Fotostrecke

Fotostrecke: Die Elektro-Neuheiten auf zwei Rädern

Foto: Energica

Elektroantrieb bei Motorrädern Das Zögern der Großen

Der Umstieg auf Elektromotoren - das zeigte die Motorradmesse EICMA in Mailand - ist auch bei Zweirädern nicht aufzuhalten. Die großen Hersteller scheinen das jedoch nicht zu bemerken.

178 Kilogramm Kampfgewicht, 208 PS Leistung, 1,1-Liter-Verbrennungsmotor: Die Verleihung des Titels "Best Bike of Show" auf der Motorradmesse EICMA 2019 war - mal wieder - keine Überraschung. Warum die Ducati Streetfighter V4 prämiert wurde? Ganz klar ist das nicht. Vielleicht weil es den Ingenieuren gelungen ist, in den zwölf Monaten seit der letzten Messe wieder ein Fitzelchen Drehmoment mehr auf die Straße zu programmieren?

Geht man von Leistungssprüngen als entscheidendem Parameter aus, hätte eigentlich ein anderes Fahrzeug der Star der Messe sein müssen: Die Eva Ribelle, die neue Elektro-Streetfighterin vom italienischen Hersteller Energica. Sie wird ab 2020 mit einem 21,5-kWh-Batteriepaket ausgeliefert. Bisher passten lediglich 13,4 kWh in den Akku.

Durch die Aufstockung sollen Reichweiten von 400 Kilometer innerorts, 230 Kilometer auf der Landstraße und 180 Kilometer auf der Autobahn möglich sein. Außerdem sollen die neuen Akkus nach weniger als 60 Minuten zu 95 Prozent geladen sein. Die Ribelle wird damit nicht nur das stärkste Serien-E-Bike auf dem Markt, sie steht auch für einen Generationensprung.

BMW will auf den richtigen Zeitpunkt warten

Hersteller wie Honda oder BMW zögern dagegen mit dem konsequenten Einstieg ins Elektrogeschäft, obwohl sie auf langjährige Erfahrung aus dem Automobilbereich zurückgreifen und die Kosten quersubventionieren könnten. Zwar zeigten die Münchner die gelungene Studie DC Roadster, die historische BMW-Zutaten wie einen Akku in der typischen Form eines Boxermotors und einen offenen Kardan-Antrieb aufnimmt.

Doch kaufen kann der Kunde den E-Boxer in absehbaren Jahren nicht, selbst ein weiterer E-Roller als kleine Schwester des C-evolution lässt auf sich warten. BMW verweist darauf, dass man beim Einstieg in die E-Mobilität den richtigen Zeitpunkt abwarten und treffen müsse. Timo Resch, Leiter von Vertreib und Marketing bei BMW Motorrad, sagt: "Wenn die Elektromobilität im Zweiradbereich Fahrt aufnimmt, wird es von uns auch ein Angebot von attraktiven Fahrzeugen geben."

E-Antriebe beleben Marken neu

Der Einstieg in die Elektromobilität beflügelt nicht nur bekannte Marken. E-Power haucht auch längst Totgeglaubten - bevorzugt aus Italien - wieder neues Leben ein: Malaguti kündigt für 2021 E-Bikes mit zunächst 8 kWh Batteriekapazität an. Italjet plant einen E-Roller noch für das Modelljahr 2020. Das neue Flaggschiff der Traditionsmarke Lambretta, ein Roller mit 325 ccm, soll zügig als Elektroversion gebaut werden und gegen die E-Vespa antreten. Auch Peugeot will seine Fahrzeugpalette elektrifizieren, der City Roller E-Ludix soll schon im Januar 2020 beim Händler stehen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Die Elektro-Neuheiten auf zwei Rädern

Foto: Energica

Aus den USA kommen neben den etablierten Namen Zero - mit rund 1400 E-Zulassungen in Deutschland - und Harley-Davidson auch neue Anbieter. Eines der Start-ups nennt sich Hadin, gegründet wurde es 2016 in Kalifornien. Das auf der Messe in Mailand gezeigte Erstmodell hört auf den Namen Panther und soll eine Reichweite von 160 Kilometern bieten. 1500 Stück des barock anmutenden E-Choppers sollen 2020 in China montiert werden.

Das konsequenteste E-Motorrad kommt aus Südafrika

Das optisch bisher konsequenteste Elektromotorrad bietet dagegen der Felgen- und Carbon-Spezialist BST Blackstone TEK aus Johannesburg. Zusammen mit dem ehemaligen Ducati-Designer Pierre Terblanche haben die Südafrikaner ein Motorrad namens Hypertek aufgelegt. Sie verzichten auf die traditionelle Optik mit "Motorblock" und "Tank". Die nur 205 Kilogramm schwere Maschine soll 300 Kilometer weit kommen, bei einer Ladezeit von rund 40 Minuten.

Konventionelleres, aber auch Billigeres bieten die chinesischen Hersteller an. Niu verkauft zurzeit etwa 820.000 Fahrzeuge weltweit und dominiert mit seinen Rollern den deutschen Markt, zahlreiche Newcomer aus China folgen auf dem Fuß.

So baut die neue Marke Horwin die Modelle CR6 und CR6 Pro. Zwei ansprechende Motorräder mit Sechsganggetriebe, einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern und einem Topspeed von 105 km/h. Verkaufsleiter Walter Bauer rechnet sich bei Preisen von rund 6000 Euro gute Chancen auf dem deutschen Markt aus: "Wir haben zwischen Flensburg und Garmisch flächendeckend Händler."

Auch der chinesische Hersteller Voge drängt mit Macht auf den europäischen Markt. Neben reichlich langweiligen Verbrennern präsentierte die Marke das E-Bike ER 10, mit einer Batteriekapazität von 4,2 kWh und einer Reichweite von 100 Kilometern, das auf dem US-Markt rund 4750 Dollar kosten soll.

Heimspiel für Taiwan

Teurer, aber auch von einem anderen technischen Kaliber sind die E-Naked-Bikes des taiwanesischen Herstellers Otto Bike. Neben dem Modell MCR, einem Zweisitzer mit über 220 Kilometer Reichweite, baut die Firma auch den Einsitzer MCR S und die Enduro MXR. In Taiwan fahren die Modelle bereits, wann ein Vertrieb für den deutschen Markt aufgebaut werden soll, ist noch unklar.

Im Vertriebsvorteil ist dagegen der Rollerspezialist Kymco, der seine geplanten E-Motorräder über das Händlernetz von MSA Weiden ausliefern wird. Die in Mailand vorgestellte RevoNex ist der Serienfertigung schon ziemlich nah. Laut Kymco-Chef Allen Ko soll das 205 km/h schnelle E-Sportbike im Jahr 2021 bei den Händlern stehen.

Verglichen mit diesem starken chinesischen und taiwanesischen Engagement halten sich die großen japanischen Hersteller bislang auffällig zurück. Bei Suzuki und Honda: kein Wort zum Thema Elektroantrieb.

Nur Yamaha hat ein Elektrokonzept

Lediglich die Entwicklungsabteilung von Yamaha scheint sich ernsthaft mit dem E-Antrieb zu befassen. Anfang November zeigte der japanische Hersteller auf der Tokyo Motor Show die Konzeptstudien E01 und E02, zwei E-Roller, die im urbanen Bereich Verbrenner mit 125 und 50 Kubikzentimeter Hubraum ersetzen sollen.

Takeshi Higuchi, bei Yamaha Motor Europe für Smart Powered Vehicles verantwortlich, sagt: E-Mobilität habe, gerade auch vor dem Hintergrund der Marktentwicklung in Europa, bei Yamaha eine hohe Priorität: "Unbestritten hat Elektromobilität eine große Zukunft. Yamaha ist gut aufgestellt. Es ist alles nur eine Frage des richtigen Zeitpunktes."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.