mit 500 Kubik namens CBR500 and CB500, die in Thailand gebaut werden sollen. Ähnliches hat Kawasaki vor: Mit zwei Modellen mit 300 und 636 Kubik wird die grüne Sportbike-Palette konsequent nach unten und in Richtung junge Fahrer erweitert. Blöd nur, wenn die nicht wegen Mopeds, sondern wegen einem iPhone Schlange stehen.

Enttäuschen werden, wenn nicht noch plötzlich völlig Unerwartetes passiert, wieder einmal Suzuki und Yamaha. Beide Hersteller haben höchst verschwurbelt Pressekonferenzen angekündigt, doch das traurige Stichwort wird sein: Modellpflege. Yamaha hat neue, blaue Farbtöne und den Dauerbrenner XJ6 mit neuem Dekor. Suzuki? Davon hat man rein gar nichts gehört und es wäre schon ein Wunder, wenn irgendeine substantielle Innovation käme.

Überraschendes für Auge und Herz werden stattdessen in Köln wieder die kleinen Hersteller, Tuner und Liebhaber bieten. Beispiel LSL-Motorradtechnik aus Krefeld: Die Zubehör- und Umbau-Spezialisten haben einen Klassik-Roadster auf Basis der Husqvarna Nuda 900 angekündigt. Ja, so was will man sehen.